Öffentliche Vorträge in Bad Münstereifel


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1998

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie bietet in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung jedes Jahr eine öffentliche Vortragsreihe in Bad Münstereifel an. Die Vorträge finden zwischen April und November jeweils am ersten Mittwoch eines Monats im Vortragsraum der Kurverwaltung [direkt neben der Stiftskirche (Parken auf dem Klosterplatz)] statt und beginnen um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Galaxien mit heftiger Sternentstehung

Mittwoch, 1. April 1998

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Unser Milchstraßensystem, die Galaxis, zählt zu den eher ruhigeren Vertretern ihrer Art. Sternentstehung läßt sich hier nur in einzelnen Regionen, wie z.B. dem bekannten Orion-Nebel, nachweisen. Es gibt jedoch auch Galaxien, in denen die Sternentstehung millionenfach stärker ist als in unserer Milchstraße, in denen heftige Sternentstehungsexplosionen das gesamte System erschüttern. In meinem Vortrag werde ich über Untersuchungen berichten, die nicht nur den Bereich des sichtbaren Lichts, sondern auch Radio- und Röntgenstrahlung von solchen Galaxien umfassen.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat 1986 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn im Fach Physik diplomiert und ebenfalls dort 1989 im Fach Astronomie promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit an der Universität Kiel sowie am Astrophysikalischen Institut Potsdam ist er seit Februar 1998 wieder am MPI für Radioastronomie, und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Leben im Universum

Mittwoch, 6. Mai 1998

Prof. Dr. Johannes Schmid-Burgk, MPIfR

War der Mars einst belebt, gibt es andere Körper in unserem Sonnensystem, auf denen sich Leben entwickeln konnte? Wie steht es mit der "Bewohnbarkeit" des Weltalls insgesamt? Sind die für Leben notwendigen Stoffe überall zu haben oder nur ganz ausnahmsweise, wie auf der Erde? Angetrieben von modernsten Beobachtungstechniken finden Astrophysik, Astrochemie und Kosmologie in rapiden Schritten Antworten auf diese Fragen - der Vortrag berichtet über den neuesten Stand unserer Kenntnis.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Johannes Schmid-Burgk hat 1965 in München im Fach Physik diplomiert, 1969 in Heidelberg im Fach Astronomie promoviert und sich dort 1975, ebenfalls in Astronomie, habilitiert. Seit 1982 ist er Professor an der Universität Bonn und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Physik von Sternentstehungsregionen.

Wenn Sterne zusammenstoßen - Gammastrahlenfeuerwerk beendet ihr Leben

Mittwoch, 3. Juni 1998

Dr. Duncan Lorimer & Dr. Peter Müller, MPIfR

Kosmische Gamma-Bursters, kurze Ausbrüche von Gamma-Strahlung mit hohen Energien, wurden vor 30 Jahren von amerikanischen Satelliten entdeckt. Die Entdeckung war, wie viele astronomische Phänomene, ein Zufall, da die Satelliten von Militärs gestartet worden waren, um russische Nukleartests zu überwachen! Neutronensterne werden am häufigsten als Quelle für Gamma-Bursters vorgeschlagen, weil sie in der Lage sind, Energie auf kurzen Zeitskalen freizusetzen. Das Hauptproblem für alle Theorien ist zur Zeit die Entfernungsbestimmung, da die Bursters nur eine Lebensdauer von höchstens ein paar Sekunden haben. Erst kürzlich wurde dieses Rätsel mit Hilfe einer neuen Generation von Satelliten gelöst. In diesem Vortrag wird von der fazinierenden Geschichte der Gamma-Bursters erzählt.

Biographische Angaben:

Dr. Duncan Lorimer hat zwischen 1987 und 1990 an der Universität Cardiff Astrophysik studiert. Er ist danach zur Universität Manchester gewechselt und hat dort 1994 in Radioastronomie promoviert. Das Thema seiner Arbeit behandelte die Suche nach Pulsaren - hoch magnetisierte, schnell rotierende Neutronsterne. Seit 1995 ist er Mitarbeiter am MPI für Radioastronomie, wo er sich weiter mit Pulsaren beschäftigt.

Dr. Peter Müller hat 1985 am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn sein Diplom im Fach Physik erworben, und ebenfalls dort 1988 im Fach Astronomie promoviert. Er ist seit 1991 am MPI für Radioastronomie in der Rechnerabteilung tätig und beschäftigt sich ebenfalls mit Pulsaren.

Galaktische Strahlung

Mittwoch, 1. Juli 1998

Dr. Jürgen Kerp, RAIUB

Jetzt, im Juli, können wir sie wieder am Nachthimmel sehen, unsere Milchstraße. Fernab der Großstädte, wie hier in Bad Münstereifel, ist das leuchtende Band der Milchstraße noch mit bloßem Auge erkennbar. Unser Auge ist ein äußerst empfindliches Instrument und bestimmte unsere Vorstellung von unserer Milchstraße bis zum Beginn dieses Jahrhunderts. Seitdem hat sich unser Bild der Milchstraße gründlich gewandelt. In diesem Vortrag möchten wir Ihnen einige neue Sichtweisen vorstellen und auch ungewöhnliche Ansichten der Milchstraße präsentieren. So werden Sie unsere Milchstraße mit Radio-, Infrarot- und Röntgen-Augen sehen. Auch soll Ihnen ein Eindruck vermittelt werden, wie die moderne Astronomie diese Vielfalt an Information zu einem einheitlichen Modell unserer Milchstraße formt.

Biographische Angaben:

Dr. Jürgen Kerp hat von 1984 bis 1990 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert. Von 1990 bis 1991 hat er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verfertigt, von 1991 bis 1994 hat er am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und Garching ist er seit 1998 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn angestellt.

Aktive Galaktische Kerne

Mittwoch, 5. August 1998

Dr. Alexander Kraus, MPIfR

"Aktive galaktische Kerne", kurz AGK, sind die Zentralregionen von weit (bis zu einigen Milliarden Lichtjahren) entfernten Sternsystemen oder Galaxien. Diese AGK offenbaren extreme Eigenschaften. Zum einen sind sie durch einen sehr hohen Energieausstoß gekennzeichnet: Über das gesamte elektromagnetische Frequenzspektrum emittieren sie bis zum hundert billionenfachen der Strahlung der Sonne. Zum anderen bilden sie Strukturen ("Jets"), die weit über die "Muttergalaxie" hinaus in den intergalaktischen Raum hinausreichen. Sowohl die Strahlungsintensität als auch die Jets der AGK zeigen - teilweise beträchtliche - Variationen auf Zeitskalen von Jahren bis hinunter zu wenigen Tagen oder sogar einigen Stunden. In diesem Vortrag wird ein Modell für den inneren Aufbau von AGK (das sogenannte Standardmodell, das auf der Annahme eines zentralen Schwarzen Lochs beruht) vorgestellt und erläutert. Außerdem wird über die Beobachtung von AGK im gesamten elektromagnetischen Spektrum vom Radio- bis hin zum höchstenergetischen Gamma-Wellenlängenbereich berichtet.

Biographische Angaben:

Dr. Alexander Kraus studierte von 1988 bis 1994 Physik und Astronomie an der Universität Bonn und der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Seine Diplomarbeit (1994) und seine Dissertation (1995-1997) fertigte er am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn an. Beide Arbeiten hatten die Untersuchungen von kurzzeitigen Intensitätsvariationen von aktiven Galaxienkernen zum Thema. Seit Januar 1998 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn beschäftigt.

Höchstenergetische Kosmische Strahlung

Mittwoch, 2. September 1998

Prof. Dr. Peter L. Biermann, MPIfR

Das, was die Natur im innersten zusammenhält, versucht man seit langer Zeit durch Stöße von Teilchen der höchsten Energien zu begreifen. Dafür baute man in Europa CERN auf, ein Labor in der Nähe von Genf, und in den USA Fermi-Lab, in der Nähe von Chicago. Aber das Weltall kann Teilchen erzeugen, deren Energien um mehr als eine Million mal höher liegt; solche Teilchen schießen auf die Erde mit einer Rate von 1 pro Quadrat-Kilometer und Jahrhundert. Indem wir die Atmosphäre selbst als Auffangscheibe benutzen, können wir diese Teilchen beobachten. Im Vortrag werden die Schwierigkeiten diskutiert werden, die Art dieser Teilchen und ihre Herkunft zu bestimmen. Wir haben die Hoffnung, daß uns diese Teilchen helfen, noch tiefer in die Natur von Masse und ihrer Wechselwirkungen einzudringen.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Peter Biermann hat in Göttingen promoviert und sich habilitiert, und ist seit 1981 außerplanmässiger Professor für Astrophysik und Astronomie an der Universität Bonn, neben seiner Tätigkeit am MPIfR. Er war Gastprofessor in Toronto, Kanada; Tucson, Arizona, USA; und in Wuppertal. Er hält neben seiner Vorlesungstätigkeit in Bonn auch Vortragsreihen im Ausland, darunter in den letzten Jahren in China, Korea, Indien, Bulgarien, Rumänien, Italien, und den USA. Entsprechend umfaßt seine Gruppe Studenten und wissenschaftliche Gäste aus vielen Ländern. Das besprochene Thema ist eines der zentralen Themen der Arbeit in der Gruppe.

Quasare - Energieriesen am Rande des Universums

Mittwoch, 7. Oktober 1998

Dr. Thomas Krichbaum, MPIfR

Quasare sind die leuchtkräftigsten Objekte im Universum. Trotz ihrer unvorstellbar großen Entfernung von bis zu 10 Milliarden Lichtjahren, dringt ihr Licht bis zu unserer Erde. Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Strahlung der Quasare erlaubt einen Einblick in die Prozesse, die für die immense Energieerzeugung im Inneren dieser Objekte verantwortlich sind. Der Vortrag mit Lichtbildern gibt einen allgemeinverständlichen Einblick in die neuesten Ergebnisse der astronomischen Erforschung der Quasare aus der Sicht der Bonner Radioastronomen. Leitmotiv des Vortrages ist die Frage nach dem Prozeß der Energieerzeugung durch massive Schwarze Löcher im Zentrum der Quasare und die Frage nach der Ursache für das 'Ausschleudern' von scheinbar überlichtschnellen Materiestrahlen (Jets).

Biographische Angaben:

Dr. Thomas Krichbaum hat an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert und dort 1990 in Astronomie promoviert. Nach seiner Postdoc-Tätigkeit ist er seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und beschäftigt sich mit der Erforschung extragalaktischer Objekte, vorwiegend auf dem Gebiet der Very Long Baseline Interferometry (VLBI) bei höchster räumlicher Auflösung im Bereich der Millimeterwellenlängen, aber auch mit der Untersuchung sehr kurzzeitiger Helligkeitsschwankungen (Intraday Variability) von kompakten Radioquellen.

Wie alt ist der Kosmos?

Mittwoch, 4. November 1998

Dr. Rainer Beck, MPIfR

Die Entdeckung der allgemeinen Ausdehnung des Kosmos ermöglichte, den Versuch zu wagen, eine der ältesten Fragen zu beantworten: Wie alt ist die Welt? Die Rückverfolgung der Expansion führt zum Zeitpunkt des Urknalls, zur wahrscheinlichen Geburt des Universums. Bisher galt ein Weltalter von 15-20 Milliarden Jahren als gesicherter Wert, was gut zum Alter der ältesten Sterne paßt. Neuere Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop "Hubble" ergaben jedoch eine schnellere Expansion: Ist das Weltall jünger? Andererseits mehren sich die Zweifel, ob die Vorstellung eines gleichmäßig expandierenden Universums richtig ist - falls nicht, so ist sogar ein Weltalter von 30 Milliarden Jahren denkbar.

Biographische Angaben:

Dr. Rainer Beck hat von 1969 bis 1975 an der Ruhr-Universität Bochum Physik und Astronomie studiert. Er hat 1979 in Bonn in Astronomie promoviert und ist seit 1980 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet sind Magnetfelder in Galaxien; seine Forschungsgebiete umfassen darüberhinaus noch Radiohalos von Galaxien, Kosmische Strahlung und Supernovaüberreste.

Der Weihnachtsstern - Ein Komet?

Mittwoch, 25. November 1998

Dr. William Sherwood, MPIfR

Alle paar Jahre kommen Kometen in Erdnähe und zeigen teilweise ein wunderschönes Schauspiel am Himmel. Viele von uns werden sich noch an den Kometen West aus dem Jahre 1976 erinnern, oder an Komet Halley (1986), Komet Hyakutake (1996), oder, am ehesten noch, an den prächtigen Kometen Hale-Bopp aus dem letzten Jahr.

Wir wissen heute, was Kometen tatsächlich sind und haben sicherlich keine Angst vor dem Jahr 2000 (in der Öffentlichkeit - Multimedia und Kommerz - das Ende unseres Jahrhunderts), oder dem Jahre 2001 (das mathematische Ende unseres Jahrhunderts). Aber wie hätte man wohl darauf reagiert, wenn ein solches Ereignis zur Zeitenwende vor 2000 Jahren stattgefunden hätte? Einen Eindruck davon gibt das Matthäus-Evangelium: es enthält eine - freilich sehr kurze - Beschreibung über den Stern der Weisen.

Biographische Angaben:

Dr. Bill Sherwood hat von 1961 bis 1967 an der Universität Toronto Physik und Astronomie studiert. Er hat 1973 in Edinburgh promoviert und ist seit 1975 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Natur von radiolauten und radioruhigen Galaxien und Quasaren; seine Forschungsgebiete umfassen darüberhinaus die Entstehung von Sternen und Kometen.

 
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