Tag der Offenen Tür am 100-m-Radioteleskop Effelsberg

am Samstag, 10. September 2011

30. August 2011

Das Radio-Observatorium Effelsberg, die Außenstelle des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), öffnet am Samstag, 10. September 2011 von 10:00 - 17:00 Uhr seine Pforten für die Öffentlichkeit. Der "Tag der Offenen Tür" bietet eine hervorragende Gelegenheit, ganz nah an das große 100-m-Radioteleskop heranzukommen und mit etwas Glück sogar die erste Teleskopplattform in 20 Metern Höhe betreten zu können.

Das Teleskop ist auch heute, über 40 Jahre nach seiner Inbetriebnahme, das größte Radioteleskop Europas. Es liegt, geschützt vor Störstrahlung von außen, in einem Tal bei Bad Münstereifel-Effelsberg, ca. 40 km südwestlich von Bonn.

Am 10. September ist jedermann willkommen, das Institutsgebäude mit dem Steuerraum, von dem aus das Radioteleskop betrieben wird, und insbesondere das Teleskop selbst aus nächster Nähe zu besichtigen.

Zum Tag der offenen Tür wird es die Gelegenheit geben, das Radio-Observatorium Effelsberg über zwei Zugangswege zu erreichen; beide sind mit astronomischen Wanderwegen verknüpft, die Objekte des Universums in zwei ganz unterschiedlichen Maßstäben darstellen. Der Planetenweg führt über zehn Infotafeln vom Zwergplaneten Pluto auf dem Besucherparkplatz bis hin zur Sonne am Besucherpavillon des Observatoriums und hat eine Gesamtlänge von knapp 800 Metern. Dadurch wird der Weg zu einem Spaziergang durch unser Sonnensystem. Die Besucher finden in Abständen, die der Größe der Umlaufbahnen entsprechen, Informationen über die Planeten des Sonnensystems, unserer galaktischen Heimat.

Ein zweiter Zugangsweg über das Sahrbachtal von Süden her führt über den Milchstraßenweg, der über eine Länge von 4 km von Burgsahr über Binzenbach (beides Ortsteile der Gemeinde Kirchsahr) bis zum Radioteleskop geht und erreicht das Gelände des Teleskops am hinteren Eingang direkt am Standort des Niederfrequenz-Radioteleskops LOFAR. Im Maßstab des Milchstraßenwegs von 1 zu 100 Billiarden entsprechen das einer Strecke von 40000 Lichtjahren durch die Milchstraße, von den Außenbereichen unserer Galaxis über die Position der Sonne bis zum Galaktischen Zentrum (die abschließende Tafel steht auf dem Aussichtsplateau direkt vis-a-vis des 100-m-Teleskops).

Vom Besucherparkplatz des Radio-Observatoriums ist das Gelände selbst mit dem 100m-Radioteleskop über einen Zufahrtsweg von etwas mehr als 1 km Länge erreichbar. Für Besucher, die nicht gut zu Fuß sind, wird ein Shuttle-Service zwischen Besucherparkplatz und Haupttor eingerichtet.

Im Besucherpavillon auf halbem Wege zwischen Parkplatz und Haupttor läuft an diesem Tag ein Filmprogramm mit einer Reihe von astronomischen Filmen und Filmen über das 100-m-Radioteleskop. Ein Teil dieser Filme wird im 3D-Format gezeigt.

Auf dem Gelände selbst gibt es die Gelegenheit, mit dem Aufzug bis auf die 20-m-Plattform mit den Kippmotoren hinaufzufahren. Der Weg zum Aufzug führt an einer Reihe von Informationstafeln vorbei, die über Geschichte und Bau des 100-m-Teleskops informieren, über Empfänger am Radioteleskop Effelsberg, sowie über die großen Entdeckungen mit dem Teleskop.

In Vorträgen und Vorführungen bieten die Mitarbeiter des Instituts Einblicke in ihre Arbeit. Die Vorträge finden im Hörsaal im 1. Stock des Gebäudes statt, von dem aus das 100-m-Teleskop gesteuert wird. Die Reihe beginnt mit einem Vortrag über "Radiowellen - das zweite Fenster zum Weltall" um 10:30 Uhr und endet mit einem Vortrag zum Thema "Galaxien im Radiolicht" um 16:30 Uhr:

10:30 Uhr:     Dr. Rainer Beck
Radiowellen - das zweite Fenster zum Weltall
11:15 Uhr: Priv.-Doz. Dr. Silke Britzen
Omnipräsente Schwarze Löcher
12:00 Uhr: Dr. Norbert Wex
Mit Pulsaren der Relativitätstheorie auf den Zahn fühlen
12:45 Uhr: Dr. Friedrich Wyrowski
Interstellares Medium und Sternentstehung
13:30 Uhr: Dr. Thomas Krichbaum
VLBI - der Blick auf das Schwarze Loch
14:15 Uhr: Priv.-Doz. Dr. Silke Britzen
Omnipräsente Schwarze Löcher
15:00 Uhr: Dr. Norbert Wex
Mit Pulsaren der Relativitätstheorie asuf den Zahn fühlen
15:45 Uhr: Dr. Friedrich Wyrowski
Interstellares Medium und Sternentstehung
16:30 Uhr: Dr. Rainer Beck
Galaxien im Radiolicht

Im Steuerraum des Teleskops können die Besucher Messungen an Pulsaren miterleben. Ein Pulsar entsteht bei einer Supernova-Explosion, einer gewaltigen Explosion, die das "Leben" eines Sternes beendet. Nach einer solchen Explosion bleibt ein hochverdichteter sogenannter Neutronenstern zurück, der aus seinen (magnetischen) Polen starke Radiostrahlen aussendet, die aufgrund der Eigenrotation des Sterns, als Folge kurzer Pulse auf der Erde empfangen werden können. "Für uns sind die Pulsare Werkzeuge zur Erforschung des Universums", sagt Prof. Michael Kramer, der Leiter der Forschungsgruppe "Radioastronomische Fundamentalphysik" am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie. "Ihre extrem hohe Rotationsstabilität, d.h., die Genauigkeit, mit der sie die Dauer einer Drehung um ihre Achse einhalten, hat bereits zur Entdeckung der ersten extrasolaren Planeten geführt und ermöglicht den Zugang zu Gravitationswellen im Universum."

Beim Tag der Offenen Tür wird gezeigt, wie vielfältig die Radioastronomie in der Eifel sich darstellt. Sie erstreckt sich von Beobachtungen sterbender Sterne oder kosmischer Magnetfelder mit dem 100-m-Teleskop über die Erforschung von Molekülen in Sternentstehungsgebieten, also des Stoffs, aus dem die Sterne werden, bis hin zum Einsatz des Teleskops im weltweiten VLBI-Netzwerk von Radioteleskopen.

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