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PRI (MPIfR) 05/2006 (3) Pressemitteilung 11. Mai 2006


Arbeit in luftiger Höhe

80 m über Grund wird das äußere Schutzgitter am Radioteleskop Effelsberg montiert.


Im Mai 2006 wird am Radioteleskop Effelsberg in schwindelerregender Höhe gearbeitet. Aufgrund von Wartungsarbeiten war das 2 Meter hohe Schutzgitter rund um den äußeren Rand des 100-m-Paraboloids eine Zeitlang komplett abmontiert. Am 9. Mai wurde begonnen, die einzelnen Segmente wieder am Teleskop anzubringen. Dazu sind zwei über 80 m hohe Kräne erforderlich - ein Lastkran für den Transport der Segmente und ein Kranausleger mit Arbeitsbühne für die Monteure. Die Montage soll bis Ende nächster Woche (Freitag, 19. Mai) abgeschlossen werden.

Während dieser Zeit feiert das Teleskop Geburtstag: am Freitag, 12. Mai, sind es genau 35 Jahre seit der offiziellen Eröffnung des Radioteleskops. Im Jubiläumsjahr finden auch eine Reihe neuer Entwicklungen vor Ort statt: Im Sommer 2006 wird die Montage des neuen Subreflektors mit aktiver Oberfläche erfolgen. Darüber hinaus haben Vorarbeiten für die erste deutsche Station des Niederfrequenzteleskops LOFAR bereits begonnen.

Zwischen 1968 und 1971 erbaut und am 12. Mai 1971 offiziell eingeweiht, dient das Teleskop zum Empfang von Radiowellen aus dem Weltall. Mit einem Durchmesser von 100 Metern ist es auch heute noch eines der beiden größten vollbeweglichen Radioteleskope der Erde und beobachtet Objekte im Weltall, deren Strahlung im Bereich vom 35 cm bis hinunter zu 3,5-mm-Wellenlänge liegt. Auf einem Ringfundament von 64-m-Durchmesser errichtet, ragt die filigrane Stahlkonstruktion mit der Fokuskabine im Brennpunkt des Spiegels bis zu einer Höhe von 98 Metern empor.


Abbildung 1:  100-m-Radioteleskop: Montage des ersten Gitter-Elements (9. Mai 2006).
Bild: MPIfR (Norbert Junkes).
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In nicht viel niedrigerer Höhe wird zur Zeit am äußeren Rand des großen Parabolspiegels gearbeitet: In ca. 80 m Höhe montieren Techniker insgesamt 48 Segmente des Schutzgitters (des so genannten "Hachenberg-Kragens", benannt nach Otto Hachenberg, dem Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie), der im Umfang von 314 Metern den gesamten Spiegel umfaßt. Jedes dieser Segmente ist ca. 6,50 m lang und wird mit Hilfe eines Kranauslegers in Position gebracht. Ein weiterer Ausleger bringt die Arbeitsbühne auf 80 m Höhe, von der aus die Techniker die Segmente Stück für Stück am Spiegel befestigen (Abb. 1, 2).

Das äußere Gitter schützt vor thermischer Störstrahlung direkt von der Erdoberfläche (Temperaturstrahlung des Bodens). Das 100-m-Radioteleskop ist so empfindlich, dass selbst solch schwache Signale die astronomischen Messungen erhblich beeinträchtigen könnten. Für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten war das Gitter abmontiert und wird jetzt, rechtzeitig vor der Montage des neuen Sub-Reflektors, wieder angebracht.


Abbildung 2:  Blick vom Besucherpavillon: Montage am 10. Mai 2006.
Bild: MPIfR (Norbert Junkes).
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Ab August wird die Montage des neuen Subreflektors am Radioteleskop Effelsberg erfolgen. Das ist ein Spiegel mit 6,50 m Durchmesser, der im Brennpunktbereich an der Spitze der vier Stützbeine angebracht wird, und die einfallenden und vom 100-m-Hauptspiegel reflektierten Radiowellen nochmals in Richtung des zweiten Brennpunkts oder Sekundärfokus (im Zentrum des Hauptspiegels) reflektiert. Der neue Subreflektor hat aktive motorgesteuerte Oberflächenelemente, mit denen winzigste Abweichungen des Hauptspiegels von Bruchteilen von Millimetern zusätzlich korrigiert werden können. Das Anbringen des schweren Subreflektors an der Spitze des Teleskops wird mit Sicherheit einen spektakulären Anblick bieten.

Für die erste deutsche LOFAR-Station wurden bereits Rodungsarbeiten durchgeführt. Südlich des 100-m-Teleskops wurde ein ca. 60 x 110 m großes Areal freigelegt, auf dem noch in diesem Jahr die Aufstellung von insgesamt 96 Dipol-Antennen zur Erforschung von sehr niederfrequenten Radiosignalen erfolgen wird. LOFAR wird eine Ergänzung des großen Radioteleskops hin zu niederen Frequenzen darstellen.

Im Lauf des Jahres 2006 wird also am und um das Radioteleskop Effelsberg eine ganze Menge los sein. Für die Besucher am Pavillon und für Wanderer in der Umgegend zeigt das Teleskop mit den Montagearbeiten aber schon jetzt einen imposanten Anblick.


Zusätzliche Informationen:

Besucherpavillon und Wanderweg zum Radioteleskop Effelsberg.

LOFAR in Deutschland. Erste LOFAR-Station ab 2006 in Effelsberg (Pressemeldung vom 5. Mai 2006).

Effelsberg 2004+. Neuer Sekundärspiegel mit aktiver Optik für das 100-m-Radioteleskop (Pressemeldung vom 10. September 2004).

Anfahrtsskizze zum Radioteleskop Effelsberg

Zusätzliche Bilder: Bild 1, Bild 2, Bild 3.


Kontakt:

Dipl.-Ing. Klaus Bruns
Radio-Observatorium Effelsberg
Telefon: 02257  301-121 
Fax: 02257  301-105 
e-mail: kbruns at mpifr-bonn.mpg.de

Dr. Alex Kraus
Stationsleiter
Radio-Observatorium Effelsberg
Telefon: 02257  301-120 
Fax: 02257  301-105 
e-mail: akraus at mpifr-bonn.mpg.de

Dr. Norbert Junkes
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
Telefon: 0228  525-399 
Fax: 0228  525-437 
e-mail: njunkes at mpifr-bonn.mpg.de