Allgemeine Informationen

Die Arbeit des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) beruht zu einem wesentlichen Teil auf Beobachtungen mit dem 100-m-Radioteleskop in Bad Münstereifel-Effelsberg. Das Radioteleskop wird seit August 1972 äußerst erfolgreich betrieben. Es ist mit seinem Durchmesser von 100 Metern bis heute eines der beiden größten vollbeweglichen Radioteleskope der Erde, und kann infolge der hohen Oberflächengenauigkeit bis zu einer kürzesten Wellenlänge von 3,5 mm genutzt werden. 

Im Institut in Bonn sind zahlreiche hochempfindliche und rauscharme Empfängersysteme für das 100-m-Radioteleskop im Wellenlängenbereich zwischen 3,5 mm und 74 cm entwickelt worden.


Die Beobachtungsmöglichkeiten können nicht nur von Mitarbeitern des Instituts, sondern bis zu einem Zeitanteil von 40 % auch von auswärtigen Wissenschaftlern genutzt werden. Hiervon wird seit Jahren reger Gebrauch gemacht, sowohl von Mitarbeitern deutscher Universitäten als auch von Wissenschaftlern zahlreicher ausländischer Institute. 

Beobachtungen am 100-m-Radioteleskop werden in verschiedenen Beobachtungsarten durchgeführt, die auch wiederum verschiedenen Arbeitsgruppen am MPI für Radioastronomie entsprechen. Diese Beobachtungsarten sind:

  • Messungen im Radiokontinuum - Untersuchungen galaktischer und extragalaktischer Objekte bei verschiedenen Wellenlängen; Diese Arbeitsgruppe schließt auch Untersuchungen in der 21-cm-Linie des neutralen Wasserstoffs (HI) mit ein.
  • Untersuchung der Radiostrahlung von Pulsaren mit sehr hoher Zeitauflösung.

Zur Ausstattung gehören weiterhin mehrere Prozeßrechner im Radioobservatorium Effelsberg sowie eine größere Rechenanlage mit vielen vernetzten Arbeitsplatzrechnern im Institut in Bonn, die zur Reduktion und Analyse der gewonnenen Daten und für theoretische Untersuchungen eingesetzt wird.  

Für die Auswertung von Beobachtungsdaten der Radiointerferometrie mit großen Basislängen steht ein spezieller Korrelationsrechner zur Verfügung. Diese Anlage dient als Auswertezentrum für alle europäischen Radiointerferometrieexperimente

Um den astronomisch nutzbaren Wellenlängenbereich weiter auszudehnen, wurde unter der Projektführung des MPIfR zunächst ein 30-m-Radioteleskop für Beobachtungen im mm-Wellenlängenbereich in 2870 m Höhe auf dem Pico Veleta in der Sierra Nevada in Südspanien errichtet. Es kann bis zu einer kürzesten Wellenlänge von 0,87 mm genutzt werden. Dieses Teleskop wurde nach seiner Fertigstellung 1985 an ein neugegründetes französisch-deutsch-spanisches Institut für Radio-Astronomie im Millimeterwellenlängenbereich (IRAM), das seinen Sitz in Grenoble hat, übergeben. 

Im Institut entwickelte Empfangssysteme für den submm-Wellenlängenbereich wurden bereits über längere Zeit hinweg an auswärtigen optischen Teleskopen und in fliegenden Observatorien eingesetzt. 

Am 18. September 1993 wurde ein spezielles 10-m-Submillimeterteleskop auf dem 3200 m hohen Mt. Graham in Arizona eingeweiht und zu Ehren des Entdeckers der Radiowellen Heinrich-Hertz-Teleskop getauft.

APEX (das Atacama Pathfinder Experiment), ein 12-m-Submillimeterteleskop, wurde in 5000 m Höhe auf dem Chajnantor-Plateau in der chilenischen Atacama-Wüste errichtet. Es wird gemeinsam mit dem Onsala Space Observatory, Schweden, und der Europäischen Südsternwarte ESO betrieben. APEX ist bis zu kürzesten Wellenlängen von unter 0,3 mm (Submm- und Terahertz-Bereich) einsetzbar. 

Insgesamt stehen damit den Wissenschaftlern am MPIfR Beobachtungsgeräte im gesamten vom Erdboden aus zugänglichen Radiowellenlängenbereich zur Verfügung. 



1.


Die astronomischen Arbeitsgebiete des Instituts umfassen sehr viele für die beobachtende Astronomie erschließbare Fragestellungen. Um nur die Wichtigsten zu nennen:

  • Untersuchung der frühen Entwicklungsphasen des Weltalls, z.B. mit Hilfe von Gravitationslinsen.
  • Untersuchung der Kerne von Radiogalaxien und Quasaren (scheinbar sternförmige, aber in Wirklichkeit extrem weit entfernte Objekte mit riesiger Energieausstrahlung), speziell mit Hilfe der hochauflösenden Interferometrie mit großen Basislängen (VLBI). Beispiele hierfür sind die Radiogalaxie Cygnus A oder, mit Weltraum-VLBI, der weit entfernte Quasar 0836+71.
  • Beobachtung der Kontinuum- und Linienstrahlung unserer Milchstraße zur Erforschung ihrer Struktur, ihres physikalischen Zustands sowie ihrer chemischen Zusammensetzung und der Entwicklung der interstellaren Materie.
  • Untersuchungen an Kometen und Asteroiden.

Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie hat gegenwärtig 190 Mitarbeiter, davon 60 Wissenschaftler, und dazu 30 wissenschaftliche Gäste und Stipendiaten.

Das Direktoren-Kollegium besteht aus Prof. Dr. Michael Kramer, Hon.-Prof. Dr. Karl M. Menten, Prof. Dr. Gerd Weigelt und Hon.-Prof. Dr. Anton Zensus.



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