Öffentliche Vorträge in Bad Münstereifel


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2000

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie bietet in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung jedes Jahr eine öffentliche Vortragsreihe in Bad Münstereifel an. Die Vorträge finden zwischen April und November jeweils am ersten Mittwoch eines Monats im Vortragsraum der Kurverwaltung [direkt neben der Stiftskirche (Parken auf dem Klosterplatz)] statt und beginnen um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Radioastronomie - das zweite Fenster zum Weltall

Mittwoch, 5. April 2000

Dr. Rainer Beck, MPIfR

Vor 70 Jahren entdeckte der Techniker einer Telefonfirma in den USA durch Zufall Radiostrahlen aus dem Zentrum unserer Milchstraße. 20 Jahre später begann der Aufschwung der Radioastronomie, die unser Bild vom Aufbau und der Entwicklung des Kosmos revolutioniert hat. Radiowellen aus der heißen Vergangenheit des Universums zeugen noch heute vom Urknall. Mit Pulsaren und Quasaren wurden Objekte entdeckt, die die Grenzen der Vorstellungskraft sprengen.

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn ist das Zentrum der radioastronomischen Forschung in Deutschland. Sein 100-m-Radioteleskop bei Bad Münstereifel-Effelsberg ist seit nunmehr 30 (!) Jahren das größte vollbewegliche Radioteleskop der Welt und liefert bis heute bedeutende Ergebnisse.

Biographische Angaben:

Dr. Rainer Beck hat von 1969 bis 1975 an der Ruhr-Universität Bochum Physik und Astronomie studiert. Er hat 1979 in Bonn in Astronomie promoviert und ist seit 1980 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet sind Magnetfelder in Galaxien; seine Forschungsgebiete umfassen darüberhinaus noch Radiohalos von Galaxien, Kosmische Strahlung und Supernovaüberreste.

Das Geheimnis des Sternbilds Schwan - und wie es auf die Briefmarke kam

Mittwoch, 3. Mai 2000

Prof. Dr. Ernst Fürst, MPIfR

Das Sternbild Schwan wird beherrscht von Deneb, einem der hellsten Sterne am Himmel. Deneb und die umgebenden hellen Sterne sind aber nur der Vorhang vor einem der spektakulärsten Gebiete des Milchstraßenbandes. Im Bereich des Sternbilds Schwan schaut der Beobachter entlang eines Spiralarms. Dadurch enthüllt sich in diesem Gebiet die ganze Vielfalt galaktischer Ereignisse, Sternentstehung, Tod der Sterne und anderes mehr.

Der Vortrag versucht einen Überblick über die astronomischen Ereignisse zu geben und berichtet über die verschiedenartigen Messungen, die in ihrem Zusammenwirken eine Erklärung vieler Phänomene erlauben.

Die großartige Vielfalt der Phänomene hat diese Himmelsrichtung auch auf die im Herbst letzten Jahres erschienenen Wohlfahrtsmarken gebracht. Die Geschichte dieser Briefmarke bildet den Abschluß des Vortrags.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Ernst Fürst hat an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert. Seine Diplomarbeit (1967) beschäftigt sich mit der Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen in der Sonnenatmosphäre. Nach der Anstellung am MPI für Radioastronomie folgten weitere sonnenphysikalische Arbeiten, die 1970 zur Promotion bei Prof. Dr. Otto Hachenberg (dem Erbauer des 100-m-Radioteleskops in Effelsberg) führten.

Internationale Zusammenarbeit vor allem mit Gruppen in den USA, Frankreich und Italien führten in den Jahren 1971 bis 1979 zu zahlreichen Auslandsaufenthalten. Nach der Habilitation 1976 an der Universität Bonn erfolgte eine Verlagerung der wissenschaftlichen Arbeiten auf Probleme der galaktischen Astronomie, besonders auf das Gebiet explodierender Sterne (Supernovae) und deren Überreste.

Nach der Leitung der Abteilung für wissenschaftliche Datenverarbeitung am MPI für Radioastronomie ist Prof. Fürst seit 1997 Leiter des Radio-Observatoriums Effelsberg.

Gammastrahlungsausbrüche - die größten Explosionen seit dem Urknall

Mittwoch, 7. Juni 2000

Dr. Andreas Heithausen, RAIUB

Seit Ende der sechziger Jahre rätseln die Astronomen über den Ursprung von Gammastrahlungsblitzen, die von verschiedenen Satelliten registriert wurden. Diese Blitze, die sich nach heutigen Messungen etwa einmal pro Tag ereignen, sind lange Zeit mit keinen bekannten astronomischen Objekten in Verbindung zu bringen gewesen. Erst vor wenigen Jahren gelang der Durchbruch mit dem italienischen Satelliten Beppo-Sax, der eine schnelle Positionsbestimmung dieser Blitze erlaubte.

Der Vortrag zeigt die früheren Probleme bei der Zuordnung dieser Blitze auf und erläutert, warum heute viele Astronomen von ihrem kosmologischen Ursprung überzeugt sind.

Biographische Angaben:

Dr. Andreas Heithausen hat an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert und dort 1987 promoviert. Nach mehreren Anstellungen in Cambridge, U.S.A, an der Universität Köln und am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn hat er sich 1999 an der Universität Bonn habilitiert. Zur Zeit ist er am dortigen Radioastronomischen Institut als Oberassistent angestellt. Sein Hauptarbeitsgebiet ist das Studium der Chemie und der physikalischen Struktur von Molekülwolken und der damit verbundenen Sternentstehung sowohl in unserer eigenen Milchstraße als auch in externen Galaxien.

Zukunftsprojekte der Radioastronomie

Mittwoch, 5. Juli 2000

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Nachdem bereits vor drei Monaten über die Entwicklung der Radioastronomie von ihren Anfängen bis zum heutigen Tag berichtet wurde, möchte ich in meinem Vortrag auf einige zukünftige Entwicklungen in diesem Forschungsbereich hinweisen. Radioteleskope oder Anordnungen von einzelnen Radioteleskopen, sogenannte Radiointerferometer, werden in Zukunft überwiegend als multinationale Projekte verwirklicht werden und Beiträge aus verschiedenen Ländern oder gar Kontinenten umfassen.

Beispiele dafür sind große Interferometer wie ALMA (Atacama Large Millimeter Array) oder das SKA (Square Kilometer Array), eine geplante riesige Teleskopanlage mit einer Gesamtfläche von 1 km2. Sowohl an ALMA wie auch an SOFIA (Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy), einem Flugzeugobservatorium für den Übergangsbereich zwischen Submillimeter- und Infrarot-Astronomie, ist das MPI für Radioastronomie mit verschiedenen Arbeitsgruppen beteiligt.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit an der Universität Kiel sowie am Astrophysikalischen Institut Potsdam ist er seit Februar 1998 wieder am MPIfR, und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Astronomie über den Wolken

Mittwoch, 2. August 2000

Dr. Jürgen Kerp, RAIUB

Nebel, Hagel oder dicke Regenwolken versperren nicht alleine den Blick auf den Sternenhimmel. Selbst bei klarstem Himmel fernab jeder künstlichen Lichtquelle gelangt nur ein Bruchteil der kosmischen Signale bis zum Erdboden. Der Grund hierfür ist die Erdatmosphäre, welche wie eine schützende Hülle die Erdoberfläche und die Lebewesen vor den schädlichen Einflüssen energiereicher Strahlung schützt.

Die moderne Astronomie möchte jedoch alle Facetten eines kosmischen Objektes studieren. Dazu ist es notwenig, die Erdatmosphäre weitgehend hinter sich lassen. Es werden daher z. B. Radioteleskope auf den höchsten gut erreichbaren Bergen der Welt errichtet. Daneben werden Observatorien in Flugzeugen und Ballonen betrieben. Beste Beobachtungsbedingungen herrschen jedoch in einer entfernten Erdumlaufbahn. Dort kann die Strahlung nahezu über das gesamte elektromagnetische Spektrum mittels Satelliten wie dem Hubble Space Telescope, XMM-Newton und Chandra beobachtet werden.

In diesem Vortrag soll Ihnen die Astronomie mit Teleskopen auf den höchsten Orten der Erde, in Flugzeugen und mit Satelliten vorgestellt werden. Dabei werden Sie neue Beobachtungstechniken in der optischen, Infrarot- und der Röntgenastronomie kennenlernen.

Biographische Angaben:

Dr. Jürgen Kerp hat von 1984 bis 1990 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert. Von 1990 bis 1991 hat er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verfertigt, von 1991 bis 1994 hat er am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und Garching ist er seit 1998 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn angestellt.

Reise zum Ereignishorizont - Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße

Mittwoch, 6. September 2000

Dr. Heino Falcke, MPIfR

Unsere Sonne und die anderen Sterne unserer Milchstraße rotieren um einen gemeinsamen Punkt, das Galaktischen Zentrum. Dieser Punkt wird markiert von einer ungewöhnlich kleinen und hellen Radioquelle, die Sagittarius A* genannt wird. Beobachtungen der letzten Jahre haben es nun fast zur Gewißheit werden lassen, daß es sich bei dieser Quelle um ein gigantisches Schwarzes Loch mit enormer Masse handelt. Schwarze Löcher zeichnen sich durch ihre extreme Schwerkraft aus, die so groß ist, daß selbst Licht ihren Fängen nicht entkommen kann. Sie werden von einem Ereignishorizont umgeben, der das Innere eines Schwarzen Lochs mit einer undurchdringlichen Grenze von der Außenwelt abtrennt. Durch diese Grenze kann zwar etwas hinein, aber nichts mehr hinaus kommen. Die moderne Radioastronomie ist inzwischen soweit, daß sie Bilder von der direkten Umgebung von Schwarzen Löchern machen kann. Schon in wenigen Jahren könnte es sogar möglich sein, den Ereignishorizont selber sichtbar zu machen.

Der Vortrag wird mit Bildern und Computeranimationen durch die Milchstraße zum Galaktischen Zentrum führen und Hinweise auf die Existenz eines Schwarzen Loches im Zentrum der Milchstraße diskutieren.

Biographische Angaben:

Dr. Heino Falcke hat Physik und Astronomie studiert und 1994 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) promoviert. Nach Postdoc-Stellen am MPIfR (1994-95) und an der University of Maryland in den USA (1995-97) war er von 1997-99 als Habilitationsstipendiat am MPIfR. Gegenwärtig ist er er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VLBI-Gruppe am MPIfR an

Gibt es Leben im Weltall?

Mittwoch, 4. Oktober 2000

Dr. Karl Menten, MPIfR

"Gibt es Leben außerhalb der Erde?" ist sicher eine der interessantesten Fragen, die man sich vorstellen kann, und Ausgangspunkt zahlloser Spekulationen, aber auch ernsthafter Überlegungen.

In diesem Vortrag wird über wissenschaftliche Forschung berichtet, die sich mit dieser Frage befasst. Insbesondere werden radioastronomische Beobachtungen beschrieben, die zum Nachweis von über 100 verschiedenen Molekülsorten in interstellaren Gaswolken geführt haben. Dies sind riesige Ansammlungen von Gas und Staub, in denen neue Sterne geboren werden. Der Grossteil dieser Moleküle sind Kohlenwasserstoffe und andere organische Verbindungen wie z.B. Alkohol. Viele dieser Moleküle wurden auch in Kometen innerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesen.

Aus diesen Messungen schließen wir, daß anderswo im Weltall chemische Prozesse ablaufen, die ähnliche Produkte liefern wie die irdische Chemie. Es ist dagegen zur Zeit völlig unklar, ob dies auch für biologische Prozesse gilt. Um diese Frage anzusprechen, werden in den nächsten Jahren eine Reihe von Weltraumsonden nach Leben auf dem Mars, dem Jupitermond Europa und dem Saturnmond Titan suchen.

Radioastronomische Methoden werden auch zur Suche nach außerirdischen intelligenten Lebewesen benutzt. Bei diesem sogenannten SETI-Projekt wird moderne Hochtechnologie eingesetzt, um in Richtung fremder Sterne systematisch nach Signalen künstlichen Ursprungs zu suchen.

Biographische Angaben:

Dr. Karl Menten hat Physik und Astronomie studiert und 1987 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) promoviert. Nach mehreren Jahren, zunächst als Postdoc und dann als "Senior Radio Astronomer" am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge/Massachusetts, USA, ist er seit 1996 als Direktor und Leiter der Abteilung Millimeter- und Submillimeter-Astronomie am MPIfR.

Physik der Interstellaren Raumfahrt

Mittwoch, 8. November 2000

Dr. Axel Jessner, MPIfR

Der Mensch beobachtet seit Jahrtausenden die Gestirne. Fast genauso lange träumt er davon, zu ihnen zu reisen und mit anderen intelligenten Wesen in Kontakt zu treten. Auch viele ungeklärte Fragen der Astronomie könnten geklärt werden, wenn die Astronomen näher an die Objekte Ihres Interesses heran könnten. Im Vortrag werden die Bedingungen des Raumflugs an Beispielen konkreter Projekte auf der Basis unserer heutigen Technik und ihrer möglichen Weiterentwicklung untersucht.

Biographische Angaben:

Dr. Axel Jessner stammt aus Niedersachsen. Nach seiner Lehre als Physiklaborant bei den Mannesmann Röhrenwerken besuchte er das Abendgymnasium, um dann in Bonn und Cambridge Physik zu studieren. Seit 1985 arbeitet er am Radioteleskop in Effelsberg in der Prozessrechnergruppe und in der Pulsarforschung.

 
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