Radioteleskope für Wellenlängen vom Zentimeter- bis zum
Submillimeterbereich
Radioastronomie
Die Radioastronomie ist ein Teilgebiet der Astronomie, bei der
astronomische Objekte mittels der Radiowellen, die von ihnen ausgesendet
werden, beobachtet und untersucht werden. Der Radiowellenbereich
umfasst einen sehr großen Teil des elektromagnetischen Spektrums.
Er bildet sozusagen das "schwache" Ende mit großen
Wellenlängen und niedrigen Frequenzen von wenigen Hertz bis
über ein Terahertz (1THz=1012Hz). Ein großer Vorteil der
astronomischen Beobachtung bei diesen Wellenlängen ist, dass im
Gegensatz zum sichtbaren Licht und vielen anderen Strahlungsarten,
diese größtenteils nicht von den interstellaren Staub- und
Nebelwolken, sowie unserer Atmosphäre absorbiert werden. Deswegen
kann man über Radiowellen Bereiche sehen, die z.B. für
optische Beobachtungen verschlossen bleiben, und bis weit zurück
ins frühe Universum. Somit bilden die Radiowellen eines der
wenigen Fenster, durch das wir das gesamte Universum vom Boden aus
erforschen können.
Von Effelsberg nach Chile
- Das 100m-Radioteleskop in Effelsberg :
Um die Radiostrahlung "sichtbar" zu machen, benutzen die Astronomen
Radioteleskope. Das sind Messgeräte, die mit ihren parabolisch
geformten Metallflächen als Hohlspiegel die Radiowellen ablenken
und in dem Focus der Antenne sammeln, um sie dann per Computer
auszuwerten. Weltweit gibt es viel solcher Radioteleskope, wobei man
zwischen den beweglichen, z.B. Parkes Radio Telescope in Australien mit
einem Durchmesser von 64 m, das Lovell Telescope in England mit einem
Durchmesser von 76,2m oder das Robert C. Byrd Green Green Bank Telescope
in den USA, und den unbeweglichen, z.B. das größte
Radioteleskop der Welt, das Arecibo Observatorium, unterscheidet. Das
Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn betreut das
100m-Radioteleskop in Effelsberg, das zweitgrößte bewegliche
Radioteleskop der Welt. Es kann Strahlung von 21cm bis zu 7mm (bei
geeignetem Wetter sogar 3mm) auffangen und kann sich dabei in alle
Richtungen drehen. Damit kann man viele astronomische Objekte, wie z.B.
die Sonne, Supernovae und
Supernova-Überreste,
Pulsare, Interstellare
Wolken, das galaktische Zentrum, Radiogalaxien und Quasare,
beobachten.
- ALMA :
Leider kann dieses Teleskop, wie die meisten anderen hauptsächlich
nur im Zentimeterbereich arbeiten, doch viele Objekte und Vorgänge
im Universum, die ebenfalls von großem Interesse sind, z.B. die
Sternentstehung, emittieren lediglich Strahlung im Submillimeter
Bereich, der Wellenlängen von ca. 0,1mm bis 1mm umfasst. Das ist
der Grund, warum die Europäische Organisation für Astronomie
(ESO) schon 1991 mit der ersten Denkarbeit an ihrem neusten
Großprojekt, ALMA (Atacama Large Millimeter Array), begonnen hat.
Bei diesem Vorhaben handelt es sich um eine Anordnung von 64
verschiebbaren, hochpräzisen Radioantennen. Besonders schwierig bei
diesem Projekt war die Frage nach dem idealen Standort, denn von Orten,
wie z.B. Effelsberg ist es unmöglich Submillimeter-Strahlung zu
empfangen. Das liegt zum größten Teil am Wasserdampf in der
Atmosphäre. In Effelsberg beträgt dieser selbst bei gutem
Wetter kaum unter 15 mm pwv. "pwv" ist die Abkürzung für
"precipitable water vapour", was soviel wie "Niederschlagswasser"
heißt. Das bedeutet, dass, wenn man das gesamte Wasser der
Atmosphäre zusammennehmen würde, würde sich eine (in
diesem Falle) 15mm hohe Schicht bilden. Wie man in dem folgenden
Diagramm sieht, hat das große Auswirkungen auf die
Durchlässigkeit der Atmosphäre, denn in Effelsberg dringt die
Submillimeterstrahlung fast gar nicht bis zum Boden durch.
Diagramm 1: "Durchlässigkeit der Atmosphäre über
Effelsberg unter optimalen Wetterbedingungen" (Alan Roy priv. comm.)
In sehr trockenen, hoch gelegenen Gebieten ist die Absorption aber
wesentlich niedriger. Aus diesem Grund muss ALMA auf möglichst
großer Höhe über dem Meer und in einem möglichst
trockenen Gebiet gebaut werden. Umfassende Tests haben gezeigt, dass der
Himmel über der chilenischen Atacama-Wüste und die dortigen
stabilen Wetterverhältnisse diesen Anforderungen genügen. Das
nachfolgende Diagramm zeigt, dass das die Absorption dort teilweise,
bei guter Wetterlage bei bis zu 0% liegt:
Diagramm 2: "Durchlässigkeit der Atmosphäre über dem
Hochplateau von Chajnantor" (500GHz=0,6mm; 1000GHz=0,3mm; 1500GHz=0,2mm)
(Peter Schilke priv. comm.)
Aus diesem Grund folgte der Entscheid, ALMA auf 5000 Metern Höhe
über dem Meer , 50 km östlich von San Pedro de Atacama auf dem
Hochplateau von Chajnantor zu bauen. Außerdem eröffnet sich
so die Möglichkeit, die, in diesem Wellenlängenbereich bisher
nur spärlich erforschte, südliche Hemisphäre zu
beobachten.
- APEX :
ALMA soll 2011 fertiggestellt werden, aber schon jetzt dient ein
einzelnes Teleskop als "Pionier". APEX (Atacama Pathfinder Experiment)
ist, abgesehen von ein paar kleinen Änderungen, ähnlich
konstruiert wie eine der ALMA Antennen und wurde geplant und gebaut von
einem internationalem Zusammenschluss, der von der Gruppe für
Millimeter und Submillimeter Astronomie am MPIfR geleitet wird. Das
Teleskop soll nun vor allem als "Pfadfinder" operieren, indem es
großflächige Beobachtungen als Grundlage für später
folgende ALMA-Studien durchführt, aber auch schon laufende
astronomische Projekte weiterführen und den südlichen Himmel
bei Submillimeter-Wellenlänge erforschen.
Besonderes Interesse gilt dabei der Sternentstehung im frühen
Universum. Dabei soll endlich etwas mehr Licht in das "dunkle
Zeitalter", wo vermutlich die ersten Sterne und schwarze Löcher
entstanden, gebracht werden. Kein optisches Teleskop kann diese
frühsten Sternentstehungsgebiete sehen, aber, da sich dort nicht
nur Sterne befanden, sondern auch Staub, von den Wolken, aus denen die
Sterne entstanden und dieser sich durch bereits gebildeten Sternen
aufwärmte, wird von diesen Gebieten auch Strahlung im
Infrarot-Bereich emittiert. Sie waren allerdings so weit von uns
entfernt, dass die Wellenlängen sich durch die Rotverschiebung
dermaßen stark vergrößert haben, dass die Strahlung
hier im Submillimeterbereich ankommen und APEX ist in der Lage diese
aufzufangen. Dadurch wird es möglich sein viele neue Erkenntnisse
über die Geschichte der Sternentstehung zu gewinnen und deutliche
Fortschritte in ihrem Verständnis zu machen. Aber auch in unserer
eigenen Galaxie wollen die Wissenschaftler nach "Baby-Sternen", den
sogenannten Protosternen, suchen. Protosterne sind eigentlich noch keine
richtigen Sterne, da in ihrem Innern noch keine Kernfusion stattfindet,
sonder nur starke Verdichtungen in interstellaren Wolken, die
später einmal Sterne werden. Bessere Kenntnisse diese Strukturen
sind sehr wichtig für das Verständnis der Sternbildung. APEX
wird auch dort vieles zur Aufklärung des Pha&nomens beitragen,
da es die Spektrallinien von diesen Verdichtungen auffangen kann. Aber
nicht nur die einzelne Sternbildung, sondern die ganze Struktur
(-Bildung) des Universums zu verstehen ist das Ziel der
Wissenschaftler. Deswegen wollen sie die größten
zusammenfallenden Strukturen im Universum beobachten: Die
Galaxienhaufen. Zu diesem Zweck bedienen sie sich des
"Sunyaev-Zel`dorich-Effekts". Das ist ein Effekt der durch die
Hintergrundstrahlung im Universum auftritt. Galaxienhaufen sind
n&aumml;lich von riesigen Staubhüllen umgeben, an denen die
Photonen der Hintergrundstrahlung gestreut werden. So treten gewisse
Unregelmäßigkeiten auf, die man mit APEX messen kann.
Des weiteren gibt es auch noch andere Objekte, denen Spezielle
Aufmerksamkeit gewidmet wird, z.B. dem galaktischen Zentrum, das man in
diesem Wellenlängenbereich auch durch die galaktische Scheibe
hindurch gut beobachten kann. Zudem hat APEX für diese Beobachtung
eine ideale Lage, da der Mittelpunkt unserer Milchstraße sich fast
direkt über der Atacama Wüste befindet. Andere Objekte von
besonderen Interesse sind auch Centaurus A, die nächste Galaxie
mit einem aktiven Kern, und die Magellansche Wolken, die "direkt neben"
uns liegen und ein ideales Testobjekt für die Ideen über die
Entstehung und Entwicklung von Sternen und Galaxien abgeben, da sie
sich noch in einer sehr frühen Evolutionsphase befinden.
Um diese Ziele zu erreichen, ist APEX bestens ausgerüstet. Wie
ich oben schon erwähnt habe, ist das Teleskop im Grunde eine Kopie
der ALMA Prototyp Antennen, aber für den Einzelbetrieb wurden ein
paar Abwandlungen vorgenommen. Es wurde z.B. ein "Nasmyth Optik" -System
integriert, um atmosphärische Turbulenzen, die die Bilder verzerren
könnten auszugleichen. Auch die Oberflächengenauigkeit wurde
verbessert und liegt jetzt bei über 0,018mm. Damit kann es sogar
bei Windstärken von 9 m/s noch präzise Beobachtungen
anstellen. Außerdem sollen zwei Bolometer - Arrays angebracht
werden. Bolometer sind für Submillimeter Wellenlängen die
empfindlichsten Detektoren, die es gibt, wenn es darum geht, mehr als
nur ein sehr schmales Band aufzufangen. Sie arbeiten allerdings mit
winzigen Temperaturschwankungen, hervorgerufen durch die einfallende
Strahlung, und müssen dementsprechend auf unwahrscheinlich niedrige
Temperaturen, bis kurz über dem absoluten Nullpunkt gekühlt
werden. Bei APEX soll LABOCA (Large Bolometer Camera), ein
Bolometer-Array mit 295 Pixel für eine Wellenlänge von 0,87,
installiert werden, das ideal dafür geeignet ist, nach stark ins
Rote verschobene Staub Emissionen zu suchen, und ein Bolometer- Array
mit 37 Pixel für 0,35mm, der z.B. dafür verwendet werden kann
eine bessere Winkelauflösung zu erreichen. Beide werden von der
Bolometer Gruppe am MPIfR, die ebenfalls zu der Gruppe für
Millimeter und Submillimeter Astronomie gehört, konstruiert.