Neues aus dem All


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2007

"Wie die Sterne des Geist beflügeln"

Seit dem Jahr 2001 bieten wir in Bonn eine Vortragsreihe mit astronomischen Vorträgen an.

Die Vorträge finden im allgemeinen mittwochs im Deutschen Museum Bonn [Ahrstraße 45, direkt im Gebäude des Wissenschaftszentrums] statt und beginnen um 19:00 Uhr.

Die Vortragsreihe ist eine gemeinsame Veranstaltung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn und des Deutschen Museums Bonn.

Komposition oder Abbild? Der Sternenhimmel in dem Gemälde "Flucht nach Ägypten" von Adam Elsheimer, 1609

Mittwoch, 14. November 2007

Dr. Christian Sicka, Deutsches Museum München

Der Sternenhimmel im Gemälde von Adam Elsheimers "Flucht nach Ägypten" gilt in der Kunstgeschichte als erste naturgetreue Darstellung des Nachthimmels. Über dem Horizont thront ein Vollmond, auf dessen Oberfläche Strukturen erkennbar sind, die Einzelsterne gleichen in Verteilung und Helligkeitsabstufung dem wirklichen Sternenhimmel und im Band der Milchstraße sind viele Einzelsterne zu erkennen.

Anlässlich der Ausstellung "VON NEUEN STERNEN, Adam Elsheimers Flucht nach Ägypten" in der Alten Pinakothek in München begaben sich Gerhard Hartl und Christian Sicka vom Deutschen Museum auf Spurensuche. Sie gingen der Frage nach, ob sich Elsheimer am tatsächlichen Sternenhimmel über Rom im Jahr 1609 bei der Gestaltung seines gemalten Himmels orientiert hat und ob er eines der ersten Teleskope zur detailgetreuen Darstellung des Mondes und der Milchstraße zu Hilfe nahm.

Im Vortrag wird diese Spurensuche nachvollzogen und einzelne astronomische Inhalte des Nachthimmels von Elsheimer diskutiert. Es lässt sich am Gemälde von Elsheimer eindrucksvoll zeigen, wie der Wandel des Weltbildes Einzug in die Malerei gehalten hat.

Biographische Angaben:

Dr. Christian Sicka hat an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Physik studiert und dort im Jahr 2003 zum Thema "Dynamik inhomogener kosmologischer Modelle im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie" promoviert. Er ist Mitarbeiter des Deutschen Museums München und hat von dort aus bei verschiedenen Ausstellungen („Abenteuer der Erkenntnis“ Albert Einstein und die Physik des 20. Jahrhunderts Ausstellung zum Deutschen Zukunftspreis, Ausstellung "VON NEUEN STERNEN, Adam Elsheimers Flucht nach Ägypten" in der Alten Pinakothek in München) mitgewirkt.

Wandel des Weltbildes

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Prof. Dr. Gudrun Wolfschmidt, Universität Hamburg

In diesem Vortrag soll der Wandel des Weltbildes von der Antike bis zur Neuzeit illustriert werden - der Übergang von der geozentrischen Vorstellung der Antike (Aristoteles und Ptolemaios) und des Mittelalters zur heliozentrischen Weltsicht des Copernicus. Copernicus markiert den entscheidenden Wendepunkt in unserem Weltbild. Daher soll auf die Persönlichkeit des Copernicus und seine vielseitigen Aktivitäten genauer eingegangen werden.

Bezüglich der Rezeption und Nachwirkung des Copernicus wird unter anderem auf Tycho Brahe (Tychonisches Weltbild, Überwindung von aristotelischen Vorstellungen) und Galileo Galilei (Einsatz des Fernrohrs). Den wirklichen Bruch mit der Antike vollzog aber erst Johannes Kepler mit seinen Gesetzen der Planetenbewegung (Neue Astronomie). Eine physikalische Grundlage für die Bewegung der Planeten um die Sonne - als Gravitationszentrum - schuf erst Isaac Newton 1687. Damit konnte sichdie heliozentrische Idee im 18. Jahrhundert durchsetzen; damit war die Copernicanische Revolution abgeschlossen.

Erst im 19. Jahrhundert gelang der praktische Nachweis der zweifachen Bewegung der Erde (Rotation und Bahnumlauf). Im modernen Weltbild des 20. Jahrhunderts wurde der Mensch weiter vom Zentrum entfernt und an den Rand der Milchstraße gedrängt - einer Milchstraße, die nur eine von unzähligen Welteninseln im Kosmos ist.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Gudrun Wolfschmidt hat an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Chemie,Physik und Mathematik, außerdem Kunstgeschichte und Archäologie studiert. Nach einer Staatsexamensarbeit, bereits zu einem astronomischen Thema, hat sie dort im Jahr 1980 über die "Analyse enger Doppelsternsysteme" promoviert. Nach Forschungsaufenthalten in Chile, den USA und Israel hat sie als Gymnasiallehrerin gearbeitet, anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Museum München. Nach der Habilitation zum Thema "Genese der Astrophysik" im Jahr 1997 an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Frau Wolfschmidt heute Professorin an der Universität Hamburg und Leiterin des Schwerpunkts "Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Technik".

Die Himmelsscheibe von Nebra - ein früher Blick des Menschen ins Universum

Mittwoch, 16. Januar 2008

Prof. Dr. Wolfhard Schlosser, Ruhr-Universität Bochum

Im Jahr 2002 wurde in einer krimireifen Polizeiaktion im Baseler Hilton-Hotel ein prähistorischer Fund beschlagnahmt, zu dem neben zwei prachtvollen goldverzierten Bronzeschwertern und einigen anderen Objekten auch die Himmelsscheibe von Nebra gehört.

Diese durch ihre Patina tiefgrün gefärbte Bronzescheibe zeigt Goldfiguren, in denen jeder sofort "Sonne, Mond und Sterne" sieht. Ihr unzweifelhafter Bezug zur Astronomie machte sie zu dem Schlüsselfund der Archäoastronomie schlechthin. Sie ist gewissermaßen die TÜV-Plakette für andere archäoastronomische Denkmale, deren astronomische Funktion bisher nur indirekt erschlossen werden konnte.

Der Referent ist mit der astronomischen Analyse dieses einmaligen Funds beauftragt und berichtet über den gegenwärtigen Kenntnisstand zurArchäologie, Metallurgie und Astronomie der Scheibe. Obwohl die Himmelsscheibe offensichtlich heimischen Ursprungs ist, werden kulturelle Bezüge bis nach Griechenland in die Ägäis deutlich.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Wolfhard Schlosser, geboren 1940 in Breslau, hat von 1959 bis 1966 Physik, Astronomie und Geophysik an der Universität Hamburg studiert. Von 1969 bis 2005 war er als Hauptobservator am Astronomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum beschäftigt, an der er sich im Jahr 1973 habilitiert hat. Seine Forschungsarbeiten umfassen die großräumige Struktur unserer Milchstraße und benachbarter Galaxien und die Untersuchung prähistorischer Denkmäler in Deutschland mit vermuteter astronomisch-kalendarischer Funktion. Er war Projektleiter der GAUSS-Kamera für die Spacelab-D2-Mission und ESA-Beauftragter für die Internationale Raumstation ISS.

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