Marcel-Grossmann-Preis an Michael Kramer

MPIfR-Direktor erhält Preis für seine grundlegenden Beiträge zur relativistischen Pulsar-Astrophysik

10. Juni 2009

Die Marcel-Grossmann-Konferenzen über neue Entwicklungen in theoretischen und experimentellen Untersuchungen zur Allgemeinen Relativitätstheorie, Gravitation und relativistischen Feldtheorien bieten ein international besetztes Diskussionsforum für Physiker und Astronomen. Prof. Michael Kramer, Direktor am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR), ist einer der diesjährigen Empfänger des Marcel-Grossmann-Preises. Er erhält den Preis für seine grundlegenden Beiträge zur Pulsar-Astrophysik, speziell für die erstmalige Beobachtung der geodätischen Präzession eines Pulsars in einem Binärsystem. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der diesjährigen Marcel-Grossmann-Konferenz, die vom 12. bis 18. Juli in Paris stattfindet.

Prof. Michael Kramer

Im Jahre 1975 gründeten Remo Ruffini und Abdus Salam die Marcel-Grossmann-Konferenzen, eine Tagungsreihe mit dem Ziel, in regelmäßigen Abständen aktuelle Entwicklungen und Fortschritte in der theoretischen und experimentellen Allgemeinen Relativitätstheorie, der Gravitation und den relativistischen Feldtheorien vorzustellen und zu diskutieren. Die einzelnen Tagungen sollen den Wissenschaftlern eine Möglichkeit bieten, sich auszutauschen und damit unser Verständnis von Raum und Zeit zu vertiefen, sowie den aktuellen Stand von Experimenten zur Einsteinschen Gravitationstheorie festzuhalten. Die Marcel-Grossmann-Tagungen finden alle drei Jahre an wechselnden Orten statt.

Auf der diesjährigen Marcel-Grossmann-Tagung, die vom 12. bis 18. Juli in Paris stattfindet, erhält Prof. Michael Kramer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) den Marcel-Grossmann-Preis für seine grundlegenden Beiträge zur Pulsar-Astrophysik und insbesondere für die erstmalige Beobachtung der geodätischen Präzession eines Pulsars in einem Binärsystem.

Schematische Darstellung des Doppelpulsar-Systems: Das Bild zeigt zwei Pulsare, die mit nur 147 Minuten Umlaufdauer um das gemeinsame Massenzentrum kreisen. Das System wurde im Jahr 2003 von einem internationalen Astronomenteam entdeckt, zu dem auch Michael Kramer gehört. Es stellt das bisher beste bekannte Laboratorium zur Untersuchung von starken Gravitationsfeldern dar.

Gemäß der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie führt die Bewegung eines Pulsars im Gravitationsfeld eines Begleitsterns zu einer kontinuierlichen Änderung der Richtung seiner Rotationsachse (geodätische Präzession). Michael Kramer ist es 1998 mit Hilfe des 100-Meter-Radioteleskops in Effelsberg zum ersten Mal gelungen, diese vorhergesagte Richtungsänderung zu messen. Dazu beobachtete er den Pulsars PSR B1913+16, für dessen Entdeckung Russell Hulse und Joseph Taylor 1993 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurden. In den folgenden Jahren hat Michael Kramer, zusammen mit einem Team von internationalen Wissenschaftlern, das neu entdeckte Doppelpulsarsystem PSR J0737-3039 (Abb. 2) genutzt, um die bis heute besten Tests zur Gültigkeit der Einsteinschen Gravitationstheorie in starken Gravitationfeldern durchzuführen.

Das 100-m-Radioteleskop Effelsberg. Die Beobachtungen, die zur Entdeckung der relativistischen Präzession im Pulsarsystem PSR B1913+16 führten, wurden mit diesem Teleskop durchgeführt.

Michael Kramer schrieb seine Doktorarbeit, in der er sich mit Pulsaren und Neutronensternen beschäftigte, am Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Nach seiner Promotion im Jahre 1995, setzte er seine Forschungsarbeiten als MPG Otto-Hahn Stipendiat an der Universität in Berkeley fort, und kehrte anschließend ans Max-Planck-Institut für Radioastronomie zurück. Im Herbst 1999 ging er als Dozent für Physik und Astronomie an die Universität von Manchester, wo er 2005 die Leitung der Pulsar-Gruppe am Jodrell-Bank-Observatorium übernahm. 2006 wurde er zum Professor an der Universität von Manchester berufen. Seit März 2009 ist Michael Kramer Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und verantwortlich für das 100-Meter-Radioteleskop in Effelsberg, mit dem ihm die Entdeckung der geodätischen Präzession des Pulsars PSR B1913+16 gelang.

Auf der diesjährigen Marcel-Grossmann-Tagung werden, neben Michael Kramer, noch Christine Jones und Iaan Einasto (Individual Award) und das "Institut des Hautes Etudes Scientifique" in Frankreich (Institutional Award) mit dem Marcel-Grossmann-Preis ausgezeichnet. Preisträger aus früheren Jahren sind u.a. John Archibald Wheeler (1988), Stephen Hawking (1991), Subrahmanyan Chandrasekhar (1994), Riccardo Giacconi (2000) und Joachim Trümper (2006). "Es ist eine große Ehre, in einer Reihe zu stehen mit so ausgezeichneten Wissenschaftlern, die den Marcel-Grossmann-Preis erhalten haben", sagte Michael Kramer.

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