Öffentliche Vorträge in Bad Münstereifel


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2010

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie bietet in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung jedes Jahr eine öffentliche Vortragsreihe in Bad Münstereifel an. Die Vorträge finden zwischen April und November, einmal pro Monat jeweils an einem Mittwoch (meist der 1. Mittwoch im Monat), statt und beginnen um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Vorträge werden im Rats- und Bürgersaal im 1. Stock des Rathauses von Bad Münstereifel (Marktstrasse 15) durchgeführt.

Moleküle und Sternentstehung

Mittwoch, 7. April 2010

Dr. Bérengère Parise, MPIfR

Sterne wie unsere Sonne entstehen in kalten Wolken. Astronomen können den Entstehungsprozess selbst durch die Analyse der molekularen Strahlung dieser Wolken untersuchen. Das Licht, das Moleküle aussenden, kann uns Hinweise nicht nur über den Molekültyp, sondern auch über physikalische Parameter wie Dichte, Temperatur, und Geschwindigkeitstruktur der Quelle geben.

In meinem Vortrag werde ich die Untersuchung der Sternentstehung erklären. Ich möchte zeigen, welche für die Entstehung des Lebens wichtigen Moleküle bereits frühzeitig vorhanden sind, und wie Astronomen diese Moleküle mit Teleskopen an paradiesischen Orten wie z.B. Hawaii oder Chile beobachten können.

Biographische Angaben:

Dr. Bérengère Parise hat an der Ecole Normale Supérieure in Paris Physik studiert und im Jahr 2004 mit einer Dissertation unter dem Titel "Molecular deuteration in low-mass protostars" am Centre d’Etude Spatiale des Rayonnements (CESR) in Toulouse promoviert. Im Jahr 2005 hat sie als Postdoc und in den Jahren 2006 bis 2008 als Humboldt-Stipendiatin am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn in der Forschungsgruppe Millimeter- und Submillimeterastronomie gearbeitet. Seit März 2008 leitet sie am MPIfR die Nachwuchsforschungsgruppe "Sternentstehung und Astrochemie" im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Unsere unbeständige Erde
Das sich ändernde Klima und der Globale Wandel - eine entscheidende Herausforderung für die Gesellschaft

Mittwoch, 5. Mai 2010

Priv.-Doz. Dr. Helmut Kühr, DLR Bonn

Ziel des Vortrags ist es, die komplexen Zusammenhänge des Erd- und Klimasystems aufzuzeigen und die Bedeutung, die ein vertieftes Verständnis dieser Zusammenhänge für den Menschen hat, hervorzuheben. Die angeschnittenen Themen orientieren sich an jüngeren Forschungsergebnissen, globalen Beobachtungen und Aussagen der Klimamodellierung.

Vor allem werden die Ergebnisse des in regelmäßigen Abständen vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimafragen der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) erstellten Syntheseberichts vorgestellt, der in einer umfassenden Analyse den gegenwärtigen Erkenntnisstand widerspiegelt und neue Fakten für die Vertiefung des Wissens über die zukünftige Klimaentwicklung einbezieht. Ergänzend wird über eigene Erfahrungen im Rahmen der Verhandlungen zur Klimakonvention der Vereinten Nationen berichtet.

Biographische Angaben:

Dr. Helmut Kühr arbeitet unter dem Dach des Internationalen Büros für das Bundesforschungsministerium (BMBF) in Bonn im Bereich der internatonalen Forschungszusammenarbeit. Er war langjähriger Leiter der nationalen Koordinierungsstelle des Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC. Seine Ausbildung zum Physiker erhielt er in Hamburg und Bonn, forschte an mehreren Max-Planck-Instituten auf dem Gebiet der astronomischen Grundlagenforschung und erhielt ein Humboldt-Stipendium für einen vierjährigen Aufenthalt in den USA. Er habilitierte sich 1987 in Heidelberg und unterrichtet nebenbei an der FH-Köln.

Von den Urstrukturen der "Dark Ages" zum heutigen Bild des Universums

Mittwoch, 2. Juni 2010

Priv.-Doz. Dr. Jürgen Kerp, AIfA

Als Dark Ages" bezeichnet man die Zeit des frühen dunklen Universums nach dem Urknall, als kein Photon des sichtbaren Lichts das Universum erhellte. Damals entstanden aus der Dunklen Materie zahllose kleine Gaswolken, die sich zu immer größeren Strukturen und schließlich Netzwerken ausbildeten. Später entstanden Sterne und Zwerggalaxien, die durch ionisierende Wirkung ihrer Ultraviolett- und Röntgenstrahlung das neutrale Gas durchlässig für sichtbares und infrarotes Licht werden liessen.

Erforschen kann man die "Dark Ages" nur mit der Radioastronomie, speziell über die Spektrallinien des häufigsten Elements im Universum, des Wasserstoffs. Die Entwicklung des Gases von der Frühzeit des Universums bis heute wird im Vortrag beschrieben.

Biographische Angaben:

Priv.-Doz. Dr. Jürgen Kerp hat von 1984 bis 1990 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert. Von 1990 bis 1991 hat er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verfertigt, von 1991 bis 1994 am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und Garching ist er seit 1998 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn (heute Teilbereich des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn) angestellt. Im Jahr 2004 hat er sich an der Universität Bonn im Fach Astronomie habilitiert.

Kollidierende Welten

Mittwoch, 14. Juli 2010

Priv-Doz. Dr. Silke Britzen, MPIfR

Galaxien sind zu allen Zeiten unserer kosmischen Geschichte mit anderen Galaxien kollidiert. Diese Kollisionen sind von großer Bedeutung für die Entwicklung der Galaxien, aber auch für das Wachstum der in den Galaxienzentren befindlichen hochkompakten massiven Objekte: der Schwarzen Löcher.

Mit dem Radioteleskop in Effelsberg kann man die Umgebung aktiver Schwarzer Löcher mit höchster Auflösung untersuchen.

In meinem Vortrag möchte ich auf beide faszinierenden Phänomene näher eingehen: die aktiven Schwarzen Löcher und die Kollisionen von Galaxien.

Biographische Angaben:

Priv-Doz. Dr. Silke Britzen hat an der Universität Bonn Physik, Astronomie und Mathematik studiert und im Jahr 1997 nach dem Diplom in Physik mit einer Promotion im Fach Astronomie abgeschlossen. Beide Arbeiten (Diplom und Dissertation) hat sie am MPI für Radioastronomie in Bonn in der Forschungsgruppe VLBI (Very Long Baseline Interferometry) durchgeführt. Frau Britzen arbeitete als Postdoc in der NFRA (Netherlands Foundation for Research in Astronomy) in Dwingeloo, Niederlande, mit Untersuchungen im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts zur Bestimmung kosmologischer Parameter, anschließend an der Landessternwarte Heidelberg. Im Jahr 2004 erfolgte an der Universität Heidelberg die Habilitation als Stipendiatin der Claussen-Simon Stiftung (Thema: High energy radiation from AGN and radio jets on pc- and kpc-scales). Seit November 2003 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am MPI für Radioastronomie beschäftigt.

Die Entstehung der schweren Elemente

Mittwoch, 4. August 2010

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Bei der Entstehung des Universums, im Urknall, sind nur die leichtesten Elemente, Wasserstoff, Helium, und in geringen Spuren Lithium, Beryllium und Bor gebildet worden. Schwerere Elemente, wie wir sie aus unserer unmittelbaren Umgebung kennen, wurden erst später im Inneren der Sterne produziert. Sterne sind gewaltige kosmische Kernfusionsreaktoren, die ihre Energie im wesentlichen durch die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium (in der "Hauptphase" des Sternlebens) erzeugen. Bei masseärmeren Sterne wie unserer Sonne schließt sich eine weitere Brennphase an, die Fusion von Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff in der sogenannten "Rote-Riesen-Phase". Nach Abstoß der äußeren Hülle (Planetarischer Nebel) bleibt ein Weißer Zwerg, ein ausgebrannter Kohlenstoffkern im Zentrum zurück.

Anders bei massereichen Sternen mit mehr als der 8fachen Masse unserer Sonne zu Beginn. Hier setzt sich die Kernfusion zu schweren Elementen bis hin zum Eisen (auch mit immer kürzerer "Brenndauer") fort und kulminiert schließlich in einer Supernova-Explosion, bei der durch den Einfang schneller Neutronen immer schwerere Kerne bis hin zu Uran und Transuranen gebildet werden können.

Der Vortrag befasst sich mit der nuklearen Astrophysik oder Elementsynthese im Universum und erklärt, wie die chemischen Bausteine entstanden sind, aus denen unsere Umgebung und letztendlich auch wir bestehen.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie zum Thema "Supernova-Überreste und ihre Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium" promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (Australia Telescope National Facility, ATNF, Sydney), in Kiel (Institut für Theoretische Physik und Astrophysik) und in Potsdam (Astrophysikalisches Institut Potsdam, AIP) arbeitet er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Astrobiologie - mehr als Science Fiction!

Mittwoch, 1. September 2010

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Astrobiologie - da denkt man zunächst vielleicht an kleine grüne Männchen, Aliens und den ganzen Zoo, der sich seit über 100 Jahren durch das Gebiet der Science Fiction (in Buch, Film und Fernsehen) zieht.

Es ist aber durchaus mehr, nämlich ein intradisziplinäres Forschungsgebiet, das Astronomie, Physik, Chemie, Biologie und Geologie auf der Suche nach Leben im Universum verbindet.

Die Spannweite der Astrobiologie reicht von der Suche nach einfachen Lebensformen auf Planeten und Monden in unserem Sonnensystem (z.B. Mars Express und Cassini-Huygens) bis zur inzwischen in über 800 Fällen erfolgreichen Suche nach extrasolaren Planeten. Auch SETI, die Suche nach künstlichen Signalen aus dem Weltraum gehört in diesen Zusammenhang.

Das APEX-Teleskop des MPI für Radioastronomie trägt zur Erforschung komplexer Moleküle und Biomoleküle im interstellaren Raum bei. Es steht in über 5000 m über dem Meeresspiegel in der Atacama-Wüste in Chile; erst in so großer Höhe wird der Submillimeter-Bereich des Spektrums bis zu Frequenzen oberhalb von 1 Terahertz zugänglich.

Die Erforschung von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat, nicht zuletzt durch die aktuellen Beobachtungsergebnisse mit den Raumsonden CoRoT und Kepler, inzwischen erstaunliche Ergebnisse zustande gebracht, z.B. ein Planet mit nur knapp doppelter Erdmasse, der Nachweis unterschiedlicher atomarer Bestandteile in der Atmosphäre oder eine (wenn auch grobe) Darstellung der Temperaturverteilung auf der Oberfläche eines extrasolaren Planeten. Eine zweite Erde ist allerdings nach wie vor nicht in Sicht.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie zum Thema "Supernova-Überreste und ihre Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium" promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (Australia Telescope National Facility, ATNF, Sydney), in Kiel (Institut für Theoretische Physik und Astrophysik) und in Potsdam (Astrophysikalisches Institut Potsdam, AIP) arbeitet er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Norbert Junkes ist seit 2008 im Vorstand der Astronomischen Gesellschaft.

ATLASGAL - Kalter Staub und Sternentstehung in der Milchstraße

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Dr. Friedrich Wyrowski, MPIfR

Astronomische Durchmusterungen haben eine lange Geschichte und ebneten oft den Weg für neue wissenschaftliche Durchbrüche. Mit einer Kartierung unserer Milchstraße im kalten Staub wird mit dem APEX Teleskop eine Tradition des Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) fortgesetzt, die Milchstraßenebene bei verschiedenen Wellenlängen zu kartieren.

APEX, das Atacama-Pfadfinder-Experiment, ist ein 12-m-Teleskop für Beobachtungen im Submillimeterr Wellenlängenbereich, welches von einer internationalen Kollaboration unter Leitung des MPIfR auf 5100 m Höhe in der chilenischen Atacama-Wüste auf der Chajnantor-Hochebene betrieben wird. Die große APEX-Bolometer-Kamera (LABOCA) des Teleskops erlaubt die Kartierung von großen Himmelsfeldern mit ausgezeichneter Empfindlichkeit, und ermöglicht eine komplette Durchmusterung unserer Milchstraße im kalten Staub. Unser Ziel ist es, eine einzigartige, vollständige Datenbasis massereicher Sternentstehungsgebiete zu erstellen, um besser zu verstehen, wie und unter welchen Bedingungen die Entstehung massereicher Sternen stattfindet.

Biographische Angaben:

Dr. Friedrich Wyrowski hat von 1988 bis 1993 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert und 1994 seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) geschrieben. Von 1994 bis 1997 hat er an der Universität Köln mit Beobachtungen am Kölner Observatorium für Submillimeter Astronomie promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und im Laboratory for Millimeter-Wave Astronomy der University of Maryland, USA, kehrte er im Herbst 2001 nach Deutschland als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans MPIfR in die Millimeter- und Submillimeter-Gruppe zurück. Sein Hauptforschungsfeld ist die Entstehung massereicher Sterne und deren Wechselwirkung mit der umgebenen interstellaren Materie. Friedrich Wyrowski ist Ko-Autor des Artikels Blick ins staubige Universum aus dem Sonderheft Sieben Blicke in den Kosmos der Zeitschrift Sterne und Weltraum, der über das wissenschaftliche Potential des Atacama Large Millimeter Arrays (ALMA) berichtet.

Radioastronomischer Empfang von künstlichen Signalen

Mittwoch, 3. November 2010

Dipl.-Ing. Karl Grypstra, MPIfR

Es war eine paradoxe Situation, als Karl Jansky in den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beim Studium der Ausbreitung künstlicher Signale die Radiostrahlung der Milchstraße als Störgröße wahrnahm und diesen Effekt durch intensive Beobachtung richtig deutete. Heute suchen wir nach äußerst schwacher Strahlung natürlichen Ursprungs, die aus den Tiefen des Weltalls kommt und die in Gegenwart von zahlreichen technisch verursachten Aussendungen präzise zu messen ist. Die Astronomen und Ingenieure machen sich den Empfang künstlicher Strahlungsquellen jedoch auch zunutze, um durch ihn astrophysikalische und technische Fragestellungen zu beantworten, bis hin zur exakten Vermessung der Oberfläche des Radioteleskops.

Der Referent, Dipl.-Ing. Karl Grypstra, Leiter der Systemgruppe am Radioteleskop Effelsberg, befasst sich mit dem Betrieb eines radioastronomischen Großteleskops seit 30 Jahren und ist zunehmend mit Fragestellungen eines möglichst störungsarmen Empfangs befasst.

Biographische Angaben:

Dipl.-Ing. Karl Grypstra , Jahrgang 1948, studierte Elektrotechnik in Köln und schrieb seine Diplomarbeit über Antennen mit aktiven Bauelementen. Seit mehr als 30 Jahren ist er am Radioteleskop Effelsberg als Systemingenieur tätig. Sein Arbeitsgebiet umfaßt dort Entwicklung, Bau, Wartung und Reparatur radio-astronomischer Empfangseinrichtungen. Karl Grypstra ist Leiter der Systemgruppe am Radioteleskop Effelsberg.

 
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