Prof. Dr. Wolfhard Schlosser
(Ruhr-Universität Bochum)
Die Himmelsscheibe von Nebra - ein früher Blick des
Menschen ins Universum
Im Jahr 2002 wurde in einer krimireifen Polizeiaktion im Baseler
Hilton-Hotel ein prähistorischer Fund beschlagnahmt, zu dem neben zwei
prachtvollen goldverzierten Bronzeschwertern und einigen anderen Objekten
auch die
Himmelsscheibe von Nebra gehört.
Diese durch ihre Patina tiefgrün gefärbte Bronzescheibe zeigt
Goldfiguren, in denen jeder sofort "Sonne, Mond und Sterne" sieht.
Ihr unzweifelhafter Bezug zur Astronomie machte sie zu dem
Schlüsselfund der Archäoastronomie schlechthin. Sie ist
gewissermaßen die TÜV-Plakette für andere
archäoastronomische Denkmale, deren astronomische Funktion bisher nur
indirekt erschlossen werden konnte.
Der Referent ist mit der astronomischen Analyse dieses einmaligen Funds
beauftragt und berichtet über den gegenwärtigen Kenntnisstand
zurArchäologie, Metallurgie und Astronomie der Scheibe. Obwohl die
Himmelsscheibe offensichtlich heimischen Ursprungs ist, werden kulturelle
Bezüge bis nach Griechenland in die Ägäis deutlich.
Biographische Angaben:
Prof. Dr.
Wolfhard
Schlosser, geboren 1940 in Breslau, hat von 1959 bis 1966
Physik, Astronomie und Geophysik an der
Universität Hamburg
studiert.
Von 1969 bis 2005 war er als Hauptobservator am
Astronomischen
Institut der Ruhr-Universität Bochum beschäftigt, an der
er sich im Jahr 1973 habilitiert hat.
Seine Forschungsarbeiten umfassen die
großräumige Struktur unserer Milchstraße und
benachbarter Galaxien und die Untersuchung prähistorischer
Denkmäler in Deutschland mit vermuteter astronomisch-kalendarischer
Funktion. Er war Projektleiter der GAUSS-Kamera für die
Spacelab-D2-Mission und ESA-Beauftragter für die Internationale
Raumstation ISS.
public_at_mpifr-bonn.mpg.de