|
|
Das deutsche LOFAR-Konsortium GLOW (German LOng Wavelength)
Um mit LOFAR eine Winkelauflösung von einer Bogensekunde und besser zu
erreichen, reicht eine Ausdehnung des Teleskops über die Größe der
Niederlande nicht aus. Seit 2004 arbeiten deutsche Institute daran, ein eigenes Netzwerk von deutschen LOFAR-Stationen aufzubauen und mit modernsten Datenleitungen zu verbinden.
Die wissenschaftlichen Ziele der deutschen Wissenschaftler wurden 2005
in einem „White Paper” zusammengefasst, das von Marcus Brüggen
(Jacobs-Universität Bremen), Heino Falcke (ASTRON/Universität
Nijmegen), Rainer Beck (MPIfR Bonn) und Torsten Enßlin (MPA Garching)
editiert und vom MPIfR in Bonn herausgegeben wurde. LOFAR ist erstmals in der Lage, langwellige
Radiostrahlung von Wasserstoffgas aus der Frühzeit des Universums zu
messen, die durch die Expansion des Kosmos von ursprünglich 21cm auf
etwa die zehnfache Wellenlänge "auseinander gezogen" wurde. Langwellige
Radiostrahlung stammt außerdem von schnellen Elektronen, die sich in
schwachen Magnetfeldern bewegen. Die deutschen Wissenschaftler möchten
daher mit LOFAR auch kosmische Magnetfelder beobachten, und zwar in
unserer Milchstraße, in Galaxien, Galaxienhaufen, Radiogalaxien,
aktiven Galaxienkernen, in galaktischen und in stellaren Jets. Dabei
spielt die polarisierte Radiostrahlung eine wichtige Rolle. Planeten in
anderen Sonnensystemen können ebenfalls durch ihre langwellige
Radiostrahlung aufgespürt werden. Auch die Radiostrahlung von
Eruptionen auf der Sonne lässt sich mit LOFAR mit einer bislang
unerreichten Präzision verfolgen, und damit kann der Einfluss der Sonne
auf unsere Zivilisation besser verstanden werden.
Deutsche Astronomen haben einen wichtigen Schritt in Richtung auf LOFAR
in Deutschland gemacht. Am 3. Mai 2006 fand am Astrophysikalischen
Institut Potsdam die erste Sitzung des Deutschen Konsortiums zur
Messung langer Radiowellen (German Long Wavelength Consortium, GLOW)
statt. Vorsitzender ist Prof. Ralf-Jürgen Dettmar (Ruhr-Universität
Bochum) und Prof. Marcus Brüggen (Jacobs-Universität Bremen) ist sein
Stellvertreter. Mitglieder des Konsortiums sind die physikalischen
Institute der Universitäten Bielefeld und Köln, die astronomischen
Institute der Universitäten Bochum und Bonn, das
Max-Planck-Institut für Radioastronomie Bonn, die Internationale
Universität Bremen, das Max-Planck-Institut für Astrophysik Garching,
der Exzellenz-Cluster "Universum" Garching, die Sternwarte Hamburg, das
Forschungszentrum Jülich, das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam
und
die Thüringer Landessternwarte Tautenburg. Gemeinsame Ziele sind der
Aufbau und die Koordinierung des deutschen LOFAR-Netzwerks (Abb. 2) und
des zugehörigen Wissenschafts-Netzwerkes, den Aufbau eines Datenzentrums am Forschungszentrum Jülich und die Förderung der
Ausbildung von Studenten. Die mit LOFAR gewonnenen
Erfahrungen sind von großer Bedeutung für das internationale Projekt
Square Kilometre Array (SKA), das ab 2016 unter wesentlicher
Beteilung Europas für den Frequenzbereich von 70 MHz bis
mindestens 10 GHz gebaut werden soll. Weitere interessierte Institute
können einen Beitrittsantrag zum GLOW-Konsortium stellen. |
|
 |
 |
 |
Abb. 1: Teilnehmer der ersten Sitzung des GLOW-Konsortiums am 3. Mai 2006 in Potsdam
© D. Lehmann AI Potsdam
|
Abb. 2: geplante LOFAR-Stationen in Deutschland
rot=in Betrieb orange=in Planung
© ASTRON Dwingeloo / MPIfR Bonn
|
Abb. 3:
Dritte Sitzung des GLOW-Rates am 6. Mai 2008 in Tautenburg im Thüringer
Wald. Das Bild wurde auf dem künftigen Gelände der LOFAR-Station
aufgenommen. Im Hintergrund ist die Kuppel des Tautenburger 2m-Spiegels
zu sehen.
© Foto: A. Zensus / MPIfR Bonn
|
|
|
|