Um das Auflösungsvermögen von Radioteleskopen
zu erhöhen (um also noch von weit entfernten Himmelskörpern
möglichst viele Details sichtbar zu machen), muss man die Grösse
der Antenne immer mehr steigern. Es ist klar, dass dies nicht unbegrenzt machbar ist;
vollbewegliche Radioteleskope sind aus technischen Gründen kaum grösser
als das Effelsberger 100-Meter-Teleskop.
Aus diesem Grunde begannen schon Anfang der
50er Jahre die ersten Wissenschaftler mit der Entwicklung der
Radio-Interferometrie. Ein Radiointerferometer ist ein System,
das die von zwei Radioteleskopen empfangenen
Signale von einer Radioquelle kombiniert; dadurch wird das
Auflösungsvermögen immer weiter verbessert:
Es entsteht ein imaginäres
Teleskop, dessen Reflektordurchmesser dem Abstand zwischen
den Teleskopen entspricht.
Anfangs wurden zwei nebeneinanderstehende Teleskope
durch Kabel miteinander verbunden.
(Zuvor gab auch es ein Projekt in Australien mit einem
an der Küste stehenden Radioteleskop bei dessen Messungen das Wasser
als zusätzliche Reflektionsfläche genutzt wurde.)
Schon bald wurden nicht nur zwei, sondern immer mehr
Teleskope miteinander verbunden, um so immer höhere
Auflösungsvermögen
und verbesserte Bildqualitäten zu erreichen.
Dieses Prinzip nennt man Lokal-Interferometrie.
Hierbei entspricht der Abstand
zwischen den am weitesten auseinanderliegenden Radioteleskopen dem Durchmesser der
virtuellen Teleskopes; dieser Abstand bestimmt also die
Trennschärfe des Interferometers. Die zusätzlichen Antennen sorgen für
eine höhere Empfindlichkeit und eine bessere Bildqualität
der Beobachtungen.
Ein Beispiel für ein solches Lokal-Interferometer
ist das VLA in New Mexico (maximaler Teleskopabstand 36 km), sowie
MERLIN in Großbritanien (maximaler Abstand der Teleskope 217 km).
Schließlich konnte mit der Erfindung einer höchstgenauen
Atomuhr (Maser), deren Abweichung nur wenigen Mikrosekunden im Monat beträgt,
in den 60er Jahren ein noch grösseres Interferometer (weltweites
VLBI-Netzwerk) realisiert werden. Das
Prinzip war nicht mehr die direkte Verbindung zwischen den einzelnen
Teleskopen, sondern die exakt zeitgleiche Aufzeichnung der Daten an jedem
Einzelteleskop, die später
miteinander kombiniert wurden.
(Bilder aus: The early years of RADIO ASTRONOMY , Cambridge
University Press)