F. Bertoldi, E. Kreysa, K.M. Menten
mit
C. Carilli, NRAO, Socorro/USA
Wann haben sich die Galaxien im frühen Universum
gebildet, und
wann sind in ihnen die Sterne entstanden? Dieses sind fundamentale,
offene
Fragen der Kosmologie, deren Beantwortung wir uns mit grossen Schritten
nähern.
Mit Hilfe leistungsstarker Teleskope vermögen wir
heute Galaxien
zu beobachten, deren Licht vor über 10 Milliarden Jahren
abgestrahlt
wurde, zu einer Zeit, als das Universum erst einige Milliarden Jahre
alt
war. In dieser Frühepoche unserer Welt entstanden die ersten
Galaxien
und in diesen die ersten Sterne und massereichen Schwarze Löcher.
Die hohe Galaxiendichte des noch kleinen Weltraums führte zu
häufigen
Kollisionen, durch welche kleine Galaxien zu grösseren Objekten
wuchsen.
Bei solchen Verschmelzungen und bei nahen Vorbeiflügen der
Galaxien
verursachen die Gezeitenkräfte im interstellaren Gas hohe
Verdichtungen,
und dadurch einen jeweils kurzen aber starken Anstieg der
Sternentstehungsrate.
Unklar ist, ob die meisten Sterne im Universum in solchen "Starbursts"
wechselwirkender Galaxien, oder über lange Zeiträume in
weniger
spektakulärer Weise entstanden sind.
Um die Sternentstehungsgeschichte des Universums zu
rekonstruieren,
müssen in den beobachtbaren raum-zeitlichen "Scheiben" des Kosmos
die dort vorhandenen Galaxienpopulationen repräsentativ erfasst
werden,
und zwar durch Beobachtungen in Spektralbereichen die Aufschluss
über
die instantane Sternentstehungsrate erlauben.
Neueste Beobachtungen mit
wärmestrahlungsempfindlichen Bolometer-Kameras
erlauben heute erstmalig einen ungetrübten Blick auf Starburst
Galaxien
und Quasare im frühen Universum. Die daraus gewonnenen
Erkenntnisse
revolutionieren unser Verständnis seiner
Sternentstehungsgeschichte.
Die extragalaktische Infrarot-Hintergrundstrahlung.
—
Die mit dem Hubble Space Telescope im Bereich des optischen
(0.2
µm - 1 µm) und nah-infraroten (NIR: 1 µm - 3
µm)
Lichts gewonnenen tiefen Beobachtungen zeigen ein dichtes Meer
entfernter
Galaxien. Hätten wir einen ungetrübten Blick auf die
Sternentstehungsgebiete
dieser Galaxien, dann wäre die von den kurzlebigen, massereichsten
und leuchtkräftigsten Sternen emittierte blaue und ultraviolette
Strahlung
ein gutes Mass für die dortige Sternentstehungsrate. Jedoch liegen
die intensivsten Sternentstehungsgebiete meist tief eingebettet in von
Staub verdunkelten Molekülwolken, die besonders die ultraviolette
und optische Strahlung effektiv absorbieren. Die hellsten
Sternentstehungsgebiete
bleiben uns darum in optischen Aufnahmen weitgehend verborgen.
Tiefe Kartierungen im Mittel-Infrarot (MIR: 5 µm -
15 µm)
Bereich mit dem Infrared Space Observatory (ISO), bei
Millimeter
und Submillimeter (850 µm - 1200 µm) Wellenlängen mit
der SCUBA Bolometer Kamera am James Clerk Maxwell Telescope
(JCMT)
auf Hawaii und mit dem Max-Planck Millimeter Bolometer ("MAMBO"
Abb.
1) am IRAM 30m Teleskop in Süd-Spanien zeigen ein Bild, das
sich
von den optischen Bildern wesentlich unterscheidet: weit weniger
Objekte
dominieren hier die erstmals räumlich aufgelöste
Hintergrundstrahlung,
die überwiegend von warmem Staub in entfernten Galaxien emittiert
wird. Die fern-infrarote (FIR: 30 µm - 300 µm)
Hintergrundstrahlung,
in der sich die thermische Emission warmen Staubs am deutlichsten
zeigt,
wurde erstmals 1996 in einer grossflächigen Durchmusterung des
Himmels
mit dem COBE Satelliten-Teleskop gemessen. Die nun mit weit besserer
räumlicher
Auflösung bei etwas längeren Wellenlängen produzierten
SCUBA/MAMBO
Karten zeigen, dass der von COBE nur diffus detektierte FIR Hintergrund
aus einzelnen, unaufgelösten Quellen besteht, die meist mit weit
entfernten
und optisch extrem schwachen Galaxien identifiziert werden können.
 |
Abbildung 1: Das
Max-Planck Millimeter Bolometer
"MAMBO", eine am MPIfR entwickelte 37-Element Bolometer Kamera, die
empfindlich
ist für Strahlung mit Wellenlängen zwischen 1.0 und 1.4 mm.
Der
für die Aufnahmen geöffnete Kryostat zeigt die Hörner (5
mm Durchmesser), die die einfallende Strahlung zu den auf 0.3 K
gekühlten
Halbleiterdetektoren führen. |
Wenn der FIR/mm Hintergrund von Sternentstehungsgebieten
im frühen
Universum stammt, dann ist der Energiefluss dieser Strahlung so
gewaltig,
dass sie der Entstehung eines grossen Teils aller je im Universum
entstandenen
Sterne zuzuschreiben wäre. Die FIR/mm Hintergrundstrahlung ist
somit
das Echo der Sternentstehungsgeschichte unseres Universums.
Entfernung der FIR/mm Hintergrundquellen. —
Ziel intensiver
astronomischer Beobachtungen ist es heute eine signifikante Anzahl von
FIR/mm Hintergrundquellen zu lokalisieren, um dann ihre spektralen
Eigenschaften
und Rotverschiebungen zu bestimmen. Bislang sind etwa zwei Dutzend
Hintergrundquellen
bekannt, deren Rotverschiebung, z, näherungsweise aus dem
Verhältnis
der mm zu Radio (l = 20 cm) Flüsse
abgeschätzt
werden kann, darunter 4 Quellen, deren Rotverschiebungen auch genauer
durch
spektroskopische Messungen bestimmt wurden.
Bei der Abschätzung von z aus dem
Flussverhältnis bei
1.2 mm oder 850 µm(n = 250 - 350 GHz)
und 20 cm (n = 1.4 GHz) wird ausgenutzt,
dass
das typische Spektrum einer von Sternentstehung dominierten Galaxie
einen
flachen, abfallenden Verlauf bei niedrigen Radiofrequenzen zeigt, Fnµn-0.7,
und einen steilen Anstieg bei n > 100
GHz, wo
typischerweise Fnµn3.5
(Abb. 2). Das Flussverhältnis Fn
(350 GHz)/Fn (1.4 GHz) nimmt
daher
stark mit steigender Rotverschiebung zu, und somit kann z aus
dem
gemessenen Flussverhältnis abgeschätzt werden.
 |
Abbildung 2: Spektrale
Energieverteilung einer
typischen nahen (z » 0)
Starburst
Galaxie, M82. Bei niedrigen Frequenzen dominiert die nicht-thermische
Emission
heissen, ionisierten Gases das relativ flache Spektrum, wohingegen im
mm
bis FIR-Bereich die thermische Emission des warmen Staubs ein
Schwarzkörper-ähnliches
Spektrum erzeugt. Die untere Abzisse zeigt die Frequenz des auf z
= 4.4 verschobenen Spektrums des Objekts 1335-0417. |
Obwohl diese Methode der Bestimmung von z von
der angenommenen
"typischen" spektralen Energieverteilung abhängt, erlauben die
gewonnenen
Werte eine erste Bestimmung der Entfernungsverteilung der FIR/mm
Hintergrundquellen
(Abb. 4).
Das mit abnehmender Wellenlänge steil ansteigende
Spektrum im mm
und sub-mm Bereich führt dazu, dass der bei einer Wellenlänge
gemessene Fluss eines Objekts gegebener Leuchtkraft fast
unabhängig
von seiner Entfernung ist (Abb. 3). Die Verschiebung des
thermischen
Spektrums zu längeren Wellenlängen und die damit verbundene
Erhöhung
der Flussdichte kompensiert die durch zunehmende Entfernung geometrisch
verdünnte Strahlungsintensität. Diese Eigenschaft erlaubt bei
mm und sub-mm Wellenlängen eine nahezu komplette Bestandsaufnahme
zwischen z » 1 und z »
5 aller Objekte die heller sind als das jeweils gegebene
Detektionslimit.
 |
 |
| Abbildung 3: Die Flussdichte
als Funktion der Rotverschiebung
einer Galaxie mit einer FIR Leuchtkraft vergleichbar der hellsten
Starburst
Galaxien im lokalen Universum, 2 · 1012
Sonnenleuchtkräfte.
Die einzelnen Kurven messen die Flussdichte bei verschiedenen
Wellenlängen.
Bei mm und sub-mm Wellenlängen ist der Quellenfluss fast
unabhängig
von der Rotverschiebung zwischen z »
1 und 5 (Abb. aus Hughes 2000). |
Abbildung 4: Die kumulative
Rotverschiebungs-Verteilung von
22 FIR/mm Hintergrundquellen, für die Rotverschiebungen
spektroskopisch
oder vom mm-zu-Radio Flussverhältnis abgeleitet werden
können.
Die beiden hier dargestellten Verteilungen unterscheiden sich im zur
Kalibration
gewählten Satz von Daten naher Galaxien. Der Unterschied beider
Kurven
zeigt die Unsicherheit dieser indirekten Bestimmung der Rotverschiebung. |
Unter der Annahme, dass Sternentstehung - und nicht
leuchtende Schwarze
Löcher in Aktiven Galaxienkernen (AGN) - die Emission der FIR/mm
Hintergrundquellen
dominiert, zeigt die abgeleitete Rotverschiebungsverteilung (Abb. 4),
dass die Mehrzahl der FIR/mm Hintergrundquellen bei z »
2 bis 4 liegen. Ein grosser Teil aller Sterne im Universum scheinen
somit
ca. 1 bis 3 Milliarden Jahre nach dem Urknall in Objekten entstanden zu
sein, die enorm hohe Sternentstehungsraten zeigen und damit auch sehr
massereich
sein müssen.
Die gemessene Verteilung der Rotverschiebungen dieser
hellen, massereichen
Objekte mag auch Aufschlüsse auf den Ablauf der Strukturentstehung
im Universum geben. Erstaunlicherweise stimmt die in Abbildung 5
dargestellte Verteilung sehr gut mit einfachsten analytischen
Entstehungsszenarien
von ca. 1012 Sonnenmassen grossen Objekten - also den
massereichsten
Galaxien - in einem von kalter dunkler Materie dominierten Universum
überein.
Helligkeitsverteilung der FIR/mm
Hintergrundquellen. — Abbildung
5 zeigt die Helligkeitsverteilung der bekannten FIR/mm
Hintergrundquellen.
Um eine gute Statistik auch der helleren Objekte zu erhalten,
müssen
möglichst grosse, repräsentative Himmelsabschnitte tief
kartiert
werden. Die ersten solchen "blank field surveys" wurden mit SCUBA bei
850
µm erstellt. In einer beobachteten Fläche von insgesamt ca.
100 Quadratbogenminuten wurden dadurch einige Dutzend Quellen entdeckt.
Viele der SCUBA Beobachtungen zielten auf dichte Galaxienhaufen, um die
Helligkeitsverstärkung auszunutzen, die durch den
Gravitationslinseneffekt
dieser massiven Massenhäufungen verursacht wird: die Helligkeit
von
schwachen, hinter dem Galaxienhaufen liegenden Quellen, wird
durchschnittlich
um einen Faktor 2 bis 3 verstärkt. Galaxienhaufen wirken somit wie
Lupen, die einen tieferen Blick in den schwachen FIR/mm Hintergrund
erlauben.
Für die Quellenstatistik sind die Flüsse solcher Quellen
allerdings
unsicher, da der Linsenverstärkungsfaktor nur ungenau bestimmbar
ist.
Diese Beobachtungen zeigten, dass die
Helligkeitsverteilung der FIR/mm
Quellen bis zu einer 850 µm Flussdichte von ca. 5 mJy (1
milli-Jansky
= 10-29 W m-2 Hertz-1)
näherungsweise
einem Potenzgesetz folgt, dass sich bei grösseren Flüssen
aber
ein Abknicken der Verteilung andeutet (Abb. 5). Jedoch sind die
von SCUBA abgedeckten Flächen zu klein um Flächendichten von
Quellen heller als 5 mJy signifikant messen zu können. Neuere
tiefe
Beobachtungen mit MAMBO bei 1.2 mm zeigen, dass der aus SCUBA Daten
angedeutete
Knick bei 10 mJy nicht so ausgeprägt sein kann wie die in Abbildung
5 dargestellten bisherigen Messungen vermuten lassen.
 |
Abbildung 5: Die
kumulative Helligkeitsverteilung
(Zahl der Objekte pro Fläche heller als ein gegebener Fluss) der
Quellen
aus SCUBA 850 µm und MAMBO 1.2 mm Kartierungen, wobei die
Flüsse
der MAMBO Quellen mit einem Faktor 3 multipliziert wurden unter der
Annahme
eines typischen spektralen Verlaufs Fn µn3.5
zwischen 850 µm und 1.2 mm. |
Die hellsten Hintergrundquellen: Starbursts oder
Quasare?
— Besonders die hellsten Quellen geben wichtige Aufschlüsse
über
die Geschichte der Struktur- und Sternentstehung im frühen
Universum.
Galaxien bei Rotverschiebungen zwischen 2 und 4 mit 850 µm
Flussdichten
von 10 bis 20 mJy (entsprechend 3 bis 6 mJy bei 1.2 mm) haben eine
gesamte
Infrarot-Leuchtkraft von ca. 1013 Sonnen-Leuchtkräften,
was Sternentstehungsraten von über 1000 Sonnenmassen pro Jahr
implizieren
würde, käme diese Helligkeit ausschliesslich von jungen
Sternen.
Solche Sternentstehungsraten sind zehn mal grösser als die in den
hellsten Starburst-Galaxien im nahen Universum auftretenden und zudem
über
10 mal höher als die Raten, die aus den blauen Helligkeiten
optisch
beobachteter Galaxien abgeleitet werden. Die ungewöhnlich hellen
FIR/mm
Quellen reflektieren scheinbar die speziellen Bedingungen der Stern-
und
Galaxienentstehung im frühen Universum. Wegen der bislang kleinen
Zahl der beobachteten hellsten FIR/mm Quellen ist es jedoch bislang
unklar,
ob diese Objekte starke Starburst Galaxien sind, linsenverstärkte
schwächere Starbursts, oder Quasare, in denen ein akkretierendes
massereiches
Schwarzes Loch die grossen Energien liefert. Bestimmungen der
Häufigkeit
sowie der spektralen und morphologischen Eigenschaften der hellsten
FIR/mm
Quellen sind die wichtigsten fehlenden Elemente im Puzzle der Sterne-
und
Galaxienentstehungsgeschichte des Universums.
Tiefe MAMBO Kartierungen. — Beobachtungen
mit MAMBO am
IRAM 30 m Teleskop zielen darauf, Häufigkeit und Eigenschaften der
hellsten mm-Hintergrundquellen zu messen. Im Unterschied zu SCUBA
können
mit MAMBO relativ grosse Flächen am Himmel mit einer
Empfindlichkeit
kartiert werden, die es erlaubt eine grössere Anzahl der helleren
mm-Hintergrundquellen zu entdecken.
In den Wintern 1998/1999 und 1999/2000 wurden von
Wissenschaftlern des
MPIfR mit MAMBO drei Felder kartiert mit einer Gesamtfläche von
ca.
300 arcmin² bei einem Detektionslimit von ~ 2 mJy, was einem Fluss
von ca. 6 mJy bei 850 µm entspräche. Eines dieser Felder
beinhaltet
den z = 4.7 Quasar BR1202-0725, den hellsten bekannten Quasar
bei z
> 3. Eine vorläufige Auswertung dieser ca. 100 arcmin²
grossen,
im Winter 1999/2000 erstellten MAMBO Karte (Abb. 6) zeigt neben
BR1202-0725 über ein Dutzend signifikante Quellen, wovon die zwei
hellsten einen 1.2 mm Fluss von ca. 6 mJy aufweisen.
 |
Abbildung 6: MAMBO 1.2 mm
Kartierung um den 16
mJy hellen z = 4.7 Quasar BR1202-0725. Die Flussdichte ist
farblich
kodiert, mit mJy als Einheit der Farbskala und Bogensekunden als
Koordinateneinheit.
Das Rauschniveau steigt von der Mitte der Karte (RMS »
0.4 mJy) zum Rand hin (RMS » 0.8
mJy).
Über ein Dutzend helle Quellen sind erkennbar. |
Auch wenn Quellen mit 1.2 mm Flüssen von über
3 mJy selten
sind, zeigen die MAMBO Beobachtungen, dass diese hinreichend
häufig
sind um signifikante Quellenstatistik bei äquivalenten 850
µm
Flüssen von 5 bis 20 mJy zu erlangen (siehe Abb. 5). Die
drei
MAMBO Felder werden die bisherige Anzahl von FIR/mm Hintergrundquellen
mindestens verdoppeln und verbessern damit insbesondere die Statistik
am
hellen Ende der Leuchtkraftverteilung.
Die Geschichte der Sternentstehung. — Aus
der bei Millimeterwellenlängen
gemessenen Helligkeit einer Quelle kann bei Annahme einer typischen
Staubtemperatur
(ca. 40 K) eine Gesamtleuchtkraft und mittels einer typischen
Sternmassenverteilung
eine Sternentstehungsrate berechnet werden, die dieser Leuchtkraft
entspricht.
Für ein gegebenes Rotverschiebungsintervall lässt sich dann
aus
der Zahl und Helligkeit der hierin beobachteten Galaxien eine
räumlich
gemittelte Sternentstehungsrate bestimmen. Die so berechnete Rate als
Funktion
der Rotverschiebung skizziert die zeitliche Entwicklung der
Sternentstehung
im Universum (Abb. 7).
 |
Abbildung 7: Die
Geschichte der Sternentstehung
im Universum: die räumlich gemittelte Sternentstehungsrate als
Funktion
der Rotverschiebung, die der Distanz und somit dem Alter der Objekte
entspricht.
Bis auf die SCUBA/MAMBO Punkte basieren alle Messpunkte auf optischen
Beobachtungen,
die mit einem unsicheren Extinktions-Korrekturfaktor 5 multipliziert
wurden.
Das Alter der Universums bestimmt sich aus der Rotverschiebung zu »
13 (1+z)-1.5 Milliarden Jahre. |
Die ersten Versuche, diese Kurve bei hohen (z
> 1) Rotverschiebungen
zu bestimmen, basierten auf Abschätzungen der
Sternentstehungsraten
aus den (in ihrem Ruhesystem) blauen Helligkeiten der Galaxien, die bei
vernachlässigbarer Extinktion gut die jungen Sternpopulationen
reflektieren
würden. Die Bestimmung der Flächendichte entfernter Galaxien
im Hubble Deep Field beispielsweise liessen ein Maximum der mittleren
Sternentstehungsrate
des Universums bei z » 1.5
vermuten.
Die ersten Messungen des sub-mm Hintergrunds durch SCUBA zeigten
jedoch,
dass die leuchtkräftigsten Galaxien den optischen Aufnahmen
vollkommen
entgehen. Die nun durch SCUBA und MAMBO Messungen bestimmte
Sternentstehungsgeschichte
zeigt einen Anstieg der Sternentstehungsrate mit zunehmender
Rotverschiebung
bis mindestens z = 3, und eine mittlere Sternentstehungsrate
bei z
= 3, die einen Faktor >3 über der optisch bestimmten Rate
liegt. Erst
wenn die optisch bestimmten Raten auf Extinktion korrigiert werden
zeigen
sich diese mit den mm Messungen konsistent. Da der optische
Korrekturfaktor
jedoch nicht für einzelne Galaxien individuell bestimmbar ist,
sind
alle Bestimmungen der Sternentstehungsgeschichte des Universums aus
optischen
Daten problematisch. Diese ist präziser durch mm und FIR
Beobachtungen
messbar. Da die Zahl der dazu verfügbaren FIR/mm Quellen noch sehr
klein ist, sind hier in den nächsten Jahren grosse Fortschritte zu
erwarten.
Vorstoss in die Vergangenheit. — Eine
genaue Auswertung
der im letzten Winter gemessenen MAMBO und SCUBA Karten wird die Zahl
der
insgesamt bekannten sicheren FIR/mm Hintergrundquellen auf über 50
verdoppeln. Nachfolgebeobachtungen mit den dazu nötigen grossen
Teleskopen,
z.B. dem Keck 10 m oder dem 8 m Very Large Telescope der
Europäischen
Südsternwarte (ESO), sowie tiefe 20 cm Radiobeobachtungen mit dem
Very Large Array (VLA) dürften die Zahl der optischen und
nah-infrarot
Identifikationen signifikant erhöhen und anschliessende genaue
Bestimmungen
der Rotverschiebung ermöglichen. Damit könnte sich in naher
Zukunft
klären, um welche Art von Objekten es sich bei den FIR/mm Quellen
handelt, wie sich die mittlere Sternentstehungsrate im Universum bei
sehr
hohen Rotverschiebungen (z > 3) ändert, und auch ob die
räumliche
Verteilung der Quellen Aufschlüsse über die gross-skalige
Strukturevolution
im Frühen Universum erlaubt.
Im Winter 2000/2001 wird ein erweitertes 117-Element
MAMBO am IRAM 30
m Teleskop noch grossflächigere Kartierungen erlauben und damit
eine
wesentliche Verbesserung der Statistik der stärksten FIR/mm
Hintergrundquellen
ermöglichen. In zwei bis fünf Jahren dürfte die
Verfügbarkeit
neuer oder verbesserter Instrumente der Erforschung der entferntesten
Galaxien
schliesslich einen signifikanten Schub geben. Das VLA wird nach der
Erneuerung
seiner Empfänger erheblich empfindlicher und damit in der Lage
sein,
die Radioemission aller entdeckten FIR/mm Quellen zu detektieren und
somit
deren Positionen genau zu bestimmen und die Rotverschiebungen
abzuschätzen.
Das in Kürze auf 6 Antennen erweiterte IRAM Plateau de Bure
Interferometer
wird die FIR/mm Hintergrundquellen auf einen Bruchteil einer
Bogensekunde
lokalisieren, und zudem die Detektion von Molekülen darin
erlauben.
Ein vom MPIfR geplantes 12 m Submillimeter Teleskop auf dem 5000 m
hohen
Chajnantor Plateau in der chilenischen Atacama Wüste wird tiefe
Kartierungen
im atmosphärischen 350 µm Fenster erlauben, bei einer
Wellenlänge
wo die FIR/mm Hintergrundquellen zehn mal stärker sind als bei 1.2
mm. Und ab ca. 2005 wird das ALMA 64-Antennen Submillimeter
Interferometer
auf dem gleichen Standort weit tiefer und mit höchster
Auflösung
in die Frühgeschichte der Galaxien- und Sternentstehungsgeschichte
unseres Universums dringen.
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