3.1) Optische und Nahinfrarot-Interferometer
    3.2) Radio-Interferometer
4) Beispiele für beobachtete Objekte    4.1) Alte Sterne
    4.2) Junge Sterne (bzw. Nebel mit jungen Sternen)
    4.3) Aktive Galaxien
Abb. 1: Künstlerische Darstellung des Staubrings um
einen massereichen Stern.
Bild: Pressemeldung MPIfR vom 27. Mai 2008.
Ein astronomisches Objekt strahlt Licht im Infraroten aus, welches die Teleskope aufnehmen. Nach der Datenauswertung erhält man Bilder, die den Infrarot-Thermographien der Bauunternehmen ähnlich sind, mit dem Unterschied natürlich, dass sie keine Häuser, sondern astronomische Objekte zeigen.
Abb. 2: Links: Infrarotthermographie eines Kaffeebechers;
Rechts: Der Doppelstern Capella aus dem
Sternbild
Fuhrmann im infraroten Licht.
Bilder:
Wikipedia (links);
MPIfR (rechts).
Abb. 3: Erdatmosphäre
aus dem All betrachtet
Bild: NASA/JPL.
Doch dem kann man abhelfen. Je kürzer der Weg der Strahlen durch die Atmosphäre ist, umso weniger Strahlen werden absorbiert. Also muss man diese Strahlen weiter oben aufnehmen. Teleskope werden auf Berggipfeln gebaut, wo sie näher an den oberen Schichten der Atmosphäre liegen und wo es trocken ist. Der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre ist dort geringer und es kann auch noch Strahlung aufgenommen werden, die in geringeren Höhen komplett absorbiert (verschluckt) wird. Die Teleskope werden zusammengeschaltet und ihre Aufzeichnungen überlagert. Dadurch, dass nicht überall die gleichen Strahlen absorbiert werden, lassen sich durch Interferometrie-Beobachtungen mit verschiedenen Teleskopen auch atmosphärische Effekte korrigieren.
Eine Korrektur atmosphärischer Effekte ist auch dann möglich, wenn nur ein einziges Teleskop als Interferometer eingesetzt wird. Die Speckle-Interferometrie ist ein Verfahren, bei dem die durch die Turbulenz der Erdatmosphäre verursachten Verformung von Wellenfronten, die uns von einem Stern erreichen, dazu führen, dass uns ein eigentlich punktförmiger Stern als verwaschenes diffuses Fleckchen (Speckle) erscheint, das auf dem Monitor hin und hertanzt (siehe Abb. 4 links). Das Zielobjekt, welches durch die Unruhe in der Atmosphäre derart hin- und herflackert, wird nun mehrere Male von ein und dem selben Teleskop "fotographiert". Aus den Kurzzeitbelichtungen werden alle bildverschlechternde Einflüsse herausgefiltert, die Bilder werden überlagert und damit ein scharfes Bild erzeugt.
Abb. 4:
Links: 380 Kurzzeitbelichtungen mit den typischen "speckles"
(englisch für "Fleckchen"); Rechts: Rekonstruktion bzw.
Überlagerung, aufgebaut aus den Einzelbildern.
Bilder:
MPIfR, Forschungsgruppe Infrarot-Interferometrie.
Die Überlagerung der eingehenden Signale in Echtzeit ist ein
Merkmal der optischen und
Infrarot-Interferometrie, während die
Überlagerung der Signale mittels
Korrelatoren in der Radioastronomie
also bei Beobachtungen von Objekten im Radiowellenbereich mit Teleskopen
in großem Abstand voneinander zum Zuge kommt.
Die Gruppe Infrarot-Interferometrie
führt in regelmäßigen Abständen
speckle-interferometrische Messungen mit ihrem eigenen Kamera-System an
großen
optischen Teleskopen rund um den Globus aus.
Neben den 3,6m- und
3,5m-Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO)
auf dem
La Silla
in Chile
und dem
"Multiple-Mirror-Telescope"
(MMT) in Arizona ist dabei bisher vor
allem das
russische 6m-Teleskop am
Selentschuk-Observatorium
zum Einsatz gekommen
(s.
Photo).
Abb. 5: Das 6m-Teleskop des Selentschuk-Observatoriums
in Russland.
Das VLT (Very Large
Telescope) ist Teil des
Paranal-Observatoriums in Chile
und zählt zu den derzeit besten Teleskopen bei optischen
und nahinfraroten (NIR-) Wellenlängen. Es besteht
aus 4 Einzelteleskopen,
deren Spiegel zusammen geschaltet werden können und so
ein astronomisches Großteleskop bilden.
Die vier großen
Teleskope oder UTs haben je 8,20m Spiegeldurchmesser. Dazu kommen noch
4 Hilfsteleskope (ATs) von je 1,80m
Spiegeldurchmesser. Bis zu 3 von den UTs oder den ATs können derzeit
zusammengeschaltet werden. Wie beim VLA (s.u.) können die ATs auf Schienen
verschoben werden. Der dadurch größtmöglichste Abstand, den
zwei von ihnen einnehmen können, beträgt 200 Meter.
Abb. 6:
Links: der Interferometrie-Empfänger AMBER
(Astronomical Multi-BEam combineR);
Rechts: Cerro Paranal mit 3 Kuppeln der 1,80m-ATs im Vordergrund und
2 große Kuppeln der 8,20m-UTs im Hintergrund.
Das LBT
(Large Binocular Telescope) ist ein Teleskop mit zwei 8,40 Meter
großen
Spiegeln, das in 3267 Metern Höhe auf dem Mount Graham in Arizona gebaut
wird. Die Sternwarte wurde in Zusammenarbeit von den USA, Deutschland und
Italien errichtet. Erste Messungen mit Einzelspiegeln sind bereits erfolgt,
die Interferometrieinstrumente der ersten Generation werden voraussichtlich
2011 einsatzbereit sein. Es ist ein Teleskop mit Zwillingsspiegeln, welche eine
gemeinsame Montierung haben. In seiner
Bauweise ist es das weltgrößte optische Teleskop.
Abb.7:
Das "Large Binocular Telescope" (LBT) mit zunächst einem montierten
Spiegel
Abb. 8:
Very Large Array in New Mexico.
Abb. 9:
Links: Radioteleskop Effelsberg;
Rechts:
Green-Bank-Telescope - die beiden größten vollbeweglichen
Radioteleskope der Erde.
Eta Carinae ist ein
Stern des Sternbildes "Schiffskiel"
(Carina) und gehört zu den leuchtkräftigen
blauen Veränderlichen. Dieser Hyperriese hat eine Masse
von 100 bis 150 Sonnenmassen und strahlt
mit etwa der vier- bis fünfmillionenfachen Leuchtkraft der Sonne.
Der Stern liegt
in etwa 7.000 bis 10.000 Lichtjahren Entfernung innerhalb des
offenen
Sternhaufens Tr16, welcher in einem riesigen Nebelkomplex liegt, dem
Carinanebel NGC 3372.
Eta Carinae ist einer der leuchtkräftigsten und massereichsten bekannten
Sterne.
Abb. 10:
Links: Photo von Eta Carinae im Homunkulusnebel;
Rechts: Speckle-Interferometrische Aufnahme von Eta Carinae bei 830 nm
Wellenlänge.
Der Stern IRC+10216
(CW Leonis) ist ein Roter Riese im Sternbild "Löwe"
mit einer restlichen Lebensdauer von nur noch ca. 10.000 bis 30.000 Jahren,
bis er zum Ende der "Rote-Riesen-Phase" seine äussere Hülle
abstoßen und in einen Weißen Zwerg übergehen wird.
Er liefert den bisher besten Hinweis
für Wasser in fremden Welten. Der sterbende Stern setzt in seinen letzten
Lebensjahren Unmengen an Wasserdampf frei. Außerdem lässt er die
vielen Kometen, die am Roten Riesen vorbei wandern, schmelzen. Und da Kometen
aus Eis bestehen, ist in der Umgebung des Roten Riesen ziemlich viel Wasser.
In der interferometrischen Aufnahme wird im wesentlichen die dichte
Staubhülle um den Stern detektiert.
Abb. 11:
Links: Künstlerische Darstellung von IRC+10216 (CW Leonis)
als Roter Riese, umgeben von Wasser und
Gestein;
Rechts: IRC+10216 als IR-Interferometrie-Aufzeichnung.
R Cas ist ein Roter Riesenstern im Sternbild "Cassiopeia". Er ist ca. 350
Lichtjahre von der Erde entfernt. Er gehört zu den veränderlichen
Sternen und leuchtet somit mal stärker, mal schwächer.
Abb.12:
Speckle-Aufzeichnung des veränderlichen Sterns R Cas.
NGC 3603 (NGC = New General
Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars) ist ein Emissionsnebel im
Sternbild "Schiffskiel"
(Carina) und 20.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Er ist ein
offener Sternhaufen mit einer der größten bekannten Häufungen
von sehr massereichen heißen Riesensternen, sogenannten
Wolf-Rayet-Sternen, in unserer Milchstraße. Wegen ihrer
großen Masse haben sie sich in diesem noch sehr jungen Haufen
bereits zu einer späten Phase ihres "Lebens" hin entwickelt.
NGC 3603 zeigt außerdem ein
sehr aktives H-II-Gebiet
mit vielen, nur etwa 2 Millionen Jahre alten Sternen. Zum Vergleich: unsere Sonne
ist ungefähr 4,6 Milliarden Jahre alt.
Abb.13:
Links: Emissionsnebel NGC 3603 aufgenommen mit dem
Hubble-Space-Telescope;
Rechts: Zentraler Bereich von NGC 3603 nach einer Speckle-Rekonstruktion.
Theta Orionis
ist ein optischer
Mehrfachstern im Orionnebel (M42) und wird auch das "Trapez"
genannt. Das Trapez besteht aus vier Sternen, die jeweils Mehrfachsterne
sind. Es sind die zentralen Sterne eines sehr dichten offenen Sternhaufens
(Orion-Trapezium-Haufen), mit einem Durchmesser von ungefähr 1,5
Lichtjahren im Zentrum des Nebels. Von mehreren der Trapez-Sterne gibt es
speckle-interferometrische
Abbildungen in sehr hoher Auflösung.
Abb. 14:
Links: Orionnebel (M42) mit dem Trapez-Sternhaufen (Theta Orionis);
Rechts: Speckle-Aufzeichnung von Theta 1c Ori.
R136 befindet sich im Tarantelnebel, einem
riesenhaften Sternentstehungsgebiet in der Großen
Magellanischen
Wolke, einer Begleitgalaxie unserer Milchstraße in ca. 160.000
Lichtjahren Entfernung. Er besteht
aus massereichen Sternen, die den Nebel durch ihre Strahlung optisch zum
Leuchten bringen. Einige dieser extrem massereichen Sterne gehören
ebenfalls zum Typ
Wolf-Rayet-Stern und befinden sich bereits in einer späten
Phase ihrer Entwicklung.
Abb.15:
Links: R136, zentraler Sternhaufen im
Tarantel-Nebel in
der Großen
Magellanischen Wolke;
Rechts: Speckle-Rekonstruktion von R136.
NGC 7469 liegt im Sternbild
"Pegasus" und gehört zu den Seyfert-I-Galaxien. In
ihrem Zentrum ist ein Schwarzes Loch mit
ungefähr 107 Sonnenmassen. Diese Galaxie ist
ca. 200 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Abb. 16:
Links: NGC 7469 vom Hubble-Teleskop aufgenommen;
Rechts: Speckle-Aufnahme des Zentrums von NGC 7469 bei sehr hoher
Auflösung.
M77
(Messier 77, auch: NGC 1068) ist
eine der größten Galaxien in Messiers Katalog. Ihr Kern hat einen
ungefähren Durchmesser von 120.000 Lichtjahren und sie ist ca. 30 Millionen
Lichtjahre von der Erde entfernt. M77 ist eine aktive Galaxie vom Typ Seyfert-II, in der
sich riesige Gaswolken mit einer Geschwindigkeit von einigen 100 km/s vom
Zentrum nach außen hin bewegen. Ihr Kern ist eine starke Radioquelle. Die
Galaxie wurde auch bereits vom
Hubble-Teleskop näher untersucht.
Abb.17:
Links: M77 deutlich als Spirale zu erkennen;
Rechts: Innerster Kernbereich der Galaxie M77 als Speckle-Bild.
Quellen: Max-Planck-Institut für
Radioastronomie
3.1)
Optische und Nahinfrarot-Interferometer
Bild: MPIfR.
Ein Instrument zur interferometrischen Überlagerung der Signale dreier
VLTI-Teleskope, das sich innerhalb dieses Observatoriums befindet,
ist AMBER (Abb. 6), mit welchem
das Infrarot-Licht in einzelne
Wellenlängen zerlegt werden kann.
Ein weiteres Instrument am VLTI zur interferometrischen Überlagerung
der Signale einzelner Teleskope im mittelinfraroten Bereich ist
MIDI,
das "MID-infrared Interferometric instrument" für den
Wellenlängenbereich von 8 bis 13 Mikrometern.
Bilder:
amber.obs.ujf-grenoble (links);
Wikipedia (rechts).
Das Doppelteleskop sammelt genau so viel Licht wie ein
11,8-Meter-Spiegelteleskop und würde sogar eine Kerze in 2,5 Millionen km
Entfernung (7-fache Monddistanz) feststellen können. Mit Hilfe der
Interferometrie kann seine Auflösung auf die eines 22,8-Meter-Spiegels
gesteigert werden.
Wenn das Licht eines Zentralsterns interferometrisch ausgeblendet wird,
können eventuell
vorhandene Planeten um einen Stern sichtbar gemacht werden ( Nulling-Interferometrie).
Durch seine große Lichtsammelfläche und sein großes
Bildfeld wird das LBT außerdem in der Lage sein, scharfe Bilder
von fernen Galaxien zu machen.
Bild: Pressemeldung
MPIfR vom 26. Oktober 2005 anlässlich einer Testmessung
von NGC 891.
3.2)
Radio-Interferometer
Das VLA (Very Large
Array) ist ein Radiointerferometer und
besteht aus 27 einzelnen Teleskopen.
Man kann die Teleskope auf
Schienen, die im 120 Grad-Winkel zueinander stehen, verschieben. Es ist das zur
Zeit empfindlichste Radiointerferometer für den Zentimeterwellenbereich
und arbeitet bei Wellenlängen von 0,7 - 400 cm (entspricht einer Frequenz zwischen 43 und 0,075 GHz).
Bild:
Wikipedia.
Eine weitere Möglichkeit, um Interferometrie im Radiobereich mit extrem
großen Abständen (Basislinien) zwischen den Teleskopen
zu betreiben, ist VLBI
(Very Long Baseline Interferometry). Sie zeigt gegenüber den anderen
Interferometern eine sehr hohe räumliche Auflösung oder Trennschärfe, ist allerdings
auf Objekte mit heller Radioemission beschränkt.
Das VLBI ist kein Observatorium oder ein Teleskop. VLBI ist ein Verfahren,
bei der
Teleskope der ganzen Welt beteiligt sind. Dabei beobachten mehrere Teleskope,
die sehr weit voneinander entfernt sind, zur gleichen Zeit die gleiche Quelle
am Himmel und erreichen damit eine Auflösung, die einem virtuellen
Radioteleskop mit einem Durchmesser
bis zu Erdgröße entspricht. Zum Beispiel wird das
100-Meter-Radioteleskop
in Effelsberg im Rahmen von VLBI mit dem Green-Bank-Observatorium
in Virginia und noch weiteren Teleskopen zusammmengeschaltet.
Atomuhren setzen sehr genaue Zeitmarkierungen auf die
Aufzeichnungen, so dass die Signale später im Rechner miteinander
kombiniert werden können.
Bilder:
MPIfR
(links);
Wikipedia
(rechts).
4) Beispiele für beobachtete Objekte
4.1) Alte Sterne
Bilder:
Wikipedia (links);
MPIfR (rechts).
Bilder:
Pressemitteilung
SWAS vom 16. Juli 2001 (in Englisch),
Spiegel-Artikel (auf Deutsch);
(links);
MPIfR (rechts).
Bild: MPIfR.
4.2) Junge
Sterne (bzw. Nebel mit jungen Sternen)
Bilder:
Wikipedia (links);
MPIfR (rechts).
Bilder:
Astronomy Picture of the
Day vom 10. Juli 2005 (links);
MPIfR (rechts).
Bilder:
Wikipedia (links);
MPIfR (rechts).
4.3) Aktive Galaxien
Bilder:
Wikipedia (links);
MPIfR (rechts).
Bilder:
cosmotography
(links);
MPIfR (rechts).
Forschungsgruppe:
Infrarot-Astronomie
Wikipedia