Professor Dr.-Ing. Peter Georg Mezger

19. November 1928 — 09. Juli 2014



Am 9. Juli 2014 verstarb im 86. Lebensjahr Professor Dr.-Ing. Peter Georg Mezger, Emeritiertes Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft.

Das wissenschaftliche Lebenswerk von Peter Georg Mezger war geprägt von einem tiefen Interesse an technischen Entwicklungen gepaart mit einer ausgeprägten Leidenschaft für radioastronomische Beobachtungen. Nach Abschluss seines Studiums 1954 mit einem Diplom in Physik an der Technischen Hochschule in München fand Peter Mezger den Weg in die Radioastronomie durch die Mitarbeit am Aufbau eines Radioteleskops der Universität Bonn. Er entwickelte Empfangssysteme und wirkte tatkräftig an der Inbetriebnahme und an den ersten astronomischen Messungen mit. Bereits die 1960 publizierte Durchmusterung der galaktischen Ebene bei 11-cm Wellenlänge fand Beachtung in der Fachwelt. Er wechselte dann in das Zentrallabor von Siemens in München, um dort von 1961 bis 1963 parametrische Verstärker zum Einsatz auf dem Stockert zu entwickeln.

Nach seiner Promotion zum Dr.-Ing. an der TH Darmstadt nahm er 1963 eine Tätigkeit am National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in Green Bank, USA, auf. Auch dort verband er die Mitwirkung an der Inbetriebnahme des gerade fertiggestellten 140-ft-Teleskops mit intensiven astronomischen Messungen. Als richtungsweisend erwiesen sich seine dort durchgeführten Untersuchungen der ionisierten Hüllen von sehr jungen Sternen und der damit verbundenen Radiorekombinationslinien.

Peter Mezger folgte 1969 der Berufung der Max-Planck-Gesellschaft zum Wissenschaftlichen Mitglied und Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Gemeinsam mit den Professoren Otto Hachenberg und Richard Wielebinski gehörte er dem Direktoren-Kollegium des 1965 gegründeten Instituts an.

Zu Mezgers in der Folgezeit verfolgten Themen gehörten die Bestimmung der im Urknall erzeugten Häufigkeit des Heliums, einer wichtigen kosmologischen Größe, mittels Rekombinationslinien und die Untersuchung des Galaktischen Zentrums über einen breiten Wellenlängenbereich, was seiner Interpretation des Galaktischen Zentrums als ein "verhungerndes" Schwarzes Loch führte. Sehr früh erkannte er, dass für ein umfassendes Verständnis der Radioastronomie die Erschließung von Beobachtungsmöglichkeiten im Millimeter- und Submillimeter-Wellenlängenbereiche notwendig ist. Zielstrebig war er am Bau des 30-m-Millimeter-Radioteleskop am Pico Veleta, Spanien, beteiligt und trug maßgeblich zur Gründung eines Instituts für Radioastronomie im Millimeterwellenbereich (IRAM, seit 1979) mit Sitz in Grenoble bei.

Der nächste konsequente Schritt war die Entwicklung und der Bau eines speziellen Submm-Teleskops, das gemeinsam mit dem Steward Observatorium der Universität von Arizona unter dem Namen "Heinrich-Hertz-Teleskop" auf dem Mt. Graham in Arizona 1995 die Beobachtungen aufnehmen konnte.

Mezgers Zielvorstellung der Erschließung umfassender Beobachtungsmöglichkeiten enthielt auch den Fernen Infrarot-Bereich, wofür er sich an dem sogenannten Kuiper-Observatorium (einem Astroflugzeug) und später an den Planungen des wesentlich leistungsfähigeren Astroflugzeugs SOFIA beteiligte.

Sein großes Interesse an Beobachtungsinstrumenten zeigte sich besonders bei der Entwicklung mehrerer sehr erfolgreicher Bolometersysteme, welche er für die Suche nach den tief in Staub und Gas eingebetteten frühesten Stadien der Sternentstehung, sogenannten Protosternen, einsetzte.

Peter Mezger war über seine Forschungsarbeit hinaus sehr aufgeschlossen für allgemeine wissenschaftspolitische Fragen. Noch zu Zeiten des "Kalten Kriegs" setzte er sich 1974 dafür ein, die zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Akademie der Wissenschaften der (damaligen) Sowjetunion wachsende Möglichkeit einer Zusammenarbeit für die Radioastronomie zu nutzen. In ähnlicher Weise konnte Mezger während einer Informationsreise durch die Volksrepublik China 1980 eine bis heute andauernde Zusammenarbeit vereinbaren.

Auch noch 1987 betrat Mezger mit Überlegungen zur Zusammenarbeit mit der Universitäts-Sternwarte Jena durchaus Neuland. Nach der Wende führte dies 1991 zu einer durch das MPIfR als Partnerinstitut betreuten Arbeitsgruppe "Physik und Chemie des Interstellaren Staubs in Sternentstehungsgebieten" der MPG in Jena.

Peter Mezger wurde 1989 in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt und er wurde am 30.11.1996 emeritiert.

Als Mensch und Forscher wirkte er auf seine Wegbegleiter wie ein zielstrebiger Wanderer, der den einmal als richtig erkannten Weg ohne Umwege und allen Hindernissen trotzend beschritt. Als ein Pionier der Radioastronomie wird er seinen Kollegen, Schülern und Freunden stets in Erinnerung bleiben.

Das Direktorenkollegium des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie
Michael Kramer
Karl M. Menten
Gerd Weigelt
J. Anton Zensus
Richard Wielebinski (Emeritus)


Ihren Beitrag zum virtuellen Kondolenzbuch richten Sie bitte an kondolenz@mpifr-bonn.mpg.de

 
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