Radio-Observatorium Effelsberg

Informationen zum 100-m-Radioteleskop

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Die Radioastronomie hat sich seit ihren Anfängen um 1932 zu einer der bedeutendsten Methoden für die Erforschung des Universums entwickelt. Ein eindrucksvoller Beweis dafür ist die Tatsache, daß bereits vier Nobel-Preise für Beobachtungen in der Radioastronomie vergeben wurden; so geschehen in den Jahren 1974, 1978, 1993 und letztmalig im Jahre 2006. Elektromagnetische Strahlung im Bereich der Radiowellenlängen (von 0,35 mm aufwärts bis etwa 15 m) trifft ständig aus dem Kosmos auf die Erde; sie wird mit Hilfe spezieller Antennen, wie beispielsweise dem 100-m-Radioteleskop, empfangen.



1.
100-m-Radioteleskop Effelsberg


Dabei ist die große Oberfläche der Antenne von etwa 7.850 m² wichtig für den sicheren Nachweis der außerordentlich schwachen Radiosignale, während der große Durchmesser von 100 m für das vergleichsweise hohe Winkelauflösungsvermögen maßgeblich ist, das heißt dem kleinsten Abstand an der Himmelssphäre, bei dem das Teleskop zwei verschiedene Objekte noch trennen kann. Dieses Auflösungsvermögen beträgt zum Beispiel 35 Bogensekunden bei einer Wellenlänge von 1,3 cm und ist damit etwa zweimal besser als das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges für sichtbares Licht.

Das Radioteleskop wurde auf einem Ringfundament von 64-m-Durchmesser errichtet. Das Gesamtgewicht der Stahlkonstruktion beträgt 3.200 Tonnen. In knapp 12 Minuten kann der Parabolspiegel des Teleskops horizontal um 360° gedreht und in knapp 6 Minuten um nahezu 90° gekippt werden, wodurch der gesamte Himmel über dem Horizont mit dem Teleskop erreichbar ist.

Obwohl schon 1972 in Betrieb gegangen, ist das 100-m-Teleskop in Effelsberg auch heute noch eines der beiden größten vollbeweglichen Radioteleskope der Erde. Es kann zum Empfang von Radiowellen im Bereich vom 90 cm bis hinunter zu 3,5-mm-Wellenlänge eingesetzt werden. Die Beobachtungen bei kurzen Wellenlängen werden dadurch möglich, daß trotz elastischer Verformungen der Stahlkonstruktion von einigen Zentimetern nur eine maximale Abweichung des Reflektors von der idealen Parabolform von 0,45 mm entsteht. Eine elektronische Nachsteuerung kompensiert die bei Kippung des Teleskops auftretende Verlagerung des Brennpunktes.



1.
100-m-Radioteleskop: Spiegeloberfläche und Empfängerkabinen


Als Empfangssystem für die vom Hauptreflektor gebündelte Radiostrahlung kommen Hornantennen mit angeschlossenen extrem empfindlichen und rauscharmen Verstärkern zum Einsatz. Sie werden im Brennpunkt der großen Oberfläche knapp unterhalb der an den Stützbeinen befestigten (Primär-) Fokuskabine montiert. Durch einen kleinen elliptischen Umlenkspiegel im Strahlengang ist es jedoch auch möglich, die Strahlung noch einmal zu reflektieren und zum Scheitelpunkt des Reflektors hin, in den Sekundärfokus zu bündeln. Dort ist der - teilweise auch gleichzeitige - Einsatz weiterer Empfangssysteme möglich. Ein im Oktober 2006 eingesetzter neuer Subreflektor mit knapp 100 motorgesteuerten Einzelpaneelen steigert nochmals die Genauigkeit der Beobachtungen. Die Instrumentierung zur Erfassung, Aufbereitung und Speicherung der gemessenen Signale sowie die Prozeßrechner zur Steuerung des Teleskops und zur Datenverarbeitung sind in dem Gebäude am Hang oberhalb des Teleskops untergebracht.

Die Finanzierung des Projekts in Höhe von 34 Millionen DM erfolgte vorwiegend durch die Volkswagen-Stiftung. Zusätzliche Mittel wurden durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Max-Planck-Gesellschaft bereitgestellt. Das damalige Bundesministerium für Forschung und Technologie, das heutige Bundesministerium für Bildung und Forschung, finanzierte einige spezielle Teile der Ausrüstung.



 
Technische Daten des Radioteleskops

Reflektordurchmesser 100 m
Geometrische Antennenfläche 7.850 m²
Anzahl der Oberflächenelemente (Paneele) 2.352
Oberflächengenauigkeit < 0,5 mm
Brennweite im Primärfokus 30 m
Umlenkspiegeldurchmesser (Gregory-Reflektor) 6,5 m
Öffnungsverhältnis
- im Primärfokus f/0,3
- im Sekundärfokus f/3,85
Auflösungsvermögen (Breite der Antennenkeule)
- bei 21-cm-Wellenlängen (1,4 GHz) 9,4' (Bogenminuten)
- bei 3,0-cm-Wellenlänge (10 GHz) 1,15' (Bogenminuten)
- bei 3,5-mm-Wellenlänge (86 GHz) 10" (Bogensekunden)
Durchmesser des Schienenkranzes 64 m
Justiergenauigkeit der Schiene +/- 0,25 mm
Drehbereich 480°
Größte Drehgeschwindigkeit 32°/min.
Leistung der 16 Drehmotoren je 17,5 kW
Radius des Zahnkranzes 28 m
Kippbereich (Elevation über dem Horizont) von 7° bis 94°
Größte Kippgeschwindigkeit 16°/min.
Leistung der 4 Kippmotoren je 17,5 kW
Gesamtgewicht 3.200 t
Bauzeit 1968-1971
Inbetriebnahme 1. August 1972
Bauausführung Arbeitsgemeinschaft KRUPP/MAN

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