Öffentliche Vorträge in Bad Münstereifel


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2001

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie bietet in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung jedes Jahr eine öffentliche Vortragsreihe in Bad Münstereifel an. Die Vorträge finden zwischen April und Dezember jeweils am ersten Mittwoch eines Monats im Vortragsraum der Kurverwaltung [direkt neben der Stiftskirche (Parken auf dem Klosterplatz)] statt und beginnen um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Das Leben der Sterne

Mittwoch, 4. April 2001

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Sterne sieht man in einer klaren Nacht als schwach leuchtende Punkte am Himmel. Sterne sind Sonnen. Jeder (Fix-)Stern am Himmel ist eine Sonne, genau wie unsere Sonne; einige von ihnen strahlen tatsächlich bis zu 100.000mal heller als unsere Sonne. Es liegt an den großen Entfernungen der Sterne, daß uns unsere Sonne um ein Vielfaches heller erscheint. Während das Licht der Sonne nur acht Minuten bis zur Erde braucht, sind es vom nächsten Nachbarsternsystem (Alpha Centauri) bis zur Erde schon über vier Jahre!

Mit bloßem Auge sehen wir, auch unter besten Bedingungen, nur wenige Tausend Sterne am Himmel; das ist nur ein winziger Bruchteil der über hundert Milliarden (100.000.000.000) Sterne in unserer Milchstraße.

Der Vortrag berichtet über das "Leben" der Sterne, nämlich über die Zeit, in der sie tief in ihrem Inneren bei Temperaturen von mehreren Millionen Grad Energie durch Kernverschmelzung erzeugen. Dabei gibt es hell leuchtende Sterne, die ihren gesamten Brennstoffvorrat binnen weniger Millionen Jahre verschleudern, aber auch sehr langlebige Sterne, wie unsere Sonne, deren Lebensdauer ca. 10 Milliarden Jahre beträgt. Es geht ferner um die Entstehung der Sterne aus Wolken von Gas und Staub und um die Endstadien der Sternentwicklung, wie Supernovaüberreste, Weiße Zwerge und Neutronensterne.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (ATNF, Sydney), in Kiel (ITPA) und in Potsdam (AIP) ist er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Dunkle Materie

Mittwoch, 2. Mai 2001

Prof. Dr. Peter L. Biermann, MPIfR

Aus der Bewegung der Erde um die Sonne können wir auf die Masse der Sonne schließen, und entsprechend aus der Bewegung der Sonne um das Zentrum der Milchstraße auf die Masse der Milchstraße: damit können wir nachzählen, ob wir die so bestimmte Zahl an Sternen auch beobachten können. Das Resultat ist ernüchternd. Uns fehlen sehr viele Sterne, und wir müssen daraus schließen, daß vielleicht eine andere Art von Materie vorhanden ist, die zwar gravitativ, also durch ihre Schwerkraft, wirkt, aber unsichtbar ist: Wir nennen diese Materie "Dunkle Materie". Bis heute, nach vielen Versuchen, die Frage zu klären, was denn diese dunkle Materie sein könnte, haben wir nur wenige Ansätze, jedoch immer noch keine befriedigende Antwort auf die Frage, was denn die Welt im innersten gravitativ zusammen hält. Die heute bevorzugte Antwort besagt, daß die dunkle Materie aus noch unentdeckten exotischen Teilchen besteht.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Peter Biermann hat in Göttingen promoviert und sich habilitiert, und ist seit 1981 außerplanmässiger Professor für Astrophysik und Astronomie an der Universität Bonn, neben seiner Tätigkeit am MPIfR. Er war Gastprofessor in Toronto, Kanada; Tucson, Arizona, USA; und in Wuppertal. Er hält neben seiner Vorlesungstätigkeit in Bonn auch Vortragsreihen im Ausland, darunter in den letzten Jahren in China, Korea, Indien, Bulgarien, Rumänien, Italien, und den USA. Entsprechend umfaßt seine Gruppe Studenten und wissenschaftliche Gäste aus vielen Ländern. Das besprochene Thema ist eines der zentralen Themen der Arbeit in der Gruppe.

Die Welt der Galaxien

Mittwoch, 6. Juni 2001

Dr. Rainer Beck, MPIfR

Vor rund 20 Milliarden Jahren, kurz nach dem ersten Auftreten von stabiler Materie im Weltall, entstanden riesige Gaswolken, die Vorläufer der heutigen Milchstraßensysteme oder Galaxien. Radiowellen aus jener Zeit können bis zum heutigen Tage empfangen werden und tragen Botschaften über die Geburt von Galaxien. Später wurde das Gas kühl und dicht genug, um Sterne hervorbringen zu können. Manche Galaxien gingen großzügig mit ihrem Baumaterial um und bestehen heute fast nur noch aus gealterten Sternen, andere sind noch immer von jugendlichem Aussehen. Diese Vielfalt der Erscheinungsformen macht die Faszination der Galaxien aus. Spannend ist ihre Erforschung geworden, seitdem sich herausstellte, dass alle Galaxien erheblich größer sind als fotografische Aufnahmen erahnen lassen. Dadurch wird die "Kommunikation" mit Hilfe der Gravitation erleichtert. Wie Inseln eines Atolls sind sie untereinander verbunden, doch der Blick in die Tiefe des kosmischen Ozeans ist uns bisher nicht vergönnt.

Eine wichtige Rolle bei der Erforschung der Galaxien spielt seit nunmehr 30 Jahren das 100-m-Radioteleskop bei Effelsberg in der Eifel.

Biographische Angaben:

Dr. Rainer Beck hat von 1969 bis 1975 an der Ruhr-Universität Bochum Physik und Astronomie studiert. Er hat 1979 in Bonn in Astronomie promoviert und ist seit 1980 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet sind Magnetfelder in Galaxien; seine Forschungsgebiete umfassen darüberhinaus noch Radiohalos von Galaxien, Kosmische Strahlung und Supernovaüberreste.

Gas und Staub zwischen den Sternen

Mittwoch, 4. Juli 2001

Dr. Jürgen Kerp, RAIUB

Die Sterne und Sternbilder erscheinen uns als ewig und unvergänglich, denn seit Generationen ist uns ihr unveränderliches Erscheinungsbild bekannt. Selbst die ältesten Sternkarten zeigen noch die uns wohlbekannten Sternbilder der Tierkreiszeichen.

Jedoch ist auch das Leben eines Sterns begrenzt. Es währt Millionen bis Milliarden Jahre; dennoch kann die moderne Astronomie heute jeden einzelnen kleinen Schritt eines Sterns auf seinem Lebensweg studieren. Von der Geburtsstätte über die Jugend- und Erwachsenenzeit bis hin zum hohen Alter soll das Leben der Sterne in diesem Vortrag behandelt werden.

Dabei spielen das Gas und der Staub zwischen den Sternen eine herausragende Rolle, da beides sowohl am Anfang als auch am Ende eines Sternlebens steht.

Biographische Angaben:

Dr. Jürgen Kerp hat von 1984 bis 1990 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert. Von 1990 bis 1991 hat er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verfertigt, von 1991 bis 1994 hat er am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und Garching ist er seit 1998 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn angestellt.

Warum Effelsberg nicht alleine dasteht

Mittwoch, 1. August 2001

Dr. Rolf Schwartz, MPIfR

Die Fähigkeit, detailgenau Objekte im All zu messen, wird von den Astronomen als "Auflösungsvermögen" beschrieben. Das 100-m-Radioteleskop in Bad Münstereifel-Effelsberg erreicht mit seiner kürzesten Messwellenlänge von 3,5 mm eine Auflösung von ungefähr 10 Bogensekunden. Dies ist jedoch meilenweit von dem entfernt, was Astronomen benötigen, wenn sie die Kerne von sehr weit entfernten Objekten (Quasare, Radiogalaxien) im Detail studieren wollen. Da hilft die Methode der "Radiointerferometrie mit großen Basislängen" weiter, wobei Radioteleskope in vielen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten als Netzwerk zur gleichzeitigen Beobachtung eingesetzt werden. Das Effelsberger Radioteleskop stellt ein besonders wichtiges Glied des Netzwerks dar.

Die Methode der Radiointerferometrie wird beschrieben und die verschiedenen Interferometrienetzwerke, darunter das europäische Netzwerk (EVN), werden vorgestellt. Interessante Ergebnisse, die unter maßgeblicher Beteiligung des Teleskops in Effelsberg erzielt worden sind, werden ebenfalls vorgestellt.

Biographische Angaben:

Dr. Rolf Schwartz hat in Erlangen und München bis zum Vordiplom und danach in Bonn bis zum Diplom Physik studiert. Er wurde 1970 mit einer Arbeit über die Radiostrahlung offener Sternhaufen an der Universität Bonn im Fach Astronomie promoviert. Die Messungen, die zu dieser Dissertation geführt haben, wurden am Max-Planck-Institut für Radioastronomie bereits vor der Fertigstellung des 100-m-Radioteleskops Effelsberg mit dem 25-m-Radioteleskop auf dem Stockert durchgeführt. Rolf Schwartz ist bereits seit Ende der 60er Jahre Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie, inzwischen als Leiter der wissenschaftlichen und allgemeinen Verwaltung.

Radioteleskope der Welt - Effelsberg im Wettbewerb

Mittwoch, 5. September 2001

Dipl.-Ing. Karl Grypstra, MPIfR

Das 100-m-Radioteleskop in Effelsberg ist seit mehr als 30 Jahren ein wichtiges Instrument zur Erforschung grundlegender astronomischer und geophysikalischer Phänomene.

Obwohl das Observatorium weltweit mit mehr als 100 ähnlichen Einrichtungen konkurriert, kommt ihm häufig eine Schlüsselrolle bei den Beobachtungen zu.

Warum ist das so? Was leistet die Anlage besonderes, wo liegen ihre konzeptionellen und technischen Grenzen? Was erforschen andere Radiosternwarten?

Diese und weitere Fragen zum Radioteleskop Effelsberg behandelt Dipl.-Ing. Karl Grypstra in seinem Vortrag am 5. September im Hörsaal der Kurverwaltung Bad Münstereifel.

Biographische Angaben:

Dipl.-Ing. Karl Grypstra, Jahrgang 1948, studierte Elektrotechnik in Köln und schrieb seine Diplomarbeit über Antennen mit aktiven Bauelementen. Seit mehr als 18 Jahren ist er am Radioteleskop Effelsberg als Systemingenieur tätig. Sein Arbeitsgebiet umfaßt dort Entwicklung, Bau, Wartung und Reparatur radio-astronomischer Empfangseinrichtungen.

Flaresterne - Gigantische Eruptionen auf der Sternoberfläche

Mittwoch, 10. Oktober 2001

Prof. Dr. Ernst Fürst, MPIfR

Am 1. September 1859 um 12:18 MEZ entdeckten zwei englische Amateurastronomen unabhängig voneinander einen Anstieg der Helligkeit in einem kleinen Areal der Sonnenoberfläche. Anstieg und Abfall der Helligkeit vollzog sich in rund 5 Minuten. Dieses Ereignis ist die Geburtsstunde der Beobachtungen von Sonnenflares. In der Astrophysik bedeutet flare die kurzzeitige Freisetzung von Energie. Sterne, bei denen dieses Phänomen beobachtet wird, werden Flaresterne genannt. In diesem Sinne zählt die Sonne also zu den Flaresternen.

Durch die große Nähe der Sonne sind unsere Kenntnisse von Sonnenflares wesentlich umfangreicher. Sonnenflares betreffen tatsächlich nur ein kleines Areal. Das ist auch gut so, denn viel mehr würde einen starken Einfluß auf die Solarkonstante haben und damit auf das Leben auf der Erde. Die Gesamtänderung der Solarkonstante liegt unter einem Promille. Sonnenflares sind damit von Nachbarsternen aus nicht wahrnehmbar. Flares auf anderen Sternen und auch Sternflecken müssen daher zwingend wesentlich ausgedehnter und energiereicher sein.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Ernst Fürst hat an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert. Seine Diplomarbeit (1967) beschäftigt sich mit der Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen in der Sonnenatmosphäre. Nach der Anstellung am MPI für Radioastronomie folgten weitere sonnenphysikalische Arbeiten, die 1970 zur Promotion bei Prof. Dr. Otto Hachenberg (dem Erbauer des 100-m-Radioteleskops in Effelsberg) führten.

Internationale Zusammenarbeit vor allem mit Gruppen in den USA, Frankreich und Italien führten in den Jahren 1971 bis 1979 zu zahlreichen Auslandsaufenthalten. Nach der Habilitation 1976 an der Universität Bonn erfolgte eine Verlagerung der wissenschaftlichen Arbeiten auf Probleme der galaktischen Astronomie, besonders auf das Gebiet explodierender Sterne (Supernovae) und deren Überreste.

Nach der Leitung der Abteilung für wissenschaftliche Datenverarbeitung am MPI für Radioastronomie ist Prof. Fürst seit 1997 Leiter des Radio-Observatoriums Effelsberg.

Wasser im Universum

Mittwoch, 7. November 2001

Dr. William Sherwood, MPIfR

Es ist eine Erstentdeckung mit dem 100-m-Radioteleskop: Bereits Ende der 70er Jahre wurde mit dem Effelsberger Teleskop zum ersten Mal Wasser in einer anderen Galaxie (in der nahen Spiralgalaxie M33 im Sternbild Dreieck) nachgewiesen.

Bill Sherwood berichtet über seine Untersuchungen von Maser-Quellen (Wasser H2O und Hydroxil OH), und was man damit über Sternentstehung in unserer und in anderen Galaxien wie zum Beispiel der Starburst-Galaxie NGC 3079 herausfinden kann.

Biographische Angaben:

Dr. Bill Sherwood hat von 1961 bis 1967 an der Universität Toronto Physik und Astronomie studiert. Er hat 1973 in Edinburgh promoviert und ist seit 1975 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Natur von radiolauten und radioruhigen Galaxien und Quasaren; seine Forschungsgebiete umfassen darüberhinaus die Entstehung von Sternen und Kometen.

Johannes Kepler und seine Bedeutung für die moderne Astronomie

Mittwoch, 5. Dezember 2001

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Johannes Kepler (1571-1630) steht in mehrfacher Hinsicht für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Seine auf der Auswertung des umfangreichen Beobachtungsmaterials von Tycho Brahe basierenden Gesetze zur Planetenbewegung (Kepler'sche Gesetze) bilden ein wesentliches Fundament für das heliozentrische Weltbild, in dem die Erde und die anderen Planeten um die Sonne kreisen.

Durch die Gesetze der Planetenbewegung ist er vielleicht am bekanntesten; Kepler hat sich aber auch mit Optik befaßt (Kepler-Fernrohr), Mathematische Schriften und Kalender herausgegeben, und mit den "Rudolfinischen Tafeln" ein astronomisches Tabellenwerk, das noch jahrhundertelang als Grundlage für Berechnungen z.B. in der Seefahrt benutzt wurde.

Besonders herausgestellt seien aber zwei weitere Schriften: "De Stella Nova" (über den neuen Stern) beschreibt die Supernova aus dem Jahr 1604 (heute als "Keplers Supernova" bekannt), den seit fast 400 Jahren letzten in unserer Milchstraße beobachteten Ausbruch einer Supernova. Und "Somnium", eine phantastische Erzählung über einen Flug zum Mond kann man mit Recht als frühe Science-Fiction-Story bezeichnen.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (ATNF, Sydney), in Kiel (ITPA) und in Potsdam (AIP) ist er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig.

 
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