LOFAR

LOFAR  („Low Frequency Array”) ist ein neues Radioteleskop, das von ASTRON in den Niederlanden gebaut wurde und im bisher wenig erforschten Frequenzbereich zwischen 10 und 240 MHz arbeitet.  LOFAR bereitet den Weg für eine neue Generation von Radioteleskopen wie das „Square Kilometre Array” (SKA), die aus einer großen Anzahl kleiner und preiswerter Antennen bestehen werden. LOFAR setzt sich zur Zeit aus 38 Stationen in den Niederlanden, 5 in Deutschand, 3 in Polen und je einer in Frankreich, Schweden und Großbritannien zusammen.

Jede einzelne Station besteht aus zwei Teilen, einem für den niedrigen Frequenzbereich zwischen 10 und 80 MHz („low band antennas”, LBA) und einem für den höheren Bereich zwischen 110 und 240 MHz („high band antennas”, HBA). Beide Teile sind aus einfachen Dipolen zusammengesetzt (192 für das LBA-Feld und 3072 für das HBA-Feld einer internationalen Station), die elektronisch kombiniert werden. Die Signale werden zu einem Rechenzentrum in Groningen (NL) gesendet, welches sie in Echtzeit korreliert und anschließend zu Bildern, Spektren und Zeitreihen für Pulsaruntersuchungen verarbeitet. LOFAR bietet sehr flexible Beobachtungsmodi, mit denen z.B. unterschiedliche Regionen des Himmels gleichzeitig beobachtet werden können. In anderen Modi kann der gesamte sichtbare Radiohimmel kontinuierlich überwacht werden. Die internationalen Basislinien erlauben zum ersten Mal Beobachtungen in diesem Frequenzbereich mit Auflösungen besser als eine Bogensekunde.

Die erste internationale Station neben dem 100-m-Radioteleskop in Effelsberg wurde 2009 fertiggestellt und wird vom MPIfR zusammen mit ASTRON betrieben. Das MPIfR ist Mitglied im German Long Wavelength Consortium (GLOW), welches die Zusammenarbeit mit weiteren LOFAR-Standorten in Deutschland  (Jülich, Potsdam, Tautenburg und Unterweilenbach) koordiniert.

Neben der Teilnahme an Beobachtungen im gesamten Verbund („International LOFAR Telescope”, ILT) für diverse Projekte (u.a. hochauflösende Studien von Radioquellen sowie Suche nach neuen Pulsaren) verwendet unsere Gruppe die LOFAR-Station in Effelsberg als Einzelstation zur Abbildung der Milchstraße, für detaillierte Pulsarstudien, sowie für Systemtests und neue Entwicklungen.

Die Gruppe leitet das LOFAR Schlüsselprojekt „Kosmischer Magnetismus” (Text auf Englisch). Bei niedrigen Frequenzen werden ausgedehnte Bereiche schwacher Synchrotronstrahlung in der Milchstraße sowie in anderen Galaxien und Galaxienhaufen sichtbar. Diese Strahlung erlaubt es uns, intergalaktische Magnetfelder zu untersuchen. Wir sind ebenfalls an Schlüsselprojekten zu Radioblitzen und Pulsaren („Transients”, Text auf Englisch) sowie zur Durchmusterung des gesamten Radiohimmels (Text auf Englisch) beteiligt.

Die erste internationale LOFAR-Station in Effelsberg. Im Vordergrund sind die LBA-Antennen für den Frequenzbereich 10-80 MHz zu sehen. Die HBA-Antennen befinden sich im Hintergrund in mit Folie bedeckten Styroporkästen. Der Container auf der rechten Seite zwischen den Feldern enthält die Elektronik, mit der die Signale der einzelnen Antennen digitalisiert, kalibriert und kombiniert werden.
Die erste internationale LOFAR-Station in Effelsberg. Im Vordergrund sind die LBA-Antennen für den Frequenzbereich 10-80 MHz zu sehen. Die HBA-Antennen befinden sich im Hintergrund in mit Folie bedeckten Styroporkästen. Der Container auf der rechten Seite zwischen den Feldern enthält die Elektronik, mit der die Signale der einzelnen Antennen digitalisiert, kalibriert und kombiniert werden. [weniger]
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Winter 2012/2013
 
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