Dynamischer Radiohimmel

Ein zentraler Teil der Pulsar-Forschung ist die Suche nach neuen Pulsaren. Die Motivation hierfür ist mannigfaltig. Die Suche nach einem neuen Labor für die fundamentalen Gesetze der Natur, wie die Gravitation, die Eigenschaften von Raum und Zeit und das Verhalten von Materie bei extremen Dichten, sowie die Suche nach neuen hoch-präzisen Millisekunden-Pulsaren, die man als Teil eines Netzwerks zur Entdeckung besonders langwelliger Gravitationswellen verwenden kann, sind nur zwei Aspekte. Die Hoffnung, dabei unerwartete transiente Signale zu finden, ist ein weiteres Argument. Alle neuen Pulsare tragen in der einen oder anderen Weise zu einem Fortschritt in unterschiedlichsten Forschungsbereichen der Physik und Astrophysik bei. Folglich ist die Gruppe an fast allen wichtigen Projekten zur Suche nach neuen Pulsaren beteiligt.

Pulsar-Durchmusterungen

Überblick der Durchmusterung des Radiohimmels unter Leitung oder Beteiligung des MPIfRs. Bild vergrößern
Überblick der Durchmusterung des Radiohimmels unter Leitung oder Beteiligung des MPIfRs.

Insbesondere leiten wir entscheidende Teile in der einzig wahren Durchmusterung des gesamten Himmels - dem „High Time Resolution Universe Pulsar Survey (HTRU)” - mit den Teleskopen in Effelsberg und Parkes. Weiterhin sind wir in der komplementären Durchmusterung mit LOFAR bei sehr niedrigen Frequenzen engagiert, mit der wir insbesondere neue leuchtschwache Pulsare in der Sonnenumgebung finden werden, der PALFA Durchmusterung mit dem Arecibo-Teleskop, der Suche nach Pulsaren im γ-Strahlenbereich (beobachtet mit FERMI), oder der speziellen Suche im Galaktischen Zentrum. [Animation der verschiedenen Pulsar-Durchmusterungen]

Transienten

Frequenzabhängige Ankunftszeit des Radioblitzes FRB 110220. Die Zeit wird relativ zur Ankunftszeit am höchsten Frequenzkanal gemessen. Der Einschub zeigt das Radiosignal am oberen, mittleren und unteren Teil des Frequenzbandes mit dem Resultat der Datenanalyse; man erkennt klar die verstärkte Streuung beim Übergang von hohen zu niedrigen Frequenzen. Bild vergrößern
Frequenzabhängige Ankunftszeit des Radioblitzes FRB 110220. Die Zeit wird relativ zur Ankunftszeit am höchsten Frequenzkanal gemessen. Der Einschub zeigt das Radiosignal am oberen, mittleren und unteren Teil des Frequenzbandes mit dem Resultat der Datenanalyse; man erkennt klar die verstärkte Streuung beim Übergang von hohen zu niedrigen Frequenzen. [weniger]

Normalerweise entdecken wir die sich wiederholenden „Leuchtturm-Signale” von rotierenden Neutronensternen. Aber wir haben die Empfindlichkeit, tatsächlich schelle Radiotransienten aller Art zu messen. Oft werden diese Radioblitze von Menschen in der Nähe des Teleskops erzeugt, aber die neusten Ergebnisse deuten auch auf die Existenz von astrophysikalischen Signalen in kosmologischen Entfernungen hin. Die Ursache dieser weit entfernten Blitze ist noch völlig unklar, aber dennoch waren sie die Motivation, die gesamte Himmelsdurchmusterung durch HTRU so anzulegen, dass die Chancen auf neue Transienten maximiert werden. Einmal gefunden geben sie uns Hinweise auf die Eigenschaften des intergalaktischen Mediums, dessen Baryonendichte oder das zugehörige Magnetfeld.

 
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