Vom Radioteleskop Effelsberg zum Institut für Raumfahrtsysteme (IRS)

Der Milchstraßenweg macht Halt an der Universität Stuttgart

9. Juli 2026

Am 16. Juli 2026 wird am Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) an der Universität Stuttgart eine externe Stationstafel des Milchstraßenweges am Radioteleskop Effelsberg installiert. Die Plakette mit Informationen zur Dreiecksgalaxie M33, die von außen am Gebäude sichtbar sein wird, weist das Stuttgarter Institut als weitere Außenstelle des Weges in maßstabsgetreuem Abstand aus.

Der Milchstraßenweg ist einer von drei unterschiedlich skalierten astronomischen Wanderwegen am Radioteleskop Effelsberg. Mit ihnen wird die komplette Entfernungsskala von den Planeten unseres Sonnensystems bis zu fernen Galaxien in Milliarden von Lichtjahren Entfernung erfahrbar.

Der Milchstraßenweg ist eine Einrichtung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) und des Radio-Observatoriums Effelsberg. Er wurde in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Sahrbachtal e.V. als Wanderweg mit einer Gesamtlänge von vier Kilometern in direkter Umgebung des Radioteleskops Effelsberg eingerichtet.

Das Radioteleskop ist mit seinen 100 Metern Durchmesser das zweitgrößte bewegliche Radioteleskop der Welt. Der Milchstraßenweg zeigt die Entfernungen verschiedener Himmelskörper im Maßstab 1: 1017 (1 : 100 Billiarden) – das entspricht 10.000 Lichtjahren pro Kilometer. In diesem Maßstab hat die Milchstraße einen Durchmesser von zehn Kilometern. Der Abstand zwischen der Erde und dem Zentrum der Milchstraße in gut 25.000 Lichtjahren Entfernung beträgt 2,5 Kilometer.

Neben den 20 Kernstationen in der Umgebung des Radioteleskops in der Eifel gibt es eine Reihe von Außenstellen als Erweiterungen des Wegs. Seit dem Jahr 2014 gibt es die Station für die berühmte Andromeda-Galaxie (Messier 31) am Haus der Astronomie auf dem Heidelberger Königstuhl. Im Jahr 2021 ist das Planetarium Mannheim als Standort für die Galaxie NGC 205, einem Begleiter der Andromeda-Galaxie, dazugekommen. Erst Anfang Juli 2026 wurde mit der Draco-Galaxie am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Bonn eine weitere externe Station des Milchstraßenwegs hinzugefügt.

Nun folgt mit der Dreiecksgalaxie (Messier 33) ein prominentes Mitglied der Lokalen Gruppe von Galaxien in der Nachbarschaft der Milchstraße in einer Entfernung von rund 2,6 Millionen Lichtjahren. Im Maßstab des Milchstraßenwegs (1 : 1017 bzw. 1 : 100 Billiarden) entspricht das nahezu exakt der Luftlinienentfernung von 260 km zwischen dem IRS in Stuttgart und dem Radioteleskop Effelsberg. Die Dreiecksgalaxie ist neben der Milchstraße und der Andromedagalaxie eine der drei großen Spiralgalaxien in der Lokalen Gruppe und wird unter guten Sichtbedingungen bereits mit kleiner Optik (Feldstecher) am Himmel sichtbar. Ihr Name ist von dem Sternbild Triangulum (zu Deutsch: Dreieck) abgeleitet, in dessen Richtung sie am Himmel zu finden ist. Das Sternbild Dreieck grenzt direkt südlich an das Sternbild Andromeda und tatsächlich liegen beide Galaxien nur ca. 14 Grad (oder 28 Vollmonddurchmesser) voneinander entfernt. 

Mit der Dreiecksgalaxie M33 gibt es nun vier externe Stationen des Milchstraßenwegs. Sie markieren auch den Übergang vom Milchstraßenweg zum dritten astronomischen Wanderweg am Radioteleskop Effelsberg, dem Galaxienweg mit einem Maßstab von 1 : 5 x 1022 (1 : 50 Trilliarden).  In diesem Maßstab befindet sich das Andromedasystem mit NGC 205 und Messier 31 in unmittelbarer Nachbarschaft von der Milchstraße – im Abstand von nur noch 50 Zentimetern. Die beiden Tafeln „Milchstraße“ und „Andromedagalaxie“ in nur 50 cm Abstand stehen am Beginn des Effelsberger Galaxienwegs, der über eine Gesamtstrecke von knapp drei Kilometern bis zu fernen Galaxien in einer Entfernung von mehreren Milliarden Lichtjahren führt.

Der Übergang zwischen Planetenweg und Milchstraßenweg wird wiederum vom hellsten Stern am Nachthimmel, Sirius, markiert. Sirius liegt in einer Entfernung von knapp neun Lichtjahren in Richtung des Sternbilds Canis Major (Großer Hund). Auf dem Milchstraßenweg liegen die beiden Stationen „Sirius“ und „Sonne/Erde“ nur 90 cm voneinander entfernt; im Maßstab des Planetenwegs beträgt die Entfernung stolze 11.000 km. Das entspricht dem Abstand zwischen zwei vom MPIfR betriebenen Radioteleskopen, dem 100-m-Teleskop Effelsberg und dem APEX-Teleskop in Chile. Und in der Tat ist seit 2018 die Tafel „Sirius“ als Erweiterung des Planetenwegs am APEX auf der 5100 m hoch gelegenen Chajnantorebene zu finden. Die Entfernung von 310 Lichtjahren für den zweithellsten Stern am Himmel, Canopus, machte hingegen bereits eine Station im Abstand des Mondes erforderlich.    

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Zusätzliche Informationen

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie hat am Standort des 100-m-Radioteleskops bei Bad Münstereifel-Effelsberg insgesamt vier astronomische Themenwanderwege eingerichtet. Drei davon, mit den Bezeichnungen Planetenweg, Milchstraßenweg und Galaxienweg, bilden die komplette astronomische Entfernungsskala von den Planeten unseres Sonnensystems bis zu fernen Galaxien in mehreren Milliarden Lichtjahren Entfernung ab.

Der Planetenweg im Maßstab 1 : 7,7 Milliarden verläuft über eine Gesamtlänge von 766 m vom Besucherparkplatz am Radio-Observatorium (Zwergplanet Pluto) bis zum Vorplatz des Besucherpavillons mit der Station „Sonne“. Der Planetenweg hat mit dem Nachbarstern Sirius, dem hellsten Stern am Nachthimmel, eine Außenstelle in 11.000 km Entfernung (entsprechend 8,6 Lichtjahren) am APEX-Teleskop des MPIfR in der Atacamawüste in Chile.  

Der Milchstraßenweg im Maßstab 1 : 1017 (1 : 100 Billiarden) verläuft über eine Gesamtlänge von 4 km (entsprechend 40.000 Lichtjahre durch unsere Heimatgalaxis) von den Außenbereichen entlang der Sonne bis zum Galaktischen Zentrum. Dieser Weg führt vom Ortsteil Burgsahr der Gemeinde Kirchsahr im Sahrbachtal bis zu einem Aussichtsplateau unmittelbar vor dem 100-m-Radioteleskop selbst. Der Milchstraßenweg hat mit der Andromedagalaxie M31 am Haus der Astronomie in Heidelberg, der Galaxie NGC 205 am Planetarium Mannheim, der Draco-Galaxie am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Bonn und der Dreiecksgalaxie M33 am Institut für Raumfahrtsysteme in Stuttgart inzwischen bereits vier Außenstellen in jeweils maßstabsgetreuem Abstand vom Radioteleskop Effelsberg.

Der Galaxienweg im Maßstab 1 : 5 x 1022 (1 : 50 Trilliarden) verläuft über eine Gesamtlänge von 2,7 km (entsprechend knapp 14 Milliarden Lichtjahren) von unserer Milchstraße bis zu fernen Galaxien und schließlich zurück bis zum Urknall oder dem Beginn aller Zeiten. Er startet auf einem Waldweg hinter dem Radioteleskop und führt bis zur Martinshütte der Gemeinde Kirchsahr, der „Grillhütte am Ende des Universums“.

Zum 50jährigen Jubiläum des 100-m-Radioteleskops ist im Jahr 2021 noch ein weiterer Wanderweg hinzugekommen, der „Zeitreiseweg“, der auf insgesamt 20 Stationen die bislang 50jährige Geschichte des Radioteleskops Effelsberg abbildet. Er führt auf gut 5 km Länge um das Teleskop herum, mit dem Startpunkt direkt am Besucherpavillon. 

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