Öffentliche Vorträge in Bad Münstereifel


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2004

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie bietet in Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung jedes Jahr eine öffentliche Vortragsreihe in Bad Münstereifel an. Die Vorträge finden zwischen April und November, einmal pro Monat jeweils an einem Mittwoch (meist der 1. Mittwoch im Monat), statt und beginnen um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Vorträge werden im Rats- und Bürgersaal im 1. Stock des Rathauses von Bad Münstereifel (Marktstrasse 15) durchgeführt.

Kometen - Zwischen Sternentstehung und ROSETTA

Mittwoch, 7. April 2004

Dr. William Sherwood, MPIfR

Frühling: Zeit zu entstauben, und zwar nicht nur zu Hause, sondern auch in Kometen!

In diesem Frühjahr werden zwei Kometen wahrscheinlich mit blossem Auge zu beobachten sein und könnten ein prächtiges Schauspiel am Himmel bieten: C/2002 T7 (LINEAR) und C/2002 Q4 (NEAT) (letzterer wohl im Mai auch von Deutschland aus zu sehen).

Der Referent hat Beobachtungszeit mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg erhalten, um beide Kometen zu studieren. Sein Vortrag wird die Schlüsselrolle verdeutlichen, die Kometen spielen zwischen der Entstehung früherer Generationen von Sternen und der Entstehung unseres Sonnensystem mit den Planeten.

Wie beim Rosetta-Stein in Ägypten eine zunächst unlesbare Schrift entziffert wurde, so zeigt uns die Kometenforschung, was in der fernen Vergangenheit geschehen ist. Zu diesem Zweck hat die europäische Raumfahrtagentur ESA am 2. März die Sonde ROSETTA auf eine 10-jährige Reise zum Kometen Churyumov-Gerasimenko geschickt, mit der Aussicht, im Jahr 2014 ein Landemodul auf der Oberfläche abzusetzen.

Bill Sherwood wird an diesem Abend einen Kometen bauen, und das so realistisch wie möglich. In der "Bauanleitung" (wie auch bereits im Kontrollzentrum Darmstadt beim Start von ROSETTA von ihm vorgeführt), verdeutlicht er die Rolle, die Kometen im Universum spielen.

Bitte warm anziehen: am 7. April geht's los!

Biographische Angaben:

Dr. William Sherwood hat von 1961 bis 1967 an der Universität Toronto Physik und Astronomie studiert. Er hat 1973 in Edinburgh promoviert und ist seit 1975 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Natur von radiolauten und radioruhigen Galaxien und Quasaren; seine Forschungsgebiete umfassen darüberhinaus die Entstehung von Sternen und Kometen. Ein Leitfaden der wissenschaftlichen Arbeit von Bill Sherwood ist die Entstehung von schweren Elementen in Staub, der übrigens auch die Aufdeckung von galaktischen Strukturen so schwierig macht.

Die Astronomen auf dem Weg zu fernen Welten

Mittwoch, 5. Mai 2004

Dr. Jürgen Kerp, RAIUB

Die Erforschung der Sterne, der Milchstrasse und von weit entfernten Galaxien sind klassische Schwerpunkte in der aktuellen astronomischen Forschung. Durch grosse technische Fortschritte ist es heute aber auch möglich, Himmelskörper zu erforschen, die selbst kein sichtbares Licht erzeugen. Diese Objekte sind Planeten um entfernte Sterne.

Zunächst konnten nur die riesigen "jupiterähnlichen" Planeten nachgewiesen werden. Heute sind wir an der Schwelle, auch erdähnliche Planeten beobachten zu können, und in nicht so entfernter Zukunft auch Bilder ihrer Atmosphäre und ihrer Oberfläche anfertigen zu können.

Im Vortrag werden die Beobachtungstechniken und die zukünftigen Entwicklungen in diesem spannenden Forschungsfeld vorgestellt.

Biographische Angaben:

Dr. Jürgen Kerp hat von 1984 bis 1990 Physik und Astronomie an der Universität Bonn studiert. Von 1990 bis 1991 hat er seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verfertigt, von 1991 bis 1994 hat er am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn promoviert. Nach Postdoc-Positionen in Bonn und Garching ist er seit 1998 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Radioastronomischen Institut der Universität Bonn angestellt.

Venus "verfinstert" die Sonne

Mittwoch, 2. Juni 2004

Dr. Rainer Beck, MPIfR

Am Vormittag des 8. Juni 2004 findet eine Sonnenfinsternis der besonderen Art statt: der Planet Venus steht genau zwischen Erde und Sonne und wandert knapp 6 Stunden vor der Sonne her.

Ein solcher Venusdurchgang ist ein extrem seltenes Naturschauspiel, viel seltener als Sonnenfinsternisse durch den Mond, und ereignete sich zuletzt vor 122 Jahren. In früheren Jahrhunderten dienten Venusdurchgänge zur Bestimmung der Entfernung zwischen Erde und Sonne.

Die „schwarze Venus” erscheint dreißigmal kleiner als die Sonne und ist bei Verwendung eines geeigneten Filters schon mit blossem Auge als schwarzer Punkt vor der Sonne zu erkennen. Mit einem kleinen Teleskop (NUR mit gutem Sonnenfilter!!) wird der Venusdurchgang zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Der Referent gibt Tipps zur gefahrlosen Beobachtung.

Biographische Angaben:

Dr. Rainer Beck hat von 1969 bis 1975 an der Ruhr-Universität Bochum Physik und Astronomie studiert. Er hat 1979 in Bonn in Astronomie promoviert und ist seit 1980 Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Sein Hauptarbeitsgebiet sind Magnetfelder in Galaxien; seine Forschungsgebiete umfassen darüber hinaus auch Radiohalos von Galaxien und Kosmische Strahlung.

Der letzte grosse Gammablitz in unserer Milchstrasse

Mittwoch, 7. Juli 2004

Prof. Dr. Peter L. Biermann, MPIfR

Ein gewaltiger Gammastrahlungsausbruch in der Milchstraße hinterlässt Spuren, die noch nach etwa einer Million Jahren auf der Erde nachweisbar sein könnten. Der Überschuss an extrem hochenergetischer kosmischer Strahlung, der heute aus Richtung des Zentrums unserer Milchstraße auf die Erde trifft, kann durch ein solches Ereignis verursacht sein. Seit mehr als 10 Jahren registrieren Messgeräte in Japan und Australien diese Strahlung, bisher war aber nicht klar, durch welche Prozesse sie entsteht.

Ein internationales Forscherteam hat nun eine Theorie entwickelt, wie die Energie von einer solch gewaltigen Sternenexplosion aus dem Innern der Milchstraße weitergegeben und schließlich auf der Erde nachgewiesen wird. Träger der Energie sind zunächst schnelle Protonen. Auf dem Weg durch die Galaxie wandeln sie sich mehrfach um und kommen schließlich als Neutronen bei uns an.

Prof. Biermann, der Leiter des Forschungsteams, wird über diese Theorie berichten, die erst in diesem Jahr publiziert (The last Gamma Ray Burst in our Galaxy?, in der Zeitschrift "Astrophysical Journal, 2004, ApJL 604, L29) und als Pressemitteilung des MPI für Radioastronomie vorgestellt wurde.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Peter L. Biermann hat in Göttingen promoviert und sich habilitiert, und ist seit 1981 Professor für Astrophysik und Astronomie an der Universität Bonn, neben seiner Tätigkeit am MPIfR. Er war Gastprofessor in Toronto, Kanada; Tucson, Arizona, USA; in Wuppertal und in Paris. Er hält neben seiner Vorlesungstätigkeit in Bonn auch Vortragsreihen im Ausland, darunter in den letzten Jahren in China, Korea, Indien, Bulgarien, Rumänien, Italien, und den USA. Entsprechend umfaßt seine Gruppe Studenten und w issenschaftliche Gäste aus vielen Ländern. Im März 2004 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bukarest verliehen.

Aktive Galaxienkerne - Die energiereichsten Objekte in unserem Universum

Mittwoch, 4. August 2004

Priv-Doz. Dr. Silke Britzen, MPIfR

Die Strahlungsleistung von "Aktiven Galaxienkernen", abgekürzt AGK, erreicht das Billiardenfache unserer Sonne. Wollte man die Energieerzeugung eines dieser Objekte durch den Kernfusionsprozess erklären, der beispielsweise die Energie unserer Sonne erzeugt, so bräuchte man eine Billiarde Sterne. Damit müßte dieses Objekt das Zehntausendfache der Masse unserer Milchstraße haben - in Wirklichkeit sind diese Objekte aber gerade einmal so groß wie unser Sonnensystem! Die enorme Energieproduktion kann nur über einen wesentlich effizienteren Mechanismus erfolgen: den der Gravitation. Die moderne AGK-Forschung geht davon aus, daß Schwarze Löcher die effektivsten "Gravitationsmaschinen" darstellen und die Zentren dieser energiereichsten Objekte bilden.

Hochauflösende interferometrische Beobachtungen (z.B. unter Mitwirkung des Radioteleskops Effelsberg) ermöglichen einen Blick in die innersten Regionen dieser spektakulären Objekte und erlauben die Erforschung solch faszinierender Phänomene wie z.B. Jets und scheinbar überlichtschneller Bewegungen in der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Lochs.

Biographische Angaben:

Priv-Doz. Dr. Silke Britzen hat an der Universität Bonn Physik, Astronomie und Mathematik studiert und im Jahr 1997 nach dem Diplom in Physik mit einer Promotion im Fach Astronomie abgeschlossen. Beide Arbeiten (Diplom und Dissertation) hat sie am MPI für Radioastronomie in Bonn in der Forschungsgruppe VLBI (Very Long Baseline Interferometry) durchgeführt. Frau Britzen arbeitete als Postdoc in der NFRA (Netherlands Foundation for Research in Astronomy) in Dwingeloo, Niederlande, mit Untersuchungen im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts zur Bestimmung kosmologischer Parameter, anschließend an der Landessternwarte Heidelberg. Im Jahr 2003 erfolgte an der Universität Heidelberg die Habilitation als Stipendiatin der Claussen-Simon Stiftung (Thema: High energy radiation from AGN and radio jets on pc- and kpc-scales). Seit November 2003 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am MPI für Radioastronomie beschäftigt.

Radioteleskop Effelsberg: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Mittwoch, 1. September 2004

Dr. Norbert Junkes, MPIfR

Das 100-m-Radioteleskop Effelsberg wird seit 1971, also seit gut 33 Jahren, zur Erforschung der Radiostrahlung aus dem Kosmos eingesetzt. Für fast drei Jahrzehnte war es das größte voll bewegliche Radioteleskop der Erde; erst seit dem Jahr 2000 wird es durch ein neues amerikanisches Radioteleskop um wenige Meter übertroffen.

Durch die homologe Verformung der Spiegeloberfläche, die die mittlere Abweichung von der Idealform eines Paraboloids deutlich unter 0,5 mm hält, ist es eines der leistungsfähigsten Teleskope für den kurzwelligen Bereich der Radiostrahlung von etwa 6 mm bis 2,8 cm.

Hier setzt nun eine technische Neuentwicklung für das 100-m-Teleskop ein, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden wird. Die Brennpunktkabine im Primärfokus mit dem Sekundärspiegel an der Spitze der vier Stützbeine, ca. 30 m über der Oberfläche des Hauptspiegels, wird komplett erneuert. Dabei erhält der Sekundärspiegel eine aktive Oberfläche, die eine hochgenaue Korrektur der Abbildung speziell für die Aufnahme der kurzwelligen Radiostrahlung im Sekundärfokus ermöglicht.

Kurz gesagt: das 100-m-Radioteleskop bei Effelsberg wird fit gemacht für das nächste Jahrzehnt!

Eine gute Woche nach dem Vortrag, am Sonntag, 12. September 2004, findet auch ein Tag der Offenen Tür auf dem Gelände des Radio-Observatoriums Effelsberg statt.

Biographische Angaben:

Dr. Norbert Junkes hat von 1979 bis 1986 an der Universität Bonn Physik und Astronomie studiert (Diplomarbeit 1986), und dann 1989 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) im Fach Astronomie zum Thema "Supernova-Überreste und ihre Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium" promoviert. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit in Australien (Australia Telescope National Facility, ATNF, Sydney), in Kiel (Institut für Theoretische Physik und Astrophysik) und in Potsdam (Astrophysikalisches Institut Potsdam, AIP) arbeitet er seit Februar 1998 am MPIfR im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Polarisationsstruktur der Milchstrasse

Mittwoch, 6. Oktober 2004

Dipl.-Phys. Maik Wolleben, MPIfR

Bereits in den sechziger Jahren wurde nachgewiesen, dass die Radiostrahlung unserer Galaxis, der Milchstrasse, polarisiert ist. Heutzutage ermöglichen neue und verbesserte Empfänger eine sehr viel genauere Untersuchung von Polarisationsstrukturen in der Milchstrasse. Dies ermöglicht neue Einblicke in den Aufbau des galaktischen Magnetfeldes, sowie der interstellaren Materie.

Der Vortrag soll anhand von Beobachtugen in das Thema der galaktischen Polarisation einführen. Es werden aktuelle Beobachtungsergebnisse gezeigt und erklärt.

Biographische Angaben:

Dipl.-Phys. Maik Wolleben hat sein Physikstudium an der Universität Bonn im September 2001 mit einer Diplomarbeit zum Thema "Faraday-Effekte in lokalen Molekülwolken" abgeschlossen. Seit Oktober 2001 arbeitet er als Doktorand am Max-Planck-Institut für Radioastronomie zum Thema "Kalibration und Analyse der polarisierten Radio-Emission der Milchstrasse". Im Verlauf seiner Promotion hat er sich zu länger dauernden Forschungsaufenthalten sowohl am Australia Telescope (ATNF, Sydney, Australien) von Oktober 2001 bis Februar 2002, als auch am Dominion Radio Astrophysical Observatory (DRAO, Penticton, Kanada) von Mai 2002 bis Mai 2003 und nochmals im Mai 2004 aufgehalten.

Sternentstehung: Von der Gaswolke zum Stern

Mittwoch, 3. November 2004

Dipl.-Phys. Jens Kauffmann, MPIfR

Die Entstehung von Sternen ist ein seit Urzeiten ablaufender und auch heute noch in unserer näheren kosmischen Umgebung beobachtbarer Prozess. Seit einigen Jahrzehnten ist der Entstehungsprozess im Grossen und Ganzen verstanden: Eine ausgedehnte Gaswolke zieht sich zusammen und bildet dichtere "Gasklumpen", aus denen nach weiterer Kontraktion die Sterne hervorgehen. In Detailfragen jedoch herrscht weiterhin Unklarheit. Was bestimmt die Masse eines Sterns? Warum gibt es Doppel- und Einzelsterne? Und warum zieht sich eine Wolke nicht so rasch zusammen wie man es naiv erwarten würde?

Der Vortrag stellt einige Erklärungsansätze und neue Beobachtungsergebnisse hierzu vor.

Biographische Angaben:

Dipl.-Phys. Jens Kauffmann hat sein Physikstudium an der Universität Bonn mit einer Diplomarbeit zum Thema "Struktur und Stabilität von sternbildenden Molekülwolken" abgeschlossen. Seit Februar 2003 arbeitet er als Doktorand am Max-Planck-Institut für Radioastronomie zum Thema "Strukturuntersuchungen in sternbildenden Molekülwolken". Dabei stellt die Analyse von im Millimeterwellen-Radiobereich aufgenommenen Staubkarten sternbildender Dunkelwolken einen wichtigen Bestandteil des Promotionsprojekts dar. Diese Beobachtungen werden zum Teil für die Interpretation von Infrarotbeobachtungen mit dem Spitzer Space Telescope der NASA, innerhalb des Programms "Von Molekülwolkenkernen zu planetenbildenden Scheiben", herangezogen."

 
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