Aktuelles aus der Forschung

Hier werden die aktuellsten Forschungsergebnisse unserer Gruppe gezeigt.  
Das Schwarze Loch im Zentrum einer nahen Galaxie wächst außergewöhnlich schnell und sorgt für einen bisher nie beobachteten Ausbruch von Radiostrahlung. Mit Eigenschaften, wie man sie im frühen Universum erwartet, liefert diese einzigartige Galaxie wichtige Erkenntnisse über das Wachstum der ersten Schwarzen Löcher.
Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie konnte direkt beobachten, wie Turbulenzen im interstellaren Medium die Radiostrahlung eines entfernten Objekts verzerren. Die Ergebnisse ermöglichen in Zukunft schärfere Abbildungen, zum Beispiel vom extrem massereichen Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße. 

Das Verständnis von Turbulenzen ist ebenfalls wichtig, um zu erklären, wie sich Energie durch die Galaxie bewegt und wie Gas sich verhält, bevor es in sich zusammenfällt und neue Sterne bildet (englischsprachige Pressemitteilung des Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian (CfA), 13. Mai 2026).
Im Zentrum der Galaxie Markarian 501 scheint es nicht nur ein extrem massereiches Schwarzes Loch zu geben, sondern zwei. Beobachtungen im Radiobereich aus mehreren Jahren legen nahe, dass das Duo schon in rund 100 Jahren miteinander verschmelzen könnte.
Ein internationales Forscherteam der KM3NeT-Kollaboration hat den Ursprung des energiereichsten kosmischen Neutrinos untersucht, das jemals beobachtet wurde. Das Teilchen wurde am 13. Februar 2023 vom Tiefsee-Neutrino-Teleskop KM3NeT/ARCA im Mittelmeer entdeckt. Mit einer Energie von etwa 220 PeV übertrifft es die Energien bisher beobachteter astrophysikalischer Neutrinos um mehr als eine Größenordnung. Das wirft die Frage auf, welche Art von kosmischem Beschleuniger ein solch extremes Ereignis hervorbringen könnte.
 
Wissenschaftler aus der VLBI-Abteilung am Max-Planck-Institut für Radioastronomie haben zu dieser Arbeit beigetragen: Yuri Kovalev, Alexander Plavin und Eduardo Ros. Ihr Fachgebiet liegt im Bereich der Radiobeobachtung aktiver Galaxienkerne und relativistischer Jets, was in diesem Fall für das Verständnis der Umgebungen relevant ist, in denen Teilchen auf extreme Energien beschleunigt werden können.
Zum 1. Februar 2026 wird Prof. Dr. J. Anton Zensus als Direktor der Abteilung Radioastronomie / Very Long Baseline Interferometrie (VLBI) am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) emeritiert. Er bleibt dem Institut als Direktor emeritus und wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft verbunden.
Forscherinnen und Forscher lokalisieren den wahrscheinlichen Ursprungsort des zentralen Ausflusses einer massereichen Galaxie mit Daten des Event Horizon Telescope.
 
Neue Bilder vom Event Horizon Telescope zeigen, wie Schockwellen und magnetische Turbulenzen im Jet eines supermassiven Schwarzen Lochs zusammenwirken, und bieten einen noch nie dagewesenen Einblick in die Funktionsweise dieser kosmischen „Motoren”.
Ein internationales Team hat mit dem Event Horizon Telescope (EHT) die ersten direkten, räumlich aufgelösten Bilder von Schockwellen gemacht, die mit magnetischen Turbulenzen im Jet eines supermassiven Schwarzen Lochs interagieren. Die Ergebnisse, die heute in Astronomy & Astrophysics veröffentlicht wurden (siehe Link hier), zeigen schnelle Veränderungen, die ganz in der Nähe des Schwarzen Lochs passieren, in dem Bereich, wo Jets geformt und mit Energie versorgt werden.
Eine Nahaufnahme von OJ 287
Das Ziel der Beobachtungen ist OJ 287, eine bekannte aktive Galaxie, die etwa 1,6 Milliarden Lichtjahre entfernt im Sternbild Krebs liegt. OJ 287 zeigt seit mehr als einem Jahrhundert dramatische Aktivitäten und wird oft als mögliches binäres supermassives Schwarzes-Loch-System diskutiert. Seine langfristige Variabilität macht es zu einem wichtigen natürlichen Labor, um zu untersuchen, wie Schwarze Löcher sich ernähren und wie Jets reagieren.
Mit der außergewöhnlichen Auflösungsleistung des EHT – vergleichbar mit dem Erkennen eines Tennisballs auf dem Mond – hat das Team den innersten Bereich des Jets abgebildet und zwei kompakte helle Merkmale identifiziert, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten nach außen bewegen. Diese Merkmale verhalten sich wie sich ausbreitende Schocks, die das Plasma auf ihrer Reise komprimieren und erhitzen.
Polarisiertes Licht enthüllt ein verdrehtes Magnetfeld
Der entscheidende Durchbruch kommt von der Polarisation, die Infos über Magnetfelder enthält. Während sich die beiden Schockmerkmale durch den inneren Jet bewegen, dreht sich die Polarisationsrichtung ihres ausgestrahlten Lichts. Bemerkenswert ist, dass sich die beiden Merkmale in entgegengesetzte Richtungen drehen. Dieses Muster liefert starke Hinweise darauf, dass der Jet von einem spiralförmigen (korkenzieherartigen) Magnetfeld durchzogen ist und dass die sich bewegenden Schocks verschiedene Teile (Phasen) dieser magnetischen Struktur beleuchten.
Die Bilder zeigen auch, dass der Jet nicht einfach gerade und glatt ist. Stattdessen weist er eine verdrehte, wellenförmige Gestalt auf, die mit Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten übereinstimmt – einem häufigen physikalischen Effekt, der auftritt, wenn benachbarte Schichten einer Strömung sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und dabei Wellen und Wirbel erzeugen. Im Fall von OJ 287 können solche Instabilitäten ein spiralförmiges Muster im Jet-Plasma erzeugen, das bestimmt, wo Schocks heller werden und wie sich die Polarisation entwickelt.
Veränderungen innerhalb von nur fünf Tagen
Die Analyse basiert auf EHT-Beobachtungen, die im April 2017 über einen Zeitraum von fünf Tagen gemacht wurden. In dieser kurzen Zeit haben sich die Struktur des Jets und seine Polarisation stark verändert, was zeigt, dass der innere Jet eine sehr dynamische Umgebung ist. Mit einer dichteren Zeitabdeckung in zukünftigen Beobachtungskampagnen könnte man diese Wechselwirkungen kontinuierlicher verfolgen und die sich entwickelnde magnetische Geometrie des Jets vollständiger rekonstruieren.
Umwandlung globaler Teleskopdaten in Polarisationsbilder
Die Erstellung zuverlässiger Polarisationskarten in EHT-Auflösung ist technisch anspruchsvoll. Polarisationssignale sind vergleichsweise schwach und können durch kleine instrumentelle Unvollkommenheiten an jedem Teleskop stark beeinflusst werden. Die Analyse erfordert daher eine sorgfältige Kalibrierung, umfangreiche Validierung und Gegenprüfungen unter Verwendung mehrerer unabhängiger Bildgebungsverfahren, um sicherzustellen, dass die erfassten Polarisationsmuster die Quelle selbst widerspiegeln.
Relativistische Jets gehören zu den stärksten Phänomenen im Universum und können Energie über Tausende von Lichtjahren transportieren. Dennoch bleiben wichtige Fragen offen: Wie werden Jets ausgestoßen, wie bleiben sie kollimiert, wo bilden sich Schocks und wie werden Teilchen auf extreme Energien beschleunigt? Durch die direkte Auflösung von Schockmerkmalen und die Verknüpfung ihres Polarisationsverhaltens mit Instabilitäten und der Magnetfeldstruktur liefern diese EHT-Beobachtungen neue, strenge Tests für theoretische Modelle und numerische Simulationen der Jet-Dynamik.
Dieses Ergebnis eröffnet ein neues Beobachtungsfenster zur Jet-Physik in der Nähe des Schwarzen Lochs, wo Magnetfelder, Turbulenzen und Schocks auf den kleinsten zugänglichen Skalen interagieren.
Unser Team
Die Studie wird von einer Gruppe von Radioastronomen geleitet, darunter die folgenden Mitarbeiter des MPIfR: Efthalia Traianou, Thomas P. Krichbaum, Guang-Yao Zhao, Yuri Y. Kovalev und Stefanie Komossa. Außerdem sind diese anderen Kollegen, die an der Veröffentlichung beteiligt sind, auch mit dem MPIfR verbunden: Walter Alef, Rebecca Azulay, Uwe Bach, Anne-Kathrin Baczko, Silke Britzen, Gregory Desvignes, Sergio A. Dzib, Ralph P. Eatough, Christian M. Fromm, Michael Janßen, Ramesh Karuppusamy, Jae-Young Kim, Joana A. Kramer, Michael Kramer, Jun Liu,
Andrei P. Lobanov, Rusen Lu, Nicholas R. MacDonald, Nicola Marchili, Karl M. Menten, Cornelia Müller, Dhanya G. Nair, Georgios Filippos Paraschos, Eduardo Ros, Helge Rottmann, Alan L. Roy, Saurabh, Tuomas Savolainen, Lijing Shao, Pablo Torne, Jan Wagner, Robert Wharton, Gunther Witzel und J. Anton Zensus.
 
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