Dr. Stefan Kraus
Noch schärfer als Hubble: Vom frühen und späten Leben der Sterne
Auch Sterne durchlaufen einen Lebenszyklus und sind ständiger Veränderung unterworfen: Sie werden aus kontrahierenden Staubwolken geboren, wachsen langsam durch weiteren Materiezustrom von einer umgebenden Scheibe, fangen an zu leuchten und verbrauchen ihren Brennstoff, um schließlich als Weißer Zwerg oder in einer Supernova-Explosion zu enden.
Allerdings geben insbesondere die "frühe Kindheit" und das "Greisenalter" der Sterne den Astronomen noch viele Rätsel auf. In diesen wichtigen Entwicklungsstadien wechselwirken die Sterne stark mit ihrer Umgebung - etwa über zirkumstellare Scheiben oder starke Sternwinde - so dass das Auflösungsvermögen selbst der größten Teleskope nicht ausreicht, um die Vorgänge in der Sternumgebung zu untersuchen.
Aus diesem Grund verwenden einige neue Instrumente, wie beispielsweise das "Very Large Telescope Interferometer" (VLTI) der Europäischen Südsternwarte, eine innovative Technik, welche die Zusammenschaltung mehrere Einzelteleskope zu einem "Interferometer" erlaubt. Hierbei wird typischerweise ein Auflösungsvermögen von einigen Milli-Bogensekunden erreicht, was fast der 50-fachen Sehschärfe des Hubble-Weltraumteleskops
oder der eines 100m-Teleskops im sichtbaren Licht entspricht.
In dem Vortrag werde ich einen Überblick über die Technik der Interferometrie geben und am Beispiel des Lebenszyklus massereicher Sterne einige Ergebnisse vorstellen, welche in der jüngsten Vergangenheit
durch Beobachtungen mit dem VLTI erzielt wurden.
Biographische Angaben:
Dr.
Stefan Kraus
hat Physik und Astronomie an der
Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg studiert.
Seine Studien an der amerikanischen
University of Massachusetts
in Amherst schloss er 2003 mit dem "Master of Science" (MSc) ab.
Im Juni 2007 promovierte er
im Rahmen der
International Max-Planck Research School for Radio
and Infrared Astronomy (IMPRS)
mit einer Arbeit über "Infrared Spectro-Interferometry of Massive Stars: Disks, Winds, Outflows, and Stellar Multiplicity" am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR). Er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der
Forschungsgruppe
Infrarot-Interferometrie am MPIfR angestellt.
public_at_mpifr-bonn.mpg.de