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2005

"Einstein und das Universum"

Seit dem Jahr 2001 bieten wir in Bonn eine Vortragsreihe mit astronomischen Vorträgen an.

Die Vorträge finden im allgemeinen mittwochs im Deutschen Museum Bonn [Ahrstraße 45, direkt im Gebäude des Wissenschaftszentrums] statt und beginnen um 19:00 Uhr.

Die Vortragsreihe ist eine gemeinsame Veranstaltung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn und des Deutschen Museums Bonn.

Die Vorträge sind gleichzeitig auch Regionalveranstaltungen zur Initiative Wissenschaft im Dialog mit dem Einstein-Jahr 2005 und dem Internationalen Jahr der Physik 2005.

Schwarze Löcher und ferne Welten - Auf Einsteins Spuren durchs Universums

Am 9. September 2005 findet ab 17:00 Uhr im Deutschen Museum Bonn [Ahrstraße 45, direkt im Gebäude des Wissenschaftszentrums] ein astronomisches Sonderprogramm statt.

Eintrittspreise: Erwachsene 4 Euro, ermäßigter Preis 2,50 Euro, Familienkarte 7 Euro.

  • 17:00 Uhr "Die Physik von Star Trek ­ Antriebstechniken des Raumschiff Enterprise", Vortrag von Prof. Dr. Hubert Zitt, FH Kaiserslautern
  • 17:45 Uhr: Fähnrichsausbildung »SternflottenAkademie«
  • 19:00 Uhr: "Kann man zu den Sternen reisen? Über Science und Fiction", Vortrag von Prof. Dr. Harald Lesch, LMU München
  • 20:15 Uhr: Fähnrichsausbildung »SternflottenAkademie«
  • 21:00 Uhr: Kostümparade

durch den Abend führt Worf (Raimund Krone) aus der Serie »Star Trek Next Generation«

Der erste Doppelpulsar - ein einzigartiger Test für die Allgemeine Relativitätstheorie

Mittwoch, 28. September 2005

Dr. Michael Kramer

Jodrell Bank Observatory, Univ. Manchester, England

Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie hat bis jetzt alle experimentellen Tests mit Bravour überstanden. Trotz dieses Erfolges können wir jedoch nicht annehmen, dass sie vollkommen korrekt ist. Das gilt insbesondere dann, wenn die Gravitationsfelder sehr viel stärker werden als wir es im Sonnensystem gewohnt sind, oder wenn die Messgenauigkeit unserer Versuche gesteigert wird.

Pulsare bieten derzeit - und auch für die absehbare Zukunft - die einzige Möglichkeit, hochpräzise Experimente zur Relativitätstheorie in starken Schwerefeldern vorzunehmen. Dies ist möglich, weil Pulsare extrem kompakte Kerne kollabierter Sterne sind, die sich bis zu 38,000 mal pro Minute um ihre Achse drehen. Dabei senden sie Radiostrahlung aus, die von Teleskopen auf der Erde als pulsierende Signale, kosmischen Leuchttürmen gleich, aufgefangen werden können. Pulsare wirken damit als hochgenaue kosmische Uhren, mit denen die Allgemeine Relativitätstheorie überprüft werden kann.

Die aufregendsten solcher Tests sind jetzt durch den ersten Doppel-Pulsar möglich, der von unserem Team Ende 2003 entdeckt wurde. In diesem System befinden sich zwei Pulsare, die sich in nur 2,4 Stunden um den gemeinsamen Schwerpunkt drehen. Dieses Uhren-Paar liefert den bis jetzt härtesten Test für die Relativitätstheorie überhaupt.

Im Vortrag wird über dieses Doppelpulsar-System, die durchgeführten Tests und die Aussichten dafür, dass Einstein weiterhin ungeschlagen bleibt, berichtet werden.

Biographische Angaben:

Dr. Michael Kramer stammt aus Köln und hat an den Universitäten Köln und Bonn Physik studiert. Er hat das Physik-Studium im Jahr 1993 in Bonn mit einer Diplomarbeit zum Thema "Pulsare" abgeschlossen und dort im Jahr 1995 mit der Dissertation "High Frequency Observations of Pulsars" im Fach Astronomie promoviert. Von 1993 bis 1998 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für Radioastronomie in Bonn. Im Jahr 1996 wurde er von der Max-Planck-Gesellschaft mit der Otto-Hahn-Medaille ausgezeichnet. Das damit verbundene Stipendium führte ihn 1998 für ein Jahr zur University of California-Berkeley. Seit 1999 ist er am Jodrell Bank Radio Observatory der Universität Manchester in England, an der er, zunächst als "Lecturer" und inzwischen als "Reader" (Associate Professor) lehrt. Seit März 2005 ist er dort auch Leiter der Pulsar-Gruppe.

Michael Kramer ist Ko-Autor des erst kürzlich erschienenen "Handbook of Pulsar Astronomy".

Das Universum hören mit Gravitationswellen: Die großen Detektoren sind in Betrieb!

Dienstag, 25. Oktober 2005

Dr. Peter Aufmuth

MPI für Gravitationsphysik (Albert Einstein-Institut) und Universität Hannover

Vor über 80 Jahren hat Albert Einstein die Existenz von Gravitationswellen als Konsequenz seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt!

Pünktlich zum 100sten Jahrestag seines Annus Mirabilis gehen jetzt die ersten kilometergroßen laserinterferometrischen Gravitationswellenobservatorien LIGO in den USA und GEO600 in Deutschland in Betrieb. VIRGO in Italien wird bald folgen!

Gleichzeitig hat die Implementationsphase für die LISA Pathfinder Mission begonnen, eine Technologie-Mission als Vorläufer für LISA, ein weltraumbasiertes Gravitationswellenobservatorium mit 5 Millionen Kilometer langen Armen!

Biographische Angaben:

Dr. Peter Aufmuth studierte ab 1965 Physik an der Technischen Hochschule Hannover (Heute: Universität Hannover) und schloss das Studium im Jahr 1970 mit dem Diplom ab. Danach arbeitete er als Doktorand am Institut A für Experimentalphysik (Leiter: Prof. Dr. A. Steudel) und promovierte dort im Jahr 1977. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an diesem Institut tätig, das im Jahr 1979 zur Abteilung Spektroskopie des Instituts für Atom- und Molekülphysik wurde. Seit April 1993 leitet Prof. Dr. Karsten Danzmann die Abteilung, die im April 2005 in Institut für Gravitationsphysik umbenannt wurde. Es ist Teil des Zentrums für experimentelle Gravitationsphysik der Universität Hannover und des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut).

Gravitationslinsen als Werkzeug der Astronomie

Mittwoch, 23. November 2005

Prof. Dr. Peter Schneider

Institut für Astrophysik und Extraterrestrische Forschung der Universität Bonn

Die Ablenkung des Lichtes durch Schwerkraft wurde von der Allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt und bereits im Jahr 1919 durch Beobachtungen bestätigt. In den folgenden Jahrzehnten wurden unterschiedliche Aspekte des Gravitationslinsen-Effekts theoretisch erforscht. Dazu gehören Mehrfachabbildungen oder ringähnliche Verzerrungen der Bilder von Hintergrundquellen, und die Nutzung des Linseneffekts als Gravitationsteleskop zur Beobachtung von sehr schwachen und entfernten Objekten.

Es ist noch gar nicht so lange her (erst seit der Entdeckung des ersten doppelt abgebildeten Quasars im Jahr 1979), daß das "Gravitational Lensing" zu einer Beobachtungswissenschaft wurde. Heute ist es ein wichtiger Teilbereich der modernen Astrophysik.

Obgleich noch in seinen Anfängen, hat sich der Gravitationslinsen-Effekt als sehr nützliches astrophysikalisches Werkzeug mit bemerkenswerten Erfolgen herausgestellt. Er hat zu neuen Erkenntnissen geführt in so unterschiedlichen Bereichen wie die kosmologischen Entfernungsskala, der Verteilung der Materie im Universum auf großer Skala, Gesamtmasse und Massenverteilung von Galaxienhaufen, der Physik der Quasare, dunkler Materie in Galaxiehalos und der Struktur von Galaxien.

Biographische Angaben:

Prof. Dr. Peter Schneider hat von 1977 bis 1983 an den Universitäten Düsseldorf und Bonn Physik studiert, und das Studium 1983 mit einer Diplomarbeit über Gravitationslinsen am MPI für Radioastronomie abgeschlossen. Nach nur 13 Monaten als Doktorand am MPI für Astrophysik in Garching wurde er von der Universität Bonn mit der Dissertation "Verallgemeinerte Gravitationslinsentheorie: Grundlagen, allgemeine Resultate und kosmologische Relevanz" promoviert. In den Jahren 1984 bis 2000, unterbrochen durch knapp zwei Jahre am Joint Institute for Laboratory Astrophysics (JILA) in Colorado/USA (1986-1987), arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für Astrophysik in Garching und hat sich 1992 an der Universität München für das Fach "Astronomie" habilitiert. Seit dem Jahr 2000 ist er Professor für Astrophysik und seit 2002 auch Direktor des Instituts für Astrophysik und Extraterrestrische Forschung der Universität Bonn.

Peter Schneider ist "Letter Editor" der Europäischen Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics". Er ist Erstautor des Buchs "Gravitational Lenses" und Mitautor der "Denkschrift Astronomie" der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sein Lehrbuch "Einführung in die Extragalaktische Astronomie und Kosmologie" ist erst in diesem Monat erschienen.

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