Astronomische Wanderwege

Milchstraßenweg

Der Milchstraßenweg führt von Süden aus zum Radioteleskop Effelsberg. Er beginnt in Burgsahr, einem Ortsteil der Gemeinde Kirchsahr, und endet direkt am Besucherpavillon des Radioteleskops. Man macht quasi eine faszinierende Reise durch die Milchstraße, bei der man obendrein bei einer netten Wanderung noch etwas für seine Fitness tun kann.

Der Milchstraßenweg ist eine Kooperation zwischen Max-Planck-Institut für Radioastronomie und Freundeskreis Sahrbachtal. Er ist gekennzeichnet durch ein rotes Teleskopsymbol auf weißem Grund:

Hinweisschild "Milchstraßenweg"

Einige Informationen, die auch auf den Schautafeln des Milchstraßenwegs zu finden sind:

Milchstraßenweg: Tafel "Zentrum der Milchstraße" (hinter dem Besucherpavillon). Bild vergrößern
Milchstraßenweg: Tafel "Zentrum der Milchstraße" (hinter dem Besucherpavillon).

Der Milchstraßenweg zeigt die Entfernungen verschiedener Himmelskörper im Maßstab 1: 1017 (1 : 100 Billiarden), das sind 10000 Lichtjahre pro Kilometer. In diesem Maßstab hat die Milchstraße einen Durchmesser von 10 km; der Abstand zwischen der Erde und dem Zentrum der Milchstraße in 25000 Lichtjahren Entfernung beträgt 2,5 km.

Auf allen Tafeln zeigt ein 12.5 cm großes Bild der Milchstraße (Maßstab 1: 8 x 1021 oder 1 : 8 Trilliarden) die Position des Himmelskörpers und der Sonne innerhalb unserer Galaxis an. Über 4 km sind es insgesamt 18 Informationstafeln mit der Abschlusstafel "Zentrum der Milchstraße" am Aussichtspunkt des Radioteleskops Effelsberg. Dazu kommt als (virtuelle) Tafel Nr. 19 die Andromeda-Galaxie (M31) in 250 km Entfernung im "Haus der Astronomie" in Heidelberg.

1)  IC 410

Wir starten unsere Reise im Außenbereich unserer Milchstraße. IC 410 ist ein Sternhaufen im Sternbild Auriga (Fuhrmann), der von einem Gasnebel umschlossen wird, in dem auch heute noch neue Sterne entstehen. Von hier aus sind es noch 15000 Lichtjahre (im Maßstab: 1,5 km) bis zur Sonne und 40000 Lichtjahre (4 km) bis zum Zentrum der Milchstraße. Bei normaler Gehgeschwindigkeit (4 km/h) sind wir ca. 1 Stunde unterwegs und bewegen uns dabei im Maßstab mit 350 millionenfacher Lichtgeschwindigkeit!

2) h und Chi Persei

h und Chi Persei (auch NGC 869 und 884) bilden einen schönen Doppelsternhaufen im Sternbild Perseus, der bei guten Bedingungen bereits mit bloßem Auge sichtbar ist und mit Hilfe des Fernglases einen phantastischen Anblick bietet. Vom Start aus haben wir jetzt 7000 Lichtjahre (700 m) zurückgelegt; es bleiben noch 8000 Lichtjahre (800 m) bis der Erde.

3) Krabbennebel

Der Krabbennebel (auch Messier 1 oder M1) im Sternbild Taurus (Stier) ist der Überrest der Supernova-Explosion (helles Aufleuchten eines Sterns am Ende seiner Entwicklung durch ein Explosion; seine Leuchtkraft nimmt millionen bis milliardenfach zu und wird dabei für kurze Zeit so hell wie eine ganze Galaxie) aus dem Jahr 1054. Im sichtbaren Licht ein faserförmiger Nebel, für das Radioteleskop die viertstärkste Quelle am Himmel mit einem Pulsar (ein Pulsar ist ein schnell rotierender Neutronenstern, der regelmäßig elektromagnetische Strahlen absendet) im Zentrum, der sich 30mal pro Sekunde um die eigene Achse dreht. Wir haben nun bereits schon 8700 Lichtjahre (870 m) zurückgelegt; noch haben wir 6300 Lichtjahre (630 m) bis zur Erde vor uns.

4) S147

S147 an der Grenze der Sternbilder Zwillinge (Gemini) und Auriga (Fuhrmann) ist ein weiterer Supernova-Überrest, bei dem die Sternexplosion bereits vor 100000 Jahren erfolgte. Mit drei Grad (oder sechs Vollmondbreiten) erscheint er sehr ausgedehnt am Himmel. Vom Start aus haben wir jetzt 12000 Lichtjahre (1,2 km) zurückgelegt; es bleiben noch 3000 Lichtjahre (300 m) bis zur Erde.

5) Orion-Nebel

Der Orionnebel (M42) ist ein Sternentstehungsgebiet, das man im Winter bereits mit bloßem Auge unterhalb der „Gürtelsterne“ (drei helle Sterne dicht nebeneinander in einer Reihe) im Sternbild Orion sehen kann. Vom Start aus haben wir jetzt 13500 Lichtjahre (1,35 km) zurückgelegt; es bleiben noch 1500 Lichtjahre (150 m) bis zur Erde.

6) Beteigeuze

Der helle Stern Beteigeuze (auch Betelgeuse), der linke obere Schulterstern des Orion, ist ein roter Überriese (ein Stern mit überdurchschnittlich großem Durchmesser und überdurchschnittlicher Leuchtkraft) mit 500fachem Sonnendurchmesser. Beteigeuze ist ein Kandidat für eine Supernova-Explosion in naher Zukunft. Er könnte dann für kurze Zeit so hell wie der Mond am Himmel erscheinen. Vom Start aus haben wir jetzt 14570 Lichtjahre (1,46 km) zurückgelegt; es bleiben noch 430 Lichtjahre (43 m) bis zur Erde.

7) Plejaden

Die Plejaden („Siebengestirn“) im Sternbild Taurus (Stier) bilden den vermutlich schönsten offenen Sternhaufen am Himmel. Sie sind vor allem im Winter leicht mit bloßem Auge sichtbar, wobei man zwischen 6 und 8 Sterne voneinander unterscheiden kann. Vom Start aus haben wir jetzt 14600 Lichtjahre (1,46 km) zurückgelegt; es bleiben noch 400 Lichtjahre (40 m) bis zur Erde.

8) Sirius

Sirius im Sternbild Canis Maior (Großer Hund) ist der für das Auge hellste Stern am Himmel. Man findet ihn am Winterhimmel links unterhalb des Orion. Sirius ist ein Doppelstern mit einem nur in großen Fernrohren sichtbaren Weißen Zwergstern („Sirius B“) als Begleiter. Vom Start aus haben wir jetzt 14991 Lichtjahre (1,5 km) zurückgelegt; es bleiben nur noch 9 Lichtjahre (90 cm) bis zur Erde.

9) Erde

Nach 15000 Lichtjahren (1,5 km) haben wir jetzt die Erde erreicht. Auf dem Planetenwanderweg im Maßstab 1 : 7,7 Milliarden sind es 766 m von der Sonne bis zum Pluto. Im Maßstab des Milchstraßenwegs wären das nur noch 60 Nanometer (6 x 10-8 m), das ist gerade mal die Größe eines Virus! Von hier aus sind es noch 25000 Lichtjahre (2,5 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

10) Alpha Centauri

Alpha Centauri steht in unmittelbarer Nachbarschaft. Es ist ein Dreifachstern, wobei der Zwergstern Proxima Centauri den nächsten Nachbarstern der Sonne darstellt. Leider steht er soweit südlich am Himmel, dass er von Mitteleuropa aus nie sichtbar wird. Von der Erde aus haben wir 4,3 Lichtjahre (43 cm) zurückgelegt; es bleiben immer noch 25000 Lichtjahre (2,5 km) bis zum Zentrum der Milchstraße. Der Pfeil zeigt die Position von Proxima Centauri, dem kleinen Zwergstern, der der Sonne am nächsten steht.

11) Wega

Wega ist der hellste Stern im Sternbild Lyra (Leier). Zusammen mit Deneb im Sternbild Cygnus (Schwan) und Atair im Sternbild Aquila (Adler), die alle zu den 20 hellsten Sternen am Himmel gehören, bildet er das „Sommerdreieck“. Von der Erde aus haben wir jetzt 25 Lichtjahre (2,5 m) zurückgelegt; es bleiben noch 24975 Lichtjahre (2,5 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

12) Antares

Der Stern Antares im Sternbild Skorpion ist, ebenso wie Beteigeuze im Orion, ein roter Überriese in einer späten Phase seiner Entwicklung. Er ist sogar 700mal so groß wie unsere Sonne; in diesem Stern hätte unser Planetensystem bis zur Bahn des Jupiter komplett Platz! Von der Erde aus haben wir jetzt 520 Lichtjahre (52 m) zurückgelegt; es bleiben noch 24480 Lichtjahre (2,45 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

13) Hantelnebel

Der Hantelnebel (M27) ist ein Planetarischer Nebel im Sternbild Vulpecula (Füchschen). Der Name hat nichts mit Planeten zu tun; es handelt sich um einen sehr alten Stern („Weißer Zwerg“), der seine äußere Hülle abgestoßen hat, die nun als leuchtender Nebel erscheint und bereits im Fernglas sichtbar wird. Von der Erde aus haben wir jetzt 980 Lichtjahre (98 m) zurückgelegt; es bleiben noch 24020 Lichtjahre (2,4 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

14) Adlernebel

Der Adlernebel (M16) ist ein Sternentstehungsgebiet im Sternbild Serpens (Schlange), der durch eine Aufnahme mit dem Hubble-Teleskop berühmt geworden ist. Sie zeigt dunkle wie Türme aufragende Staubwolken, an deren Spitzen sich neue Sterne bilden. Von der Erde aus haben wir jetzt 7000 Lichtjahre (700 m) zurückgelegt; es bleiben noch 18000 Lichtjahre (1,8 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

15) M22

M22 im Sternbild Sagittarius (Schütze) ist der hellste von Mitteleuropa aus sichtbare Kugelsternhaufen und besteht aus über einer Million von Einzelsternen. Er ist bereits mit bloßem Auge sichtbar, im Sommer knapp über dem Horizont in Richtung Süden. Von der Erde aus haben wir jetzt 10000 Lichtjahre (1 km) zurückgelegt; es bleiben noch 15000 Lichtjahre (1,5 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

16) SN1604

SN1604 ist der Überrest der von Johannes Kepler im Jahr 1604 im Sternbild Ophiuchus (Schlangenträger) beobachteten Supernova, die damals so hell wie der Planet Jupiter am Himmel sichtbar wurde. Heute findet man dort nur schwache Nebelfetzen, aber auch starke Radiostrahlung zur Untersuchung mit dem 100-m-Teleskop. Von der Erde aus haben wir jetzt 15000 Lichtjahre (1,5 km) zurückgelegt; es bleiben noch 10000 Lichtjahre (1 km) bis zum Zentrum der Milchstraße.

17) W43

W43 ist ein ausgedehntes Sternentstehungsgebiet (HII-Gebiet) an der Grenze der Sternbilder Scutum (Schild) und Aquila (Adler), über zehnmal größer als der Orion-Nebel ("Mini-Starburst"). Durch starke Absorption im Vordergrund ist W43 zwar nicht im Optischen sichtbar, aber als helle Radioquelle. Hier haben wir von der Erde aus bereits 20000 Lichtjahre (2 km) zurückgelegt und sind nur noch 5000 Lichtjahre (500 m) vom Zentrum der Milchstraße entfernt.

18) Zentrum der Milchstraße

Mit dem Zentrum der Milchstraße haben wir nach 25000 Lichtjahren oder 2,5 km von der Erde das Ziel unserer Reise erreicht. Hier findet man nicht nur eine Vielzahl dicht zusammenstehender Sterne, sondern auch ein Schwarzes Loch mit dreimillionenfacher Sonnenmasse. Die Andromeda-Galaxie (M31), das nächste große Nachbarsternsystem, ist 2,5 Millionen Lichtjahre (250 km) von hier entfernt.

19) Andromeda-Galaxie

Die Andromeda-Galaxie (M31), das nächste große Nachbarsternsystem, ist 2,5 Millionen Lichtjahre (oder 250 km) von der Milchstraße entfernt. Im Maßstab des Milchstraßenwegs entspricht das ziemlich genau der Straßenentfernung zwischen dem Radioteleskop Effelsberg und dem "Haus der Astronomie" auf dem Königstuhl bei Heidelberg (247 km).


Bildnachweis:

  • IC 410, Krabbennebel, Beteigeuze, S147, Sirius, Erde, Alpha Centauri, Hantelnebel, Adlernebel, SN1604 und das Zentrum der Milchstraße sind dem Archiv des Astronomy Picture Of The Day (APOD) der NASA entnommen.
  • Die Aufnahme der Plejaden stammt von einer Projektseite für das Hubble-Teleskop, Wega zeigt eine Infrarotaufnahme vom Weltraumteleskop Spitzer, und M22 eine Infrarotaufnahme vom 2MASS Katalog.
  • Das Bild von Alpha Centauri stammt von der Europäischen Südsternwarte (ESO).
  • Antares und der Orionnebel wurden von David Malin am Anglo-Australian Observatory aufgenommen.
  • Die Bilder von der Sternentstehungsregion W43 und von der Andromeda-Galaxie stammen vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR).

Diese Web-Seite wurde im Rahmen eines Schülerpraktikums erstellt von Svenja Gehrke, Sankt-Adelheid-Gymnasium, Bonn-Beuel.

 
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