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LOFAR: das erste voll digitale
Teleskop der Welt
Klassische Radioteleskope sammeln - wie optische Teleskope - Strahlung
durch parabolförmige Reflektoren (Abb.
1). Computergesteuerte Motoren bewegen den Spiegel entlang
der scheinbaren Bahn einer Radioquelle am Himmel. Die neue Generation
von Radioteleskopen benötigt dagegen keine beweglichen Teile und
Motoren. Das Teleskop besteht aus einer großen Zahl von Dipolantennen,
die fest am Boden montiert und in Stationen angeordnet sind. Die
Blickrichtung und die Größe des Gesichtsfeldes werden durch einen
zentralen Supercomputer (Korrelator) festgelegt, der auch die digitalen
Signale aller Dipole aufnimmt und kombiniert (Abb. 2). Das
digitale Korrelationssignal entspricht dem Muster bei der Interferenz
optischer Strahlung. Die Auflösung des Gesamtteleskops wird durch den
Abstand der äußersten Dipole bzw. Stationen bestimmt. Das digitale
Teleskop kann im Prinzip den gesamten Himmel gleichzeitig beobachten,
was jedoch zur Zeit durch die begrenzte Rechenleistung und Kapazität
der Datenspeicher noch nicht möglich ist. Immerhin kann das digitale
Teleskop in mehrere Richtungen gleichzeitig beobachten, also mehrere
Astronomen gleichzeitig mit Daten versorgen.
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Abb. 1
© ASTRON
Dwingeloo |
Abb. 2
© ASTRON
Dwingeloo |
Das Prinzip des digitalen Radioteleskopes (oder Phased Array) ist seit
langem bekannt, aber erst jetzt erlauben preiswerte Elektronik,
Superrechner und gigantische Datenspeicher die Realisierung. Das
radioastronomische Institut ASTRON bei Dwingeloo in den
Niederlanden arbeitet seit einigen Jahren am Projekt LOFAR (Low
Frequency Array). 2005 stellte die niederländische Regierung und die
Provinzen Nord-Niederlande die Mittel zur Verfügung, um mit dem Bau
beginnen zu können. LOFAR arbeitet in zwei Frequenzbereichen: 10 - 80
MHz (30 - 3,8 m) und 110 - 240 MHz (2,7 - 1,2 m), für die zwei
verschiedene Dipoltypen konstruiert wurden (Abb. 3) und (Abb. 4).
Das
UKW (FM) Band (2,8 m - 3,4 m Wellenlänge) wird vermieden, denn dort ist
kein Durchkommen für kosmische Wellen möglich. Jede Station wird aus 96
Dipolen im Niederfrequenzband sowie aus 48 oder 96 Zellen aus jeweils 4x4
Dipolen im Hochfrequenzband auf einer Fläche von 110 x 60 m bestehen.
Störungen durch künstliche Radiosignale werden an Ort und Stelle
digital herausgefiltert. Der Kern von 24 Stationen steht bei Exloo
(Westfriesland), und weitere 16 Stationen sind über die
östlichen Niederlande verteilt. Dazu kommen mindestens 9 internationale
Stationen. Mitte 2006 wurde die erste Station
errichtet, und bis 2012 sollen 40 niederländische und 9
internationale Stationen in Betrieb gehen. Der
Zentralrechner Blue Gene/L, einer der schnellsten Rechner der Welt,
steht bereits in der Universität von Groningen. Seine Rechenleistung
von 27 Teraflops reicht aus, um die gewaltige Datenrate von 300 Gb/s,
die ständig von den Stationen eingeht, direkt zu Radiobildern
verarbeiten zu können. Zwei Datenspeicher am Forschungszentrum Jülich und in den Niederlanden von jeweils 1 Petabyte (1015 Byte)
erlauben es, die Signale auch nachträglich auswerten zu können. Das
LOFAR-Datennetz soll auch für Detektoren in anderen
Wissenschaftsdisziplinen (Geophysik, Biologie, Meteorologie) genutzt
werden.
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 |  | Abb. 3: Einzelne LOFAR Dipol-Antenne für den Frequenzbereich 10-80 MHz © W. Reich, MPIfR Bonn | Abb. 4: Einzelne LOFAR Antenne für den Frequenzbereich 110-240 MHz © ASTRON Dwingeloo |
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| Erläuterung der verwendeten Begriffe
Beam, deutsch Antennenkeule:
gibt den Raumwinkelbereich an, in dem die Antenne Radiostrahlung
sammelt. Die Halbwertsbreite ist der doppelte Winkel vom Maximum der
Empfindlichkeit (Antennengewinn) bis zur halben (3 dB) Empfindlichkeit.
Der Beam einer Hornantenne auf einer optischen Achse eines
Parabolspiegels hat ungefähr die Form einer zweidimensionalen
Gaußkurve. Der elektronisch erzeugte Beam eines Focal Plane Arrays oder
einer Station von Phased Arrays (s.u.) wie bei LOFAR kann erheblich von
der Form einer Gaußkurve abweichen. Bei einem Interferometer-Teleskop
bestimmt der Beam des einzelnen Spiegels bzw. des Stations-Beams eines
Phased Arrays das Gesichtsfeld des Gesamtteleskopes. Die Auflösung
innerhalb dieses Gesichtsfeldes wird durch Korrelation der Signale von
allen Teleskopen bzw. Stationen im zentralen Computer erreicht.
Focal Plane Array (FPA) oder Radio-Kamera:
Eine Anordnung von Halbleiterelementen in der Brennebene eines
Radioteleskops. Ähnlich wie mit einem CCD-Chip für den optischen
Bereich kann somit ein großes Himmelsgebiet gleichzeitig gemessen
werden. Vorläufer des FPAs sind die Mehrfachhorn-Systeme, die z.B. seit
vielen Jahren sehr erfolgreich im 100 m-Teleskop Effelsberg eingesetzt
werden. Jedes Horn hat jedoch eine feste Blickrichtung relativ zum
Teleskop, ähnlich wie ein Pixel einer CCD-Kamera, während das
Gesichtsfeld und der Beam eines FPA wie beim Phased Array digital
gesteuert werden können.
Phased Array oder Aperture Array:
Digitales Radioteleskop, das aus einer großen Zahl von einfachen
Elementen besteht, fest auf dem Boden montiert ist und völlig ohne
bewegliche Teile auskommt. Der Beam wird elektronisch durch
Phasenverzögerungen zwischen den Elementen erzeugt. Dieses Prinzip
ähnelt dem Radio-Interferometer oder (genauer) Syntheseteleskop, das
aber nur einen Beam in der Richtung der Einzelteleskope bildet. Mit dem
Phased Array kann in mehreren Richtungen gleichzeitig und völlig
unabhängig voneinander beobachtet werden. Bei niedrigen Frequenzen
(unterhalb von etwa 100 MHz) besteht ein Phased Array (wie bei LOFAR)
aus einem Feld von einfachen Dipolantennen aus Metalldraht oder
Metallstangen. Jeder Dipol empfängt Radiostrahlung des gesamten
Himmels. Die Beams einer Station werden elektronisch in der
Stations-Zentraleinheit erzeugt und vom Zentralrechner des
Gesamtteleskops gesteuert. |
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| Abb. 5: Beams der Station eines Phased Arrays: Ein einzelner Dipol sieht den gesamten Radiohimmel (grau); die Zentraleinheit der Station bildet aus den Signalen aller Dipole mehrere Stationbeams (rot) und (gelb);
der Zentralrechner des Gesamtteleskops berechnet aus allen
Stationbeams Radiokarten mit hoher Winkelauflösung, den
synthetisierten Beams (hellblau) © ASTRON Dwingeloo / MPIfR Bonn |
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