Öffentliche Vorträge in Bad Münstereifel


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2015

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) bietet in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung jedes Jahr eine öffentliche Vortragsreihe in Bad Münstereifel an. Die Vorträge finden zwischen April und November, einmal pro Monat jeweils an einem Mittwoch (meist der 1. Mittwoch im Monat), statt und beginnen um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Vorträge werden im Rats- und Bürgersaal im 1. Stock des Rathauses von Bad Münstereifel (Marktstrasse 15) durchgeführt. Sofern nicht anders angegeben, kommen die Referenten vom MPIfR.

Mittwoch, 1. April 2015 Dr. Norbert Junkes
Das 100-m-Radioteleskop Effelsberg
Mittwoch, 6. Mai 2015 Priv.-Doz. Dr. Jürgen Kerp
(AIfA Bonn)
Exoplaneten und Kommunikation
Mittwoch, 3. Juni 2015 Dr. Michael Geffert
(AIfA Bonn)
Unsere Milchstraße
- von Herschels Sternzählungen bis zur Dunklen Materie
Mittwoch, 1. Juli 2015 Dr. Hans-Rainer Klöckner Zukunftsprojekt SKA:
Aktueller Status und neue Wissenschaftsexperimente
Mittwoch, 5. August 2015 Dr. Norbert Wex 100 Jahre Allgemeine Relativitätstheorie
- Experimentelle Bestandsaufnahme durch einen Radioastronomen
Donnerstag, 10. September 2015 Dr. Rainer Beck Die Andromeda-Galaxie M31, der große Nachbar der Milchstraße
Mittwoch, 30. September 2015 Dr. Jens Kauffmann
Sternentstehung im Galaktischen Zentrum

Das 100-m-Radioteleskop Effelsberg

Mittwoch, 01. April 2015, 19:30

Dr. Norbert Junkes

In einem Tal bei Effelsberg, einem Ortsteil der Stadt Bad Münstereifel, steht seit Anfang der 1970er Jahre eines der größten Radioteleskope der Welt. Über vier Jahrzehnte erfolgreiche Forschungsarbeit - damit erfasst das 100-m-Teleskop inzwischen 50% der Zeit, in mit der Untersuchung von Radiostrahlung aus dem Universum ein zweites Fenster ins Weltall eröffnet wurde.

Im Lauf der Zeit sind die Empfangssysteme für das 100-m-Teleskop um ein Vielfaches empfindlicher geworden, aber die Beobachtungen werden auch durch eine immer umfassendere kommerzielle Nutzung von Frequenzbändern zunehmend erschwert.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die aktuelle Forschung mit dem 100-m-Teleskop, die Beobachtungen bei hoher Zeitauflösung zur Erforschung von Pulsaren und bei hoher Frequenzauflösung für Spektrallinien von Atomen und Molekülen umfasst. Die Beobachtung polarisierter Radiostrahlung ermöglicht die Untersuchung von kosmischen Magnetfeldern und ein weltweit zusammengeschaltetes Netzwerk von Radioteleskopen im VLBI- ("Very Long Baseline Interferometry") Verbund zeigt Details von fernen Galaxien bei sehr hoher Winkelauflösung.

Über 40 Jahre nach seiner Fertigstellung steht das 100-m-Radioteleskop Effelsberg immer noch an der Vorderfront astronomischer Forschung und zählt zu den leistungsstärksten Teleskopen weltweit.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie zum Thema "Supernova-Überreste und ihre Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium" promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (Australia Telescope National Facility, ATNF, Sydney), in Kiel (Institut für Theoretische Physik und Astrophysik) und in Potsdam (Astrophysikalisches Institut Potsdam, AIP) arbeitet er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Norbert Junkes war von 2008 bis 2014 Vorstandsmitglied der Astronomischen Gesellschaft.

Exoplaneten und Kommunikation

Mittwoch, 06. Mai 2015, 19:30

Priv.-Doz. Dr. Jürgen Kerp, AIfA Bonn

Astronomen entdecken mehr und mehr extrasolare Planeten, Planeten um fremde Sonnen. Ziel der Suche ist die Entdeckung einer "zweiten Erde", auf der sich vielleicht ebenso "Leben" entwickelt hat wie bei uns.

In diesem Vortrag möchte ich Ihnen einen Überblick geben, welche Fortschritte die Suche nach extrasolaren Planeten bisher erreicht hat, was wir derzeit wissen und welche Fortschritte in naher Zukunft möglich werden können. Auch die Radioastronomie wird in naher Zukunft zu diesem Thema wesentlich beitragen können, da wir mit dem Square-Kilometer-Array (SKA) vielleicht sogar unsere Nachbarn im All "hören" können.

Biographische Angaben:

Jürgen Kerp hat von 1984 bis 1990 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert. Von 1990 bis 1991 hat er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verfertigt, von 1991 bis 1994 am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und Garching ist er seit 1998 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn (heute Teilbereich des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn) angestellt. Im Jahr 2004 hat er sich an der Universität Bonn im Fach Astronomie habilitiert. Jürgen Kerp ist Projektleiter von EBHIS, dem Effelsberg-Bonn HI Survey.

 

Unsere Milchstraße - von Herschels Sternzählungen bis zur Dunklen Materie

Mittwoch, 03. Juni 2015, 19:30

Dr. Michael Geffert, AIfA Bonn

Vor etwas mehr als 200 Jahren richtete der Astronom Wilhelm Herschel sein gigantisches Riesenfernrohr auf das verschwommene Band der Milchstraße, um als erster die Struktur und Ausdehnung unserer Heimatgalaxis zu ergründen. War für Herschel unser Sonnensystem noch mehr oder weniger der Mittelpunkt der Milchstraße, so kamen Astronomen vor etwa 100 Jahren zu der Erkenntnis, dass die Sonne doch etwa 30.000 Lichtjahre von ihrem Zentrum entfernt liegt.

Heute beschäftigen sich die Astronomen mit Fragen der Entstehung und Entwicklung unserer Milchstraße. Darüber hinaus gibt es unter den Wissenschaftlern eine lebhafte Debatte, ob es wirklich die "Dunkle Materie" ist, die für die große Geschwindigkeit der Sterne am Rande unserer Galaxis verantwortlich ist.

Biographische Angaben:

Michael Geffert hat Physik und Astronomie in Bonn studiert und im Jahr 1986 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn promoviert. Er war von 1978 bis 1986 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geodätischen Institut der Universität Bonn und seit 1986 am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn (AIfA). Im Jahr 1991 wurde er zum Akademischen Rat und im Jahr 1996 zum Akademischen Oberrat ernannt. Von 2007 bis 2010 hat er die deutschen Aktivitäten im Internationalen Jahr der Astronomie 2009 (IYA2009) koordiniert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Astrometrie, galaktische Sternhaufen und die Struktur der Milchstraße. Seit vielen Jahren engagiert er sich für das Thema Astronomie in der Öffentlichkeit. Er gründete das Grundschulprojekt "Astronomie vor Ort" und organisiert regelmäßig Lehrerfortbildungen am AIfA.

Zukunftsprojekt SKA: Aktueller Status und neue Wissenschaftsexperimente

Mittwoch, 01. Juli 2015, 19:30

Dr. Hans-Rainer Klöckner

Das "Square Kilometre Array" (SKA) wird das größte und bei weitem empfindlichste Radioteleskop der Welt sein. Aufgrund der Kombination aus technischer Innovation, beispielloser Vielseitigkeit und Empfindlichkeit wird das SKA in den nächsten 50 Jahren ein Eckpfeiler der weltweiten Bemühungen sein, das Universum, seine Gesetze sowie seine Herkunft und Entwicklung zu verstehen.

Dieser Vortrag wird das SKA-Teleskop vorstellen, den aktuellen Status des Projektes, sowie die wissenschaftlichen Möglichkeiten aufzeigen und neue Wissenschaftsexperimente diskutieren.

Biographische Angaben:

Hans-Rainer Klöckner hat sein Studium der Physik und Astronomie im Jahr 1998 an der Universität Bonn mit einer Diplomarbeit zum Thema „Vergleich von neutralem Wasserstoff (HI) und Magnetfeldstrukturen in unserer Milchstraße“ am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn (heute Teilbereich des Argelander-Instituts für Astronomie, AIfA) abgeschlossen. Er hat im Jahr 2004 am Kapteyn-Institut der Universität Groningen/Niederlande über das Thema „Extragalaktisches Hydroxyl (OH)“ promoviert und hat als Postdoc, zunächst bei ASTRON/Niederlande und dann im Bereich „Observational Cosmology“ an der Universität Oxford/Großbritannien gearbeitet. Im Rahmen dieser Arbeit war er bereits an einer Design-Studie zum SKA beteiligt. Seit Januar 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn.

100 Jahre Allgemeine Relativitätstheorie - Experimentelle Bestandsaufnahme durch einen Radioastronomen

Mittwoch, 05. August 2015, 19:30

Dr. Norbert Wex

Am 18. November 1915 zeigte Albert Einstein, dass seine Allgemeine Relativitätstheorie (ART) auf natürliche Weise die beobachtete Periheldrehung des Merkur erklärt. Die Lösung, dieses seit 1859 ungelösten Problems der Himmelsmechanik, gelang Einstein bereits eine Woche bevor er die ART als abgeschlossen erklären konnte, und markiert die erste experimentelle Überprüfung der Theorie. Seither gelang es, zahlreiche Vorhersagen der ART mit hoher Präzision zu verifizieren. Dabei spielte die Radioastronomie eine besonders wichtige Rolle.

Der Referent berichtet über eine Vielzahl von experimentellen Tests, die die ART im Verlauf der letzten 100 Jahre mit Bravour bestanden hat. Dabei wird besonders auf Experimente mit Radiopulsaren eingegangen, die bisher einzigartige Überprüfungen der ART ermöglichen. Im Vortrag werden auch zukünftige Tests der ART im Bereich der Radioastronomie angesprochen, wie die direkte Suche nach Nanohertz-Gravitationswellen und die Vermessung der Raumzeit des Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Milchstraße.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Wex studierte Physik und Astronomie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und promovierte anschliessend in der Max-Planck-Arbeitsgruppe "Gravitationstheorie" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er war als Gastwissenschaftler tätig am "Research Centre for Theoretical Astrophysics" der Universität Sydney, in der Pulsar-Gruppe von Joseph H. Taylor Jr. an der Universität Princeton und von 1998 bis 2000 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe "Radiokontinuum" am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Seit Mai 2009 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe "Radioastronomische Fundamentalphysik" am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Für seine Arbeiten wurde er mit dem Promotionspreis der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet. Zu seine Forschungsgebieten zählen die Allgemeine Relativitätstheorie, Alternative Gravitationstheorien, Pulsare, Tests von Gravitationstheorien mit Hilfe von Pulsaren, Gravitationswellen und Schwarze Löcher.

Die Andromeda-Galaxie M31, der große Nachbar der Milchstraße

Donnerstag, 10. September 2015, 19:30

Dr. Rainer Beck

Im Sternbild Andromeda ist mit dem bloßen Auge ein schwacher Nebel erkennbar, dem der französische Astronom Charles Messier den Katalognamen "M 31" gab. Auf Aufnahmen durch große Teleskope entpuppt er sich als riesiges System aus Sternen und Gas. Erst vor etwa 80 Jahren wurde klar, dass es sich um eine eigenständige Galaxie handelt, ähnlich alt und groß wie unser eigenes Milchstraßensystem: Die Andromeda-Galaxie präsentiert unsere kosmische Heimat aus der Vogelperspektive. Die astronomisch geringe Entfernung von nur rund 2 Millionen Lichtjahren erlaubt einmalige Messungen in allen Spektralbereichen, vom Röntgen- bis zum Radiobereich. Das Radioteleskop Effelsberg spielte dabei eine wichtige Rolle.

Biographische Angaben:

Dr. Rainer Beck hat von 1969 bis 1975 an der Ruhr-Universität Bochum Physik und Astronomie studiert. Er hat 1979 in Bonn in Astronomie promoviert und ist seit 1980 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet sind Magnetfelder in Galaxien; seine Forschungsgebiete umfassen darüber hinaus auch Radiohalos von Galaxien und Kosmische Strahlung. Er hat eine Reihe von Tagungen zu diesem Thema organisiert, z.B. "The Origin and Evolution of Cosmic Magnetism" in Bologna (September 2005), und ist Mitherausgeber des Fachbuchs "Cosmic Magnetic Fields" aus dem Jahr 2005.

Sternentstehung im Galaktischen Zentrum

Mittwoch, 30. September 2015, 19:30

Dr. Jens Kauffmann

Das Zentrum der Milchstraße ist eine sehr interessante Region unserer Galaxis. Man findet dort nicht nur ein sehr massereiches Schwarzes Loch, sondern es tummeln sich dort auch viele interessante und ungeheuer dichte Gaswolken. Das Gas ist hier so stark zusammengeballt, dass die Wolken gern als Modell genommen werden, um die Sternentstehung in Starburst–Galaxien im frühen Universum zu verstehen.
Eine genauere Betrachtung zeigt nun jedoch, dass, verglichen mit dem Rest der Milchstraße, die Sternentstehung in diesen Wolken eher langsam abläuft. Wir stehen hier also vor einem Rätsel: wie kann es sein, dass sehr dichte Gaswolken nicht in sich zusammenfallen und Sterne bilden? Müssen wir unser Bild vom frühen Universum ändern?

Biographische Angaben:

Jens Kauffmann hat sein Physikstudium an der Universität Bonn mit einer Diplomarbeit zum Thema "Struktur und Stabilität von sternbildenden Molekülwolken" abgeschlossen und im Jahr 2006 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) mit einer Arbeit zum Thema "Strukturuntersuchungen in sternbildenden Molekülwolken" promoviert. Von 2006 bis 2009 war er als Postdoc am Center for Astrophysics der amerikanischen Harvard-Universität und von 2009 bis 2013 als Senior Postdoc am California Institute for Technology (CalTech) und Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, USA. Seit 2014 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPIfR in Bonn.

 
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