Seit mehr als 20 Jahren untersuchen Wissenschaftler des
Bonner
Max-Planck-Instituts für Radioastronomie Magnetfelder in fernen
Milchstraßensystemen und in unserer eigenen Milchstraße.
Jetzt ist ihnen eine wichtige Entdeckung gelungen, die den Ursprung
der Magnetfelder aufklären könnte.
Magnetfelder im Kosmos lassen sich am besten durch
Radiowellen
nachweisen. Die von Radioteleskopen aufgefangene Strahlung
stammt zum größten Teil von Elektronen der kosmischen
Strahlung, die von Magnetfeldern auf Spiralbahnen gezwungen
werden und dabei Radiowellen aussenden. Die Stärke der
Radiostrahlung
hängt dabei von der Stärke der Magnetfelder ab. Sind die
Magnetfeldlinien einheitlich ausgerichtet, so ist die Radiostrahlung
hoch polarisiert.
Das auf der Erde empfindlichste Instrument zum Nachweis
polarisierter
Radiostrahlung ist der 100-m-Radiospiegel bei Bad
Münstereifel-Effelsberg,
das größte voll bewegliche Teleskop der Welt. Mit diesem
Gerät der Superlative haben die Wissenschaftler des Bonner
Max-Planck-Institutes für Radioastronomie schon nahezu alle
Milchstraßensysteme (Galaxien) im einem Umkreis von etwa
30 Millionen Lichtjahren beobachtet und dabei herausgefunden, daß
Magnetfelder in fast allen Galaxien vorkommen. Obwohl die galaktischen
Feldstärken nur rund ein Hunderttausendstel Gauss betragen (das
irdische
Magnetfeld hat, zum Vergleich, eine mittlere Stärke von einem
halben Gauss),
ist die gespeicherte Energie vergleichbar mit der des Gases und der
Strahlung.
Magnetfelder erfüllen die gesamten Sternsysteme und bilden dabei
spiralförmige Muster über mehrere Zehntausend Lichtjahre
hinweg,
ähnlich den Dichtewellen des Gases, die als Spiralarme auf
optischen
Aufnahmen zu sehen sind.
Fast die gesamte im Weltall sichtbare Materie ist
elektrisch geladen,
so daß Bewegungen Magnetfelder erzeugen und Bewegungen
durch vorhandene Magnetfelder beeinflußt werden. Bei der Bildung
neuer
Sterne und Planeten sind Magnetfelder unverzichtbar, da sie das
Kollabieren
von Gaswolken ermöglichen. Auch bei der Entstehung und Entwicklung
der
Galaxien spielen Magnetfelder eine wichtige Rolle. Radioastronomen aus
Kanada und den USA entdeckten vor einigen Jahren, daß weit
entfernte
Galaxien, die erst wenige Milliarden Jahre alt sind, bereits starke
Magnetfelder besitzen.
In Zusammenarbeit mit zwei Gruppen von Wissenschaftlern
am Astrophysikalischen
Institut in Potsdam und an der Staatsuniversität Moskau
entwickelten
die Bonner Beobachter Modelle zur Entstehung der Magnetfelder nach dem
Dynamo-Prinzip, das auf Werner von Siemens zurückgeht. Danach
stammt
die Energie zum Aufbau der Magnetfelder aus der allgemeinen
Rotationsbewegung
einer Galaxie, und die beobachteten Muster ergeben sich aus einem
Zusammenwirken turbulenter Bewegungen von Gaswolken mit der Rotation.
Eine Galaxie ist ein sich selbst organisierendes System und schafft Ordnung
aus dem Chaos. Wie sich Spiralarme auf
Magnetfelder auswirken,
konnte aber nicht geklärt werden.
In der Fachzeitschrift Nature vom 4. Januar 1996
berichten
Rainer Beck und Philipp Hoernes vom MPI Bonn über die Entdeckung
neuartiger magnetischer Spiralarme in der Galaxie NGC 6946 in
rund 30 Millionen Lichtjahren Entfernung. Diese magnetischen Arme
sind viel regelmäßiger als die zerfransten optischen
Spiralarme.
Die Radioarme erstrecken sich über einen Winkel von rund
10 Bogenminuten am Himmel, immerhin ein Drittel des scheinbaren
Monddurchmessers. Im normalen Licht ist die Galaxie NGC 6946 dagegen
selbst in großen Fernrohren kaum zu sehen, denn sie befindet
sich hinter einem Vorhang aus Sternen und Staub unserer eigenen
Milchstraße.
Entscheidend für diese Entdeckung war die
Kombination von
hochempfindlichen Beobachtungen am Radioteleskop Effelsberg mit
hochauflösenden Daten des Radio-Interferometers Very Large
Array (VLA) in der Wüste von
Neumexiko (USA).
Trotz seiner enormen Größe erreicht der Effelsberger Spiegel
bei einigen Zentimetern Wellenlänge gerade die
Winkelauflösung des
bloßen menschlichen Auges, wenn auch mit unvorstellbar
höherer
Empfindlichkeit. Das VLA-Interferometer besteht dagegen aus 27
Einzelspiegel von je 20 Metern Durchmesser auf drei Y-förmigen
Schienen, die es erlauben, die Spiegel jedes Armes bis zu 21 Kilometer
weit auseinanderzufahren. Damit erhält man ein Zoom-Teleskop
für
den Radiobereich. In der Galaxie NGC 6946 erreichten Beck & Hoernes
eine Winkelauflösung von 12 Bogensekunden, was rund 1000
Lichtjahren
entspricht. Die Daten beider Teleskope lieferten das schärfste und
zugleich empfindlichste Magnetbild, das je von einer
Spiralgalaxie
gelang.
Die großräumige Symmetrie der magnetischen
Arme ist ein
entscheidender Hinweis auf einen global arbeitenden Dynamo.
Da die Magnetfeldlinien fast genau zwischen den im Optischen
sichtbaren Armen verlaufen, schließen die Autoren, daß es
eine
enge Beziehung zwischen dem Spiralmuster und den Magnetfeldern gibt,
und zwar durch eine Art von Resonanz zwischen den Dichtewellen
des Gases
und der Dynamo-Welle des Magnetfeldes.
Überraschend ist, daß die magnetischen Arme
fast genau zwischen den
optischen Spiralarmen liegen, also in Gebieten geringster
Gasdichte.
Es gibt Hinweise, daß sich dieses Phänomen nicht auf NGC
6946
beschränkt, sondern auch in anderen Galaxien auftritt und damit
vielleicht
der Schlüssel zum Verständnis galaktischer Magnetfelder ist.
(
Rainer Beck,
Copyright MPIfR 1998)
public_at_mpifr-bonn.mpg.de