Typische Lokal-Interferometer sind das
VLA in Amerika (bekannt u.a. durch den Film Contact) und MERLIN in England.
VLA (Very Large Array)
Das
VLA in der Ebene von San Agustin (ca. 80 km westlich von Soccoro, New Mexico, USA) besteht
aus 27 Radioteleskopen von je 25 m Durchmesser,
die eine "Y"-förmige Anordnung aufweisen.
Die Teleskope haben einen Abstand von maximal 36 Kilometern.
Der Bau des VLA dauerte von April 1973 bis 1980; ein
Jahr weniger als geplant.
Das VLA kann eine bestmögliche Auflösung
von 0,04 Bogensekunden erreichen.
MERLIN (Multi-Element Radio Linked Interferometer Network)
MERLIN
besteht aus sechs in Großbritannien verteilten Radioteleskopen,
die in Cambridge, Knockin, Defford, Chibolton und
in Jodrell Bank (zwei Teleskope) stehen. Die Durchmesser der Teleskope liegen
zwischen 25 und 76 Metern.
MERLIN kann eine Auflösung von bis zu 50 Millibogensekunden erreichen.
Die aufgefangenen Signale werden jedoch nicht wie beim VLA über Kabel,
sondern wegen der teilweise größeren Abstände durch Funk
übertragen.
EVN (European VLBI Network)
Das EVN besteht seit 1980 und ist ein Netz aus über
ganz Europa verteilten Radioteleskopen.
Zum EVN gehören aber auch zwei chinesische Radioteleskope
in Urumqi und Shanghai. Dies hat den Vorteil, dass
das EVN eine hohe Auflösung erreichen kann (0,6 Millibogensekunden).
Der kürzeste Abstand zweier Radioteleskope
beträgt 198 km, der längste 9169 km. Drei bis vier mal im Jahr
werden längere Beobachtungskampagnen im Rahmen des EVN durchgeführt.
Dieses Beispiel einer Radiogalaxie (3C264) zeigt die wesentlichen Unterschiede zwischen den oben beschriebenen Interferometern bezüglich des Auflösungsvermögens:
Die Abbildung zeigt, von links nach rechts betrachtet,
immer kleinere Regionen im Zentrum dieser Radiogalaxie.
Das VLA erreicht mit seinem Maximalabstand von 36 km
ein Auflösungsvermögen von 1,5 Bogensekunden, bei einer Wellenlänge
von 18 cm. MERLIN mit 217 km maximaler Basislinie erreicht eine etwa
zehn mal so hohe Trennschärfe (0,15 Bogensekunden). Bei der EVN-Messung
wurden 11 Antennen, darunter auch die beiden Teleskope in China, verwendet
und ein Auflösungsvermögen von 0,008 Bogensekunden erreicht.
VLBA (Very Long Baseline Array)
Das VLBA ist ein System aus 10 baugleichen Radioteleskopen,
deren größte Distanz 8.600 Kilometer (5000 Meilen) bertägt.
Die Konstruktion der Teleskope begann im Febuar 1987. Am 29. Mai 1993 konnten
alle 10 Stationen in Betrieb genommen werden.
Auch hier war das Ziel, eine höhere Auflösung
zu erreichen. Die höchstmögliche Auflösung des VLBA liegt
bei einer Milli-Bogensekunde (1/1000stel Bogensekunde).
Damit wäre es im Prinzip möglich, in Los Angeles zu stehen
und von dort aus eine Zeitung in New York zu lesen.
VSOP (VLBI Space Observatory Programme)
Ein Nachfolgeprojekt, VSOP-2, ist in Planung.
Durch
den am 12. Febuar 1997 aus Kagoshima, Japan in den Weltall geschossenen
Satelliten HALCA wurde das VLBI-Netz in den Jahren 1997-2005 noch erweitert.
HALCA besitzt einen
Spiegel von acht Metern Durchmesser. Der Satellit bewegt sich
ellipsenförmig um die Erde, so dass sein geringster Abstand 560 km
und sein weitester Abstand 21000 km beträgt. Wird HALCA an das
VLBI-Netz angeschlossen, so wird eine Antenne simuliert,
deren Durchmesser das dreifache des auf der Erde maximal möglichen
Durchmessers beträgt.
(Bilder: MPIfR, NRAO)